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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Bernarda Albas Haus
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Bernarda Albas Haus
1945
– Werkseintrag –

Bernarda Albas Haus

1945 · Drama

Fünf Töchter, acht Jahre Trauer und ein Haus, das die Mutter zur Festung macht: Lorcas Drama zeigt, was geschieht, wenn Leidenschaft hinter verschlossenen Türen eingesperrt wird.

Überblick↑

Das Drama Bernarda Albas Haus von Federico García Lorca (1898–1936) trägt den Untertitel Drama de mujeres en los pueblos de España (Frauendrama aus den Dörfern Spaniens). Es umfasst drei Akte und spielt in einem Haus in einem andalusischen Dorf. Lorca stellte das Stück 1936 fertig, zwei Monate vor seinem Tod. Uraufgeführt und gedruckt wurde es erst 1945 in Buenos Aires. Zusammen mit Yerma und Bluthochzeit wird es oft als ländliche Trilogie über die Rolle der Frau und ihre Unterdrückung im Spanien der 1930er Jahre gelesen. Auf der Bühne erscheint kein einziger Mann.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Das Stück setzt am Begräbnistag von Antonio María Benavides ein, dem zweiten Ehemann der sechzigjährigen Bernarda Alba. Nach der Totenmesse verpflichtet die Witwe ihre fünf Töchter nach Familientradition zu acht Jahren Trauer. Für die jungen Frauen bedeutet das vollständige Abschottung von der Welt draußen. Daraus entsteht der zentrale Konflikt des Dramas.

Bernarda führt ein tyrannisches Regiment. Was im Dorf über sie und ihre Familie geredet wird, ist ihr das Wichtigste, und so ist sie ständig darum bemüht, die Fassade der Familienehre zu wahren. Das Haus wird für die unverheirateten Töchter zum Gefängnis. Auch die achtzigjährige Mutter María Josefa hält Bernarda in deren Zimmer eingeschlossen, weil sie sich für sie schämt.

Angustias, mit 39 Jahren die älteste Tochter und die einzige aus Bernardas erster Ehe, hat von ihrem Vater ein Vermögen geerbt. Deshalb und wegen ihres Alters darf sie sich mit Pepe el Romano verloben, dem attraktivsten Mann im Dorf. Doch Adela, die mit zwanzig Jahren jüngste Tochter, lehnt sich gegen die Ordnung der Mutter auf. Auch sie verliebt sich in Pepe. Und auch die vierundzwanzigjährige Martirio liebt ihn. Die Magd La Poncia, seit dreißig Jahren im Haus, bleibt der einzige Kontakt zur Außenwelt und trägt den Dorfklatsch herein. Zwischen Eifersucht, Heimlichkeit und dem Zwang zur Fassade spitzt sich die Lage im Haus immer weiter zu.

Die Handlung im Detail↑

Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes Antonio María Benavides wird Bernarda Alba zur Herrin des Hauses. Sie lebt dort mit ihren fünf Töchtern, ihrer alten Mutter und zwei Mägden. Die Familientradition verlangt, dass die Witwe nach der Totenmesse ihre Töchter zu acht Jahren Trauer verpflichtet. Das heißt für die jungen Frauen: völlige Isolation.

Angustias, die einzige Tochter aus Bernardas erster Ehe, wird als unattraktiv beschrieben. Sie hat als Einzige von ihrem verstorbenen Vater Vermögen geerbt. Weil sie die Älteste ist und weil sie Geld hat, erhält sie die Erlaubnis, sich mit dem fünfundzwanzigjährigen Pepe el Romano zu verloben. Offenbar liebt er aber nicht sie, sondern ihr Geld. Die dreißigjährige Magdalena leidet besonders unter dem Tod des Vaters. Gelegentlich kommt sie der jüngsten Schwester zu Hilfe. Amelia, 27 Jahre alt, bleibt im Hintergrund.

Adela, mit zwanzig Jahren die Jüngste, ist hübsch und lehnt sich als Einzige offen gegen die Mutter auf. Sie verliebt sich ebenfalls in Pepe el Romano, und er erwidert ihre Liebe. Dennoch will er, so heißt es im Haus, wegen des Geldes Angustias heiraten. Nachts trifft er sich nicht nur mit seiner künftigen Frau, sondern heimlich auch mit Adela. Diese glaubt, dass er sie liebt und heiraten will.

Martirio ist auf Angustias eifersüchtig, weil diese Pepe heiraten soll, den auch sie liebt. Sie weiß von dem Verhältnis zwischen Pepe und Adela, was ihre Eifersucht auch auf die jüngste Schwester lenkt. Sie ist intrigant und spielt die Familienmitglieder gegeneinander aus, denn ihr eigener Vorteil zählt für sie am meisten. Schließlich denunziert sie Adela vor der Mutter.

Bernarda will die Ordnung des Hauses wiederherstellen. Sie schießt im Hof mit einem Gewehr auf Pepe el Romano. Sie verfehlt ihn, Pepe entkommt zu Pferd. Doch Martirio behauptet, er sei tot, und Adela glaubt es. Adela läuft hinaus. Auf Nachfrage gibt Martirio zu, dass Pepe entkommen ist und dass sie es Adelas wegen gesagt hat. Adela nimmt sich das Leben: Sie erhängt sich.

Stil↑

Auffällig ist die äußerste Einfachheit der Handlungsführung. Lorca beschränkt sie ganz auf die handelnden Personen und verzichtet auf Nebenstränge. Alles spielt in einem einzigen Haus, und die Bühne betritt kein einziger Mann. Pepe el Romano, um den sich die Leidenschaften der Schwestern drehen, hat keine Sprechrolle; er bleibt eine Figur, von der nur geredet wird. Dadurch entsteht die Enge, die das Stück bestimmt: Was draußen geschieht, dringt nur als Gerücht oder Klatsch herein, getragen von der Magd La Poncia. Der Untertitel Drama de mujeres en los pueblos de España weist das Geschehen ausdrücklich als Beispielfall aus und nicht als Einzelschicksal.

Rezeption↑

Das Werk hat Bühne, Film und Musiktheater vielfach beschäftigt. Der spanische Regisseur Mario Camus verfilmte es 1987 mit Ana Belén als Adela. Für das britische Fernsehen entstand 1991 eine weitere Verfilmung mit Glenda Jackson als Bernarda Alba und Amanda Root als Adela.

Aribert Reimanns Oper Bernarda Albas Haus wurde im Jahr 2000 uraufgeführt. Miquel Ortegas spanischsprachige Oper La casa de Bernarda Alba kam 2007 in Brașov in Rumänien zur Uraufführung und war 2018 in einer Kammerfassung am Teatro de la Zarzuela in Madrid zu sehen.

Auch jenseits der Oper wurde der Stoff weitergedacht. Am Theater Osnabrück hatte am 17. Februar 2008 ein Tanzstück von Marco Santi Premiere. Im selben Jahr brachte Frank Soehnle mit Töchter und Dämonen Szenen aus dem Drama als Puppenspiel auf die Bühne des Theater Waidspeicher in Erfurt. 2011 zeigte das Simon Dach Projekttheater im theaterforum kreuzberg in Berlin unter dem Titel Lorca. Bernarda. Fragen eine politisch zugespitzte Fassung, ergänzt durch weitere Texte von Lorca sowie von Pablo Neruda und Rafael Alberti. Am 2. April 2015 hatte die deutsche Fassung von Hans Magnus Enzensberger am Staatsschauspiel Dresden Premiere.

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