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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Paradise Regained
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Cover Paradise Regained
Paradise Regained
1671
– Werkseintrag –

Paradise Regained

1671 · Epik

Miltons knappes Spätwerk erzählt in vier Büchern Blankvers, wie Christus in der Wüste den Versuchungen Satans begegnet – und damit zurückgewinnt, was im großen Vorgängerepos verloren ging.

Überblick↑

Mit Paradise Regained legte John Milton 1671 die knappe Fortsetzung seines berühmten Epos Paradise Lost vor. Erschienen ist das Werk in einem Band, der auch das Trauerspiel Samson Agonistes enthielt. Während Paradise Lost den Sündenfall der Menschheit erzählt, schildert Paradise Regained, wie Christus durch sein Standhalten gegen die Versuchungen Satans das Paradies zurückgewinnt. Das Werk gilt als geistlicher Gegenpol zum größeren Vorgängerepos und führt dessen theologische Themen weiter.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Handlung setzt mit der Taufe Jesu im Jordan ein. Während Gott Vater vom Himmel aus das Geschehen beobachtet und seinen Boten Gabriel zur Erde sendet, hält Satan mit seinen Mitgesellen Rat, wie er den neuen Widersacher zu Fall bringen könnte. Schließlich macht er sich selbst auf den Weg in die Wüste, wo Jesus seine vierzigtägige Prüfungszeit durchlebt.

In der Verkleidung eines alten Mannes nähert sich Satan dem ausgehungerten Jesus und gibt sich als Freund und Ratgeber aus. Es beginnt eine Folge von Versuchungen, die immer höher zielen: vom einfachen Brot über sinnliche Genüsse bis hin zu Herrschaft, Wissen und Macht. Während die Jünger Simon und Andreas ihren Meister suchen und seine Mutter Maria in stillem Vertrauen ausharrt, entfaltet sich in der Wüste ein geistiges Duell zwischen Versucher und Versuchtem.

Die Handlung im Detail↑

Das Epos beginnt mit der Taufe Jesu im Jordan. Während dieses Ereignisses berät sich Satan mit seinen Mitgesellen, wie er Jesus verführen könnte, so wie es ihm einst im Paradies bei Adam gelungen war. Gott Vater beobachtet die Versammlung vom Himmel aus und schickt seinen Boten Gabriel zur Erde, wo Jesus in der Wüste eine Prüfungszeit durchlebt.

Satan nähert sich Jesus in der Verkleidung eines alten Mannes und bietet sich ihm als Freund und Ratgeber an. Nach vierzig Tagen in der Wüste ist Jesus ausgehungert, und Satan schlägt ihm vor, Steine in Brot zu verwandeln. Doch Jesus durchschaut die Verkleidung und entgegnet, der Mensch lebe nicht vom Brot allein, sondern von Gottes Wort. Unterdessen suchen seine Jünger Simon und Andreas nach ihm, ratlos über sein Verschwinden, während seine Mutter Maria ihm vertraut und an ihn glaubt.

Satan zieht sich zur Beratung mit Belial zurück, einem der gefallenen Engel. Dessen Vorschlag, Jesus mit einer schönen Frau zu verführen, lehnt er ab. Stattdessen veranstaltet er ein üppiges Bankett mit reichen Speisen und schönen Frauen als Bedienung. Auch dieser Versuch schlägt fehl. Daraufhin bietet Satan Jesus die totale Herrschaft über alle Völker der Erde an. Jesus lehnt ab, weil er keinen Sinn darin sieht, die Menschen zu versklaven. Satan führt ihn auf einen hohen Berg und zeigt ihm alle Länder, über die er herrschen könnte. Jesus antwortet, er werde ein Königreich errichten, aber ohne Satans Hilfe.

Satan gibt nicht auf und verspricht ihm alles Wissen und alle Weisheit der Welt: Philosophie, Musik, Kunst, Wissenschaft. Doch Jesus bleibt unbeeindruckt. Als letzte Probe führt Satan ihn auf die Spitze des Tempels und versucht, ihn zum Sprung in die Tiefe zu überreden, wo die Engel Gottes ihn auffangen und ins Paradies tragen würden. Auch das schlägt fehl. Satan gibt auf und verschwindet. Das Epos endet mit der Rückkehr Jesu in das Haus seiner Mutter.

Stil↑

Paradise Regained ist in vier Bücher gegliedert und in Blankversen verfasst, dem reimlosen fünfhebigen Jambus, den Milton schon in Paradise Lost zur Hochform geführt hatte. Mit 2.065 Zeilen ist das Werk deutlich knapper angelegt als das Vorgängerepos, das in zwölf Büchern und 10.565 Zeilen ausgreift. Diese strenge Verknappung passt zum inneren Geschehen: Statt kosmischer Schlachten und weiter Schauplätze konzentriert sich das Werk auf den geistigen Zweikampf zwischen Versucher und Versuchtem, der wesentlich in Reden und Antworten ausgetragen wird.

Rezeption↑

Paradise Regained ist als Fortsetzung von Paradise Lost stets im Schatten des berühmteren Vorgängers gelesen worden. Schon der gemeinsame Druck mit dem Trauerspiel Samson Agonistes im Band von 1671 stellte das Werk in einen besonderen Werkzusammenhang, in dem Milton seine späten Auseinandersetzungen mit Glaube, Versuchung und Standhaftigkeit bündelte.

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