Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Comus
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Comus
1637
– Werkseintrag –

Comus

1637 · Drama

Ein höfisches Festspiel über eine junge Frau, die einem verkleideten Verführer in die Hände fällt und ihm allein mit der Kraft ihrer Vernunft widersteht.

Überblick

Das Werk Comus ist ein höfisches Festspiel von John Milton, das die Tugend der Keuschheit feiert. Es wurde am Michaelistag 1634 auf Ludlow Castle aufgeführt, zu Ehren von John Egerton, dem ersten Earl of Bridgewater, der gerade zum Lord President of Wales ernannt worden war. Bei der Aufführung wirkten die Kinder des Earls selbst mit: seine beiden Söhne als die Brüder und seine Tochter Alice als die Dame. Der vollständige Originaltitel lautet A Maske presented at Ludlow Castle, 1634; geläufig ist das Stück jedoch unter dem Namen seiner Hauptfigur, des Verführers Comus. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung zwischen sinnlicher Lust und seelischer Standhaftigkeit.

Inhalt (ohne Spoiler)

Drei Geschwister verirren sich auf einer Reise im Wald: zwei Brüder und ihre Schwester, die schlicht „die Dame" genannt wird. Als die Dame ermüdet, ziehen die Brüder fort, um nach Nahrung zu suchen, und lassen sie für eine Weile allein zurück.

In dieser Einsamkeit begegnet sie Comus, einer ausschweifenden Gestalt, die an den griechischen Gott des Gelages erinnert. Comus tritt als harmloser Dorfbewohner verkleidet auf und verspricht, sie zu ihren Brüdern zu führen. Von seinem freundlichen Auftreten getäuscht, folgt ihm die Dame – und gerät dadurch in eine gefährliche Lage, in der sich Versuchung und innere Festigkeit gegenüberstehen. Das Festspiel entfaltet von hier aus einen Streit zwischen Sinnenlust und vernünftiger Selbstbeherrschung, dessen Ausgang offenbleibt, bis Hilfe naht.

Die Handlung im Detail

Zwei Brüder und ihre Schwester, die nur „die Dame" heißt, sind auf einer Reise durch den Wald vom Weg abgekommen. Die Dame wird müde, und die Brüder entfernen sich, um etwas Essbares zu finden. Während sie allein ist, trifft die Dame auf Comus, eine zügellose Gestalt nach dem Vorbild des Gottes des Gelages. Comus ist als Dorfbewohner verkleidet und behauptet, er werde sie zu ihren Brüdern bringen. Getäuscht von seinem freundlichen Gesicht folgt ihm die Dame – doch er nimmt sie gefangen und führt sie in seinen Lustpalast.

Dort wird sie Opfer seiner Zauberkunst. Auf einen verwunschenen Stuhl gebannt, der von „klebriger Hitze" festhält, kann sie sich nicht mehr rühren. Comus bedrängt sie: In der einen Hand hält er den Zauberstab, in der anderen reicht er ihr einen Becher mit einem Trank, der sie überwältigen soll. Er drängt die Dame, nicht spröde zu sein und aus seinem magischen Kelch zu trinken, der für sinnliche Lust und Maßlosigkeit steht. Doch sie weigert sich immer wieder und verteidigt die Tugend der Mäßigung und Keuschheit. Im Palast ist eine Fülle von Speisen aufgetürmt, die ihre Begierden wecken sollen. Obwohl sie gegen ihren Willen gefesselt ist, bleibt die Dame bei klarem Verstand und führt einen Streit mit Comus.

In diesem Wortgefecht stehen die beiden für Seele und Körper, für Vernunft und Begierde, für Tugend und Laster. Comus behauptet, die aus der eigenen Natur entspringenden Triebe seien „natürlich" und darum erlaubt. Die Dame hält dagegen, dass allein die vernünftige Selbstbeherrschung erleuchtet und tugendhaft sei; wer sich der Maßlosigkeit hingebe, gebe seine höhere Natur preis und folge niederen Trieben.

Unterdessen suchen ihre Brüder nach ihr und treffen auf den Begleitenden Geist, eine engelhafte Gestalt, die ihnen zu Hilfe gesandt wurde. In Gestalt eines Hirten erklärt er ihnen, wie Comus zu besiegen ist. Während die Dame weiter auf ihrer Freiheit des Geistes beharrt und sich standhaft widersetzt, eilen die Brüder mit dem Begleitenden Geist herbei und verjagen Comus. Doch die Dame bleibt durch den Zauber an den Stuhl gebunden. Mit einem Lied ruft der Geist die Wassernymphe Sabrina herbei, die die Dame wegen ihrer unverbrüchlichen Tugend befreit. Gemeinsam mit ihren Brüdern wird sie ihren Eltern in einem triumphalen Fest wieder zugeführt – ein Bild für die himmlische Seligkeit, die der wandernden Seele winkt, wenn sie Prüfungen und Versuchungen besteht.

Stil

Sein Werk gehört zur Gattung der Maske, einer höfischen Mischform aus gesprochener Dichtung, Musik und festlichem Schauspiel, wie sie im England des 17. Jahrhunderts gepflegt wurde. Milton legt das Stück durchgehend allegorisch an: Die Figuren sind weniger lebendige Menschen als Verkörperungen von Ideen. Die Dame und Comus stehen für Seele und Körper, für Vernunft und Begierde, für Tugend und Laster. Das Herzstück bildet kein äußeres Geschehen, sondern ein langer Streit in Rede und Gegenrede, in dem die Dame ihre Haltung mit Argumenten verteidigt. Der Begleitende Geist und die Wassernymphe Sabrina treten als überirdische Helfer hinzu, und an entscheidender Stelle wird die Handlung durch ein gesungenes Lied vorangetrieben. So verbindet das Werk dramatische Dichtung mit Musik und sinnbildlicher Deutung zu einem festlichen Ganzen.

Rezeption

Gedruckt wurde das Festspiel im Jahr 1637, und zwar anonym in einer Quartausgabe des Buchhändlers Humphrey Robinson. Milton nahm den Text später in seine Gedichtsammlungen von 1645 und 1673 auf. Besondere Wirkung entfaltete das Stück durch die Musik: 1738 wurde es zu einer überaus erfolgreichen Maske bearbeitet, deren Musik von Thomas Arne stammte und die in London über siebzig Jahre lang gespielt wurde. Auch Georg Friedrich Händel und der Komponist Hugh Wood vertonten später einzelne Episoden aus Miltons Festspiel. Damit lebte das Werk weit über seine erste Aufführung hinaus fort.

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