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Werkseintrag · Die Tragödie des Menschen
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Die Tragödie des Menschen
1862
– Werkseintrag –

Die Tragödie des Menschen

1862 · Tragödie

Ein Traum führt den ersten Menschen durch die Jahrtausende der Geschichte – vom Paradies über Ägypten, Athen und Paris bis in ferne Zukunftswelten – auf der Suche nach einer Idee, für die zu leben sich lohnt.

Überblick

Die dramatische Dichtung Die Tragödie des Menschen stammt vom ungarischen Schriftsteller Imre Madách. Sie erschien am 16. Januar 1862, wobei auf dem Titel der Erstausgabe noch das Jahr 1861 verzeichnet ist. Das Stück gilt als eines der bekanntesten Werke seines Verfassers. Es ist als Stationendrama angelegt, umfasst fünfzehn Bilder und ist größtenteils in Blankversen geschrieben. Deutlich spürbar ist der Einfluss von Goethes Faust. Die Uraufführung folgte erst 1883 in Budapest. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Sinn und dem Ziel des menschlichen Weges durch die Geschichte.

Inhalt (ohne Spoiler)

Nach der Erschaffung der Welt preisen die Erzengel das Werk des Herrn, während Luzifer daran Widersprüche zu entdecken meint. Im Paradies verführt er Adam und Eva dazu, gegen das Gebot vom Baum der Erkenntnis zu essen. Von nun an müssen die beiden Menschen für ihr Geschick selbst sorgen. Sie bitten Luzifer, ihnen „einen Blick in künftige Zeit" zu gestatten.

Von hier an führt eine Reihe von Bildern Adam, Eva und Luzifer an ganz verschiedene Orte und in ganz verschiedene Zeiten. Adam erlebt sich als Pharao im alten Ägypten, als Bürger im antiken Athen und im dekadenten Rom, als heimkehrender Kreuzritter in Byzanz und als der Astronom Johannes Kepler am Prager Hof. Weiter geht es in das Paris der Revolution, in das London der Gegenwart und schließlich in kühle Zukunftswelten, die von Technik bestimmt sind. Immer wieder tritt Eva ihm in wechselnder Gestalt gegenüber, und stets sucht Adam nach einer großen Idee, für die zu leben und zu kämpfen sich lohnt. Ob er sie findet, bleibt der Lektüre vorbehalten.

Die Handlung im Detail

Drei Eröffnungsbilder bilden den Rahmen der Dichtung. Im ersten Bild, unmittelbar nach der Erschaffung der Welt, loben die Erzengel im Himmel das Werk des Herrn; Luzifer dagegen kritisiert einige Widersprüche der Schöpfung. Im zweiten Bild, im Paradies, verführt Luzifer Adam und Eva dazu, vom Baum der Erkenntnis zu essen – ungeachtet der Warnungen durch die Stimme des Herrn. Im dritten Bild, außerhalb des Paradieses, sorgen sich Adam und Eva nun selbst um ihr Geschick und bitten Luzifer, ihnen einen Blick in die Zukunft zu gewähren.

Es folgt eine Kette von Traumbildern. In Ägypten ist Adam Pharao und Luzifer sein Minister; Eva erscheint als Frau eines Sklaven. Adam lässt eine Pyramide errichten, um seinen Nachruhm zu sichern. In Athen tritt Eva als Lucia auf, die Gattin des Feldherrn Miltiades, des Siegers von Marathon, mit ihrem Sohn Kimon. Vor der Tempelhalle muss Lucia mit anhören, wie ihr Mann verleumdet wird; als er eintrifft, wird er vom undankbaren Volk gerichtet. In Rom ist Adam der reiche Römer Sergiolus, der einen Gladiatorenkampf verfolgt – ein Bild der Dekadenz. Da erscheint Petrus und verkündet mit dem Christentum eine neue Idee, von der sich Adam mitreißen lässt: „Nun auf zum Kampf, die neue Lehre / Begeistre uns, erschaffen wir / Die neue Welt."

