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Werkseintrag · Die Tochter des Optimisten
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Die Tochter des Optimisten
1972
– Werkseintrag –

Die Tochter des Optimisten

1972 · Roman

Nach dem Tod ihres Vaters kehrt eine Frau in ihr Elternhaus in Mississippi zurück und findet dort zwischen alten Briefen, Nachbarn und Erinnerungen die Geschichte ihrer Familie wieder.

Überblick↑

Der Roman Die Tochter des Optimisten von Eudora Welty erschien 1972 unter dem Originaltitel The Optimist's Daughter. Ein Jahr später wurde die Autorin dafür mit dem Pulitzer-Preis für Belletristik ausgezeichnet. Erzählt wird von einer Frau, die nach dem Tod ihres Vaters in ihre Heimatstadt im Süden der Vereinigten Staaten zurückkehrt. Dort begegnet sie nicht nur den alten Nachbarn und Freundinnen, sondern vor allem ihrer eigenen Familiengeschichte.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Laurel McKelva, eine verwitwete Textildesignerin aus Chicago. Ihr Ehemann Phil war Marineoffizier und starb im Zweiten Weltkrieg, nur ein Jahr nach der Hochzeit. Ihr Vater Clinton McKelva ist pensionierter Richter und einer der angesehensten Bürger des kleinen Ortes Mount Salus in Mississippi. Laurels Mutter Becky ist schon vor vielen Jahren gestorben. Clintons zweite Frau Fay ist ungefähr so alt wie Laurel selbst.

Als bei Clinton eine Netzhautablösung festgestellt wird, lässt er sich in New Orleans operieren. Wochenlang liegt er im Krankenhaus, darf sich nicht bewegen und kann nur an die Decke starren. Laurel reist aus Chicago an, um ihn gemeinsam mit Fay zu pflegen. Doch Fay verhält sich abweisend und denkt vor allem an sich. Zwischen den beiden Frauen kommt es immer wieder zum Streit.

Die Ereignisse führen Laurel zurück nach Mount Salus, in das Haus ihrer Kindheit. Freunde, Nachbarn und die sechs Brautjungfern ihrer Hochzeit umgeben sie, und überall stößt sie auf Spuren der Vergangenheit. In den Büchern und Akten ihres Vaters, in alten Briefen und in einem alten Küchenbrett findet sie das Leben ihrer Eltern wieder. Zugleich muss sie sich fragen, wie viel von diesem Andenken sich überhaupt bewahren lässt.

Die Handlung im Detail↑

Der pensionierte Richter Clinton McKelva genießt in Mount Salus, Mississippi, hohes Ansehen. Seine erste Frau Becky stammte aus West Virginia und starb vor vielen Jahren. Seine zweite Frau Fay ist etwa im Alter seiner Tochter Laurel. Laurel lebt in Chicago, hat dort die Kunsthochschule besucht und arbeitet als Textildesignerin. Ihr Mann Phil, ein Marineoffizier, starb im Zweiten Weltkrieg ein Jahr nach der Hochzeit.

Clinton lässt sich von seinem Arzt und alten Freund Nate Courtland wegen eines Augenleidens untersuchen. Die Diagnose lautet Netzhautablösung. Clinton besteht darauf, dass Nate ihn selbst operiert. Danach liegt er wochenlang in einem Krankenhaus in New Orleans und wartet auf die Heilung. Bewegen darf er sich nicht, er kann nur die Decke anstarren. Laurel reist an und pflegt ihn gemeinsam mit Fay. Fay beschuldigt den Arzt, ihren Mann falsch behandelt und unnötig operiert zu haben. Die Spannungen zwischen den beiden Frauen nehmen zu. Eines Tages hört Laurel vom Flur aus, wie Fay ihren Mann anschreit und bedroht. Eine Krankenschwester muss Fay gewaltsam aus dem Zimmer entfernen. Kurz darauf stirbt Clinton, obwohl sein Auge auf dem Weg der Besserung war. Im Zug bringen Fay und Laurel den Leichnam zurück nach Mount Salus.

Das Haus ist voller Freunde, Nachbarn und Verwandter. Auch die sechs Brautjungfern von Laurels Hochzeit sind da, bis heute ihre besten Freundinnen. Fay macht deutlich, dass sie niemanden sehen will und dass die Beerdigung erst am nächsten Morgen stattfindet. Am Morgen wird der Sarg im Salon aufgebahrt, und die halbe Stadt nimmt Abschied. Die Leute erzählen Geschichten, in denen Clinton stets im besten Licht erscheint. Laurel hält das für Heuchelei und meint, ihr Vater selbst hätte sich mehr Ehrlichkeit gewünscht. Zu widersprechen traut sie sich jedoch nicht.

