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Canzoniere
1336
– Werkseintrag –

Canzoniere

1336 · Lyrik

366 Gedichte über die Liebe zu einer Frau namens Laura, mit denen Petrarca die europäische Liebeslyrik für Jahrhunderte geprägt hat.

Überblick↑

Der Canzoniere, lateinisch Rerum vulgarium fragmenta, ist eine Sammlung von 366 italienischen Gedichten. In ihnen besingt Francesco Petrarca seine Liebe zu einer Frau, die er Laura nennt, und seine Trauer über ihren Tod. Petrarca hat die Sammlung über vier Jahrzehnte hinweg sorgfältig ausgewählt und immer wieder überarbeitet. Die ältesten Fassungen reichen bis 1327 zurück, die Hauptarbeit fällt in die Jahre 1336 bis 1369. Neben Dantes Göttlicher Komödie und Boccaccios Decameron gilt der Canzoniere als eines der drei Grundwerke der italienischen Literatur. Auf diese Werke haben sich spätere Dichter immer wieder berufen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt der Sammlung steht die Liebe des Dichters zu Laura. Dieser Frau ist er nach eigenem Bekunden im Jahr 1327 in Avignon begegnet. Wer sich hinter dem Namen verbirgt, lässt Petrarca offen. Vermutlich ist eine reale Dame gemeint, deren Identität durch das Pseudonym geschützt wird.

Die Verleger haben den Zyklus in zwei Teile geteilt: Gedichte aus der Zeit, als Laura noch lebte, und solche, die nach ihrem Tod im Jahr 1348 entstanden sind. Der Großteil der Texte umkreist die Liebe in immer neuen Stimmungen. Etwa dreißig Gedichte greifen ethische, religiöse oder politische Fragen auf. Bekannt sind die Kanzonen Italia mia und Spirto gentil. In ihnen spricht Petrarca von seiner italienischen Heimat und wünscht sich diese frei von Bürgerkriegen und fremden Söldnern.

Im Vordergrund steht weniger das äußere Geschehen als die innere Bewegung des Sprechers: das Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Glück und Schmerz, zwischen weltlicher Bindung und religiöser Sehnsucht.

Die Handlung im Detail↑

Der Canzoniere umfasst 366 Gedichte: 317 Sonette, 29 Kanzonen, 9 Sestinen, 7 Balladen und 4 Madrigale. Petrarca hat nicht alle seine Gedichte aufgenommen, sondern nur die sorgfältig ausgewählten; weitere, sogenannte extravagantes, sind verloren oder in andere Schriften eingegangen.

Den Stoff bildet die Liebe des Dichters zu Laura, die er in Avignon kennengelernt haben will. Nach antiker Tradition verbirgt sich hinter dem Namen wahrscheinlich eine reale Frau. Die Verleger haben die Sammlung in zwei Abschnitte gegliedert: die Gedichte aus der Zeit, in der Laura noch lebte, und jene, die nach ihrem Tod im Jahr 1348 entstanden sind. Diese Zweiteilung folgt der inneren Bewegung des Werkes: zuerst die Liebe zur lebenden Frau, dann die Trauer um die Verstorbene und die Auseinandersetzung mit Erinnerung, Reue und Vergänglichkeit.

Der weitaus größte Teil der Gedichte umkreist die Liebe. Petrarca schildert immer wieder die intensive psychologische Reaktion des Sprechers auf die Geliebte: ihr Bild, ihre Augen, ihre blonden Zöpfe, ihr Lächeln. Dabei hat er Verse, die ursprünglich für andere Frauen gedacht waren, später auf Laura umgeschrieben und in den Zyklus eingefügt. Etwa dreißig Gedichte verlassen das Liebesthema und wenden sich ethischen, religiösen oder politischen Fragen zu. Zu den berühmtesten zählen die Kanzonen Italia mia (Nr. 128) und Spirto gentil (Nr. 53). In ihnen verbindet Petrarca den Begriff der Heimat mit seinem Geburtsort Arezzo und wünscht sich Italien befreit von den Bürgerkriegen und den fremden Streitkräften, die das Land zerreißen.

Am Ende des zweiten Teils steht die Kanzone Alla Vergine (Nr. 366). In ihr wendet sich der Dichter an die Jungfrau Maria und bittet sie um Fürbitte bei ihrem Sohn, damit dieser seiner Seele den ewigen Frieden schenke. Damit mündet die lange Reihe weltlicher Liebesgedichte in ein religiöses Gebet, das den ganzen Zyklus beschließt.

Stil↑

Petrarca verfeinerte die Formen der mittelalterlichen Lyrik. Von den provenzalischen Dichtern übernahm er Versmaß und Sestine und verarbeitete deren Tonfall in der eigenen Sprache. Auch die Gestalt der verehrten Frau ist diesem Erbe verpflichtet. Laura erscheint als hehre, fast unerreichbare Geliebte, der sich der Dichter in Demut nähert. Ihre Züge wiederholen sich von Gedicht zu Gedicht in derselben Weise: die schönen Augen, die blonden Zöpfe, das süße Lächeln. Sie bekommt dadurch kein eigenes Leben, sondern bleibt Bild und Sinnbild.

Charakteristisch ist die enge Verschränkung von Gefühl und Landschaft. Die Beschreibung der Natur wird zum Spiegel der inneren Bewegung des Sprechers. Ebenso prägend ist die Vorliebe für gegensätzliche Bilder, etwa das berühmte Oxymoron des Liebenden, der „frierend wie Feuer“ und „brennend wie Eis“ ist. Solche zugespitzten Formeln machen den Canzoniere zu einem Vorbild kunstvoller Liebesdichtung.

Rezeption↑

Die Wirkung des Canzoniere reicht weit über Italien hinaus. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde Petrarcas Liebeslyrik vor allem in Frankreich und England stilbildend für eine ganze Richtung der Dichtkunst. Diese Richtung wird nach ihrem Vorbild Petrarkismus genannt. Die Form des Sonetts wurde dabei weiterentwickelt. In Frankreich entstand der nach Pierre de Ronsard benannte Typ. In England entstand der elisabethanische Typ, den Philip Sidney, Edmund Spenser und William Shakespeare prägten.

Viele Bilder, die Petrarca eingeführt oder zugespitzt hatte, wurden so oft nachgeahmt, dass sie zu Klischees erstarrten. Schon im frühen 16. Jahrhundert begann eine Gegenbewegung. Petrarcas Lyrik wurde zum Gegenstand von Spott und Persiflagen. Hervorgetan hat sich dabei der italienische Literat Pietro Aretino. Er dichtete zunächst selbst noch in Petrarcas Manier, parodierte ihn später aber lustvoll.

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