In Byzanz kehrt Adam als Tankred vom Kreuzzug zurück. Eva ist hier Isaura, die auf seine Liebesschwüre nicht eingehen kann, weil sie ein Gelübde ihres Vaters, eines Kreuzfahrers, erfüllt und ins Kloster geht. In Prag, am Hof Rudolfs II., ist Adam der Astronom Johannes Kepler, Eva seine Frau Barbara und Luzifer sein Gehilfe. Adam verzweifelt daran, dass er den kirchlichen Lehren nicht zuwider forschen darf und stattdessen astrologische Vorhersagen liefern muss. In einem Traum innerhalb dieses Traums findet er sich in Paris auf der Place de Grève wieder: Als Danton predigt er Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wird aber am Ende von der aufgewiegelten Volksmenge ergriffen und zur Guillotine geführt. Zurück in Prag entpuppt sich das Pariser Geschehen als Keplers Traum, und es folgt ein Lehrgespräch Keplers mit einem wissbegierigen Schüler.

Weiter geht die Reise ins London der Gegenwart, wo zwischen Tower und Themse buntes Markttreiben herrscht. Adam und Luzifer mischen sich als einfache Arbeiter unters Volk, Eva erscheint als Bürgermädchen. Dann führt der Weg in einen Phalanstère der nahen Zukunft: Ein Gelehrter zeigt Adam eine von Technik beherrschte Welt, aus der zu seinem Schrecken alle Poesie verbannt ist, und versucht, im Reagenzglas einen Menschen zu erzeugen. Im Weltraum fliegt Adam als alter Mann mit Luzifer durch die Sphären, kehrt aber schließlich zur Erde zurück. In einer eisigen Endzeit steht Adam als gebrochener Greis und verzweifelt angesichts dieser trostlosen Zukunft, bis Luzifer ihn aus dem Traum erweckt.

Das fünfzehnte Bild kehrt in die Palmenlandschaft des dritten Bildes zurück. Adam ist wieder ein junger Mann, von den Traumbildern noch erschüttert. Da eröffnet ihm Eva, dass sie ein Kind erwartet, und Adam schöpft neuen Mut. Gerade als Luzifer erneut eingreifen will, kehrt der Herr zurück und stellt sich wieder an die Seite der Menschheit. Auf Adams Furcht vor dem Ende des Lebens antwortet er dem Menschen, er solle kämpfen und vertrauen.

Stil

Das Werk ist als Stationendrama angelegt: Statt einer fortlaufenden Handlung reihen sich fünfzehn in sich geschlossene Bilder aneinander, die dieselben drei Gestalten – Adam, Eva und Luzifer – durch die verschiedensten Zeiten und Orte führen. Die Verse sind größtenteils Blankverse, also reimlose fünfhebige Zeilen, wie sie im klassischen Versdrama üblich sind. Ein durchgehender Traumrahmen verbindet die Einzelbilder: Was Adam erlebt, ist ihm im Schlaf vorgeführte künftige Zeit. Deutlich zeigt sich der Einfluss von Goethes Faust.

Rezeption

Die Uraufführung fand erst gut zwanzig Jahre nach dem Erscheinen statt, am 21. September 1883 in Budapest. Bis heute gilt das Stück als eines der bekanntesten Werke Imre Madáchs. Besondere Berühmtheit erlangte sein Schlusssatz, mit dem der Herr dem Menschen auf dessen Furcht vor dem Ende zuruft, er solle kämpfen und vertrauen: Er zählt zu den bekanntesten literarischen Zitaten in Ungarn und begegnet dem Publikum etwa auf Briefmarken sowie in Schul- und Kulturgebäuden. Der Stoff wurde auch auf die Leinwand gebracht – 1969 als Fernsehfilm und 2011 als Animationsfilm in der Regie von Marcell Jankovics.

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