Unerwartet erscheinen Verwandte Fays aus Texas. Zuvor hatte Fay stets behauptet, sie habe keine Familie mehr. Sie selbst lässt auf sich warten, kommt erst spät in den Salon, wirft sich mit einer theatralischen Geste über den offenen Sarg und bricht zusammen. Nach dem Gottesdienst geht es zum Friedhof. Fay hat durchgesetzt, dass Clinton nicht neben Becky bestattet wird, sondern im neuen Teil des Friedhofs, der direkt an einer neu gebauten Autobahn liegt. Zurück im Haus beschließt Fay spontan, für ein paar Tage mit ihren Verwandten nach Texas zu fahren; sie spürt, dass sie in Mount Salus nicht gern gesehen ist. Laurel will noch zwei Tage im Elternhaus bleiben und hofft, Fay nicht mehr zu begegnen.

Am Samstag arbeitet Laurel im Garten, während vier ältere Damen aus der Nachbarschaft über die Beerdigung reden und ihre Abneigung gegen Fay und deren Verwandtschaft deutlich machen. Vergeblich versuchen sie, Laurel zur Rückkehr aus Chicago zu bewegen. Im Arbeitszimmer des Vaters vertieft sich Laurel in alte Bücher und Akten. Erinnerungen kehren zurück, etwa daran, wie die Eltern einander abends vorlasen. Der Schreibtisch ist leer: Offenbar hat Fay alles an sich genommen oder vernichtet. Am Sonntag trifft Laurel ihre Brautjungfern, abends Major Bullock und Miss Tennyson Bullock, ein befreundetes Paar ihres Vaters. Bei ihrer Rückkehr fliegt ein Schornsteinsegler ins Haus, den sie verzweifelt wieder hinauszubringen versucht. Schließlich flüchtet sie sich ins frühere Schlafzimmer der Eltern und das angrenzende Nähzimmer, wo der alte Schreibsekretär der Mutter steht. Sie liest Briefe ihres Vaters an Becky und Briefe der Großeltern. Weitere Ereignisse der Familiengeschichte steigen auf, die sie nur aus Erzählungen kennt: wie Becky als junges Mädchen ihren Vater wegen eines Blinddarmdurchbruchs ins Krankenhaus bringen wollte und mit dem toten Vater zurückkehren musste. Becky vermisste West Virginia zeitlebens und fuhr jedes Jahr für einen Monat dorthin, oft mit der kleinen Laurel. Später ließ ihre Sehkraft nach, sie verfiel in Depressionen und warf ihrem Mann vor, ein Feigling zu sein und ihr nicht zu helfen.

Über den Briefen schläft Laurel ein. Am Montagmorgen, dem Tag ihrer Abreise, erwacht sie. Sie hat von Phil geträumt und von der gemeinsamen Fahrt aus Chicago zur Hochzeit in Mount Salus. Mit Hilfe der Köchin Missouri bringt sie endlich den Vogel aus dem Haus. Dann verbrennt sie die Briefe aus dem Sekretär ihrer Mutter, damit nichts davon in Fays Hände fällt. In der Küche findet sie ein Brett, auf dem Becky immer Brotteig knetete. Phil hatte es einst angefertigt, Becky hielt es stets in gutem Zustand. Nun ist es schmutzig, von Ratten angenagt, zerkratzt und mit ausgedrückten Zigaretten verunstaltet. In diesem Augenblick kehrt Fay aus Texas zurück. Laurel hält ihr das Brett vor und wirft ihr vor, wie gleichgültig ihr Beckys Andenken ist. Auch am Tod Clintons gibt sie ihr eine Mitschuld. Sie verlangt, das Brett mitnehmen zu dürfen. Fay bleibt hart und ohne jedes Mitgefühl. Laurel holt schon aus, um sie mit dem Brett zu schlagen, senkt es dann aber wieder. Draußen warten die Brautjungfern, um sie zum Flughafen zu bringen. Laurel steigt zu ihnen ins Auto und verlässt die Stadt.

Stil↑

Aufgebaut ist der Roman in vier Teile, die einem engen zeitlichen Ablauf folgen: Krankheit und Tod des Vaters, die Beerdigung, die Tage im Elternhaus und der Morgen der Abreise. Erzählt wird durchgehend aus der Sicht Laurels. Was der Leser über die Familie erfährt, kommt daher vor allem aus ihrer Erinnerung und aus dem, was ihr andere erzählt haben.

Vieles trägt die Handlung über Gegenstände und Bilder. Das Augenleiden des Vaters und die nachlassende Sehkraft der Mutter, die Briefe im Sekretär, der Vogel im Haus und schließlich das zerkratzte Knetbrett stehen jeweils für ein Stück Familiengeschichte. Auch die Gespräche der Nachbarn im Garten und die Erinnerungsgeschichten am Sarg bekommen ihr Gewicht dadurch, dass Laurel sie schweigend anhört und für sich bewertet.

Rezeption↑

Im Jahr 1973 erhielt Eudora Welty für den Roman den Pulitzer-Preis in der Kategorie Belletristik. Damit zählt das Buch zu ihren am stärksten beachteten Werken.

Helen McNeil geht in ihrem Vorwort zu einer Ausgabe von 1984 unter anderem auf die autobiografischen Bezüge zur Familiengeschichte der Autorin ein. Sie weist außerdem darauf hin, dass die durchweg negative Zeichnung der Figur Fay in Weltys Werk eine Ausnahme darstellt.

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