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Die Triumphe
1351
– Werkseintrag –

Die Triumphe

1351 · Epik

Sechs allegorische Triumphzüge führen den Dichter von der irdischen Liebe Schritt für Schritt zu den letzten Dingen – Petrarcas spätes Versepos in Terzinen über die Vergänglichkeit des Menschen.

Überblick↑

Die Triumphe sind ein Versepos Francesco Petrarcas, verfasst in italienischen Terzinen. In allegorischer Form stellt es das menschliche Leben, den Kampf gegen die Leidenschaften und die Vergänglichkeit des Daseins dar. In sechs aufeinander folgenden Bildern lässt Petrarca persongewordene Mächte vor dem Dichter vorüberziehen – von der Liebe bis zur Ewigkeit. Dabei besiegt jede die vorhergehende. In der Spätzeit seines Schaffens kehrt Petrarca damit von der Liebeslyrik zur hohen moralisch-allegorischen Dichtung in der Manier Dantes zurück. Das Originalmanuskript wird in der Bibliotheca Riccardiana in Florenz aufbewahrt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Sechs Triumphzüge sieht der Dichter an sich vorbeiziehen. Jeder erzählt von einer Macht, die das menschliche Leben bestimmt. Den Anfang macht die Liebe, dargestellt als nackter Jüngling mit Pfeil und Bogen, dem sich kaum jemand entziehen kann. Ihr tritt die Keuschheit entgegen, verkörpert durch die geliebte Laura. Es folgen weitere Gestalten: der Tod als Frau in schwarzem Gewand, der Ruhm als langer Zug berühmter Persönlichkeiten der Geschichte, angeführt von Platon, und die Zeit in Gestalt der Sonne.

Petrarca verknüpft auf diese Weise seine eigene seelische Lebensgeschichte mit dem großen Bilderbogen menschlicher Schicksale. Die persongewordenen Begriffe ziehen nacheinander in feierlichem Aufzug am Dichter vorüber. Der Leser folgt einer Reise, die das Hinfällige des irdischen Lebens vor Augen führt und auf eine letzte, höhere Erkenntnis hinausläuft.

Die Handlung im Detail↑

Die Dichtung gliedert sich in sechs Triumphe, die einander ablösen. Jede der allegorischen Gestalten siegt über die vorhergehende und wird selbst von der nächsten besiegt.

Der Triumph der Liebe eröffnet die Reihe: Die Liebe erscheint als nackter Jüngling, mit Bogen und Pfeilen bewaffnet, und führt eine Schar von Verliebten in ihrem Gefolge. Auch der Dichter selbst gehört zu den Bezwungenen. Ihm folgt der Triumph der Keuschheit, in dem Laura als Verkörperung der Reinheit und Heiligkeit über die Liebe triumphiert. Im Triumph des Todes erscheint eine Frau in Schwarz und reißt nieder, was zuvor unbesiegbar schien – auch Laura selbst entgeht ihrer Gewalt nicht. Der Triumph des Ruhms zeigt darauf, dass der Name großer Menschen den Tod überdauert: In langem Zug schreiten geschichtliche Persönlichkeiten an Petrarca vorüber, an ihrer Spitze Platon. Doch auch der Ruhm ist nicht das letzte Wort. Der Triumph der Zeit, dargestellt durch die Sonne, lässt jeden irdischen Glanz verblassen. Erst der Triumph der Ewigkeit, in dem der Gottmensch Christus erscheint, schließt den Kreis: Die Ewigkeit überwindet die Zeit selbst, und in ihr findet auch Laura ihre endgültige Vollendung.

So führt Petrarca den Leser von der irdischen Liebe Schritt für Schritt zu den überzeitlichen Gütern. Aufgabe der Dichtung ist es, die vergänglichen und die guten Seiten des menschlichen Daseins zu zeigen, um am Ende die Vorzüge des himmlischen Lebens zu erheben.

Stil↑

Verfasst ist das Werk in italienischen Terzinen, jener dreizeiligen Strophenform mit verschränktem Reim. Dante hatte diese Form in der Göttlichen Komödie zur höchsten Kunst geführt. Petrarca knüpft bewusst an diese hohe Tradition an. Er kehrt von der knappen, persönlichen Liebeslyrik seines Canzoniere zurück zur breit angelegten moralisch-allegorischen Großdichtung. Jeder Begriff – Liebe, Keuschheit, Tod, Ruhm, Zeit, Ewigkeit – wird zur sichtbaren Gestalt, mit eigenen Attributen und festem Auftritt im Triumphzug. Gelobt werden die lebendige Versenkung des Dichters in das eigene Empfinden und der hohe lyrische Ton einzelner Passagen. Bemängelt werden eine gewisse Härte der Erzählung, die langen Aufzählungen von Personen und eine Schwerfälligkeit, die den Eindruck mitunter dämpft. Bemerkenswert ist, dass der Triumphwagen, auf dem die Allegorie thront, im Text eigentlich nur beim Triumph der Liebe vorkommt. Erst die Illustratoren setzten auch die übrigen Gestalten auf Wagen und belebten so die antike römische Bildtradition des Kaisertriumphs neu.

Rezeption↑

Mit den Triumphen wandte sich Petrarca am Ende seines Lebens noch einmal einer großen lehrhaften Dichtung in der Art Dantes und seiner Nachahmer zu. Für das städtische Bürgertum der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war diese gelehrte, allegorische Dichtweise jedoch bereits ein überholtes Stadium. So fand der literarische Plan nicht den durchschlagenden Erfolg, den Petrarcas Liebeslyrik genoss. Umso wirkungsvoller war die bildkünstlerische Nachwirkung: Das Thema der Triumphe wurde zu einem der beliebtesten Bildmotive Europas, in vielfältiger Auslegung, etwa als Triumph der Venus. Die Ikonografie zahlreicher Werke geht auf Petrarcas Text zurück. Seine kraftvollen, vielschichtigen Beschreibungen und Sinnbilder reizten die Maler. Pesellino, Lorenzo Costa, Signorelli, Scheggia, Jacopo del Sellaio und Perugino griffen das Sujet auf, später auch Künstler des Barock und Rokoko. Am beliebtesten war der Triumph der Liebe, vor allem in der Toskana, wo er Tabletts und Truhen schmückte. An zweiter Stelle stand der Triumph der Keuschheit, der mitunter zum Kampf der Liebe und der Keuschheit oder zum Begräbnis Amors umgedeutet wurde. Eine Inkunabel des Werks erschien bereits 1473.

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