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Bluthochzeit
1933
– Werkseintrag –

Bluthochzeit

1933 · Tragödie

Eine Hochzeit auf dem andalusischen Land, eine Braut, die einen anderen liebt, und eine alte Familienfehde, die nach Blut verlangt.

Überblick

Bei Bluthochzeit handelt es sich um eine Tragödie von Federico García Lorca. Im Original heißt sie Bodas de sangre. Lorca schrieb das Stück zwischen 1931 und 1932. Am 8. März 1933 kam es in Madrid auf die Bühne. Gemeinsam mit Yerma und Bernarda Albas Haus bildet es die sogenannte „Bauerntrilogie". Den Anstoß gab eine Zeitungsmeldung vom Juni 1928. In der spanischen Provinz war eine Hochzeitsgesellschaft bei der Suche nach der Braut auf die Leiche ihres Vetters gestoßen. Aus diesem realen Vorfall formte Lorca ein Drama über Liebe, Familienehre und einen Tod, der wie ein Verhängnis über den Figuren liegt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht eine bevorstehende Hochzeit auf dem andalusischen Land. Ein junger Mann will heiraten. Er reitet mit seiner Mutter zum Haus der Braut, um um ihre Hand anzuhalten. Die Mutter ist von Sorge erfüllt. Ihr Mann und ihr älterer Sohn sind in einem Familienstreit mit der Sippe der Félix ums Leben gekommen. Schon der Anblick eines Messers weckt in ihr alte Wunden.

Bald erfährt sie, dass die Braut früher mit Leonardo verlobt war. Er ist inzwischen verheiratet und gehört zu eben jener Familie der Félix. Die Braut versucht, sich in die geplante Ehe zu fügen. Doch Leonardo taucht immer wieder in ihrer Nähe auf. Nachts hört man sein Pferd vor dem Fenster. So zieht über den Hochzeitsvorbereitungen eine wachsende Spannung auf, die das ganze Stück durchzieht.

Lorca verbindet die schlichte Bauernwelt mit Liedern, Versen und düsteren Vorahnungen. Wer das Drama liest, spürt von Anfang an, dass diese Hochzeit keinen heiteren Ausgang verspricht.

Die Handlung im Detail

Das Werk öffnet im Wohnzimmer, wo Mutter und Bräutigam sprechen. Er bittet sie um ein Messer, und sie gerät in heftige Erregung über Messer und Waffen überhaupt. Man erfährt, dass ihr Mann und ihr älterer Sohn im Streit mit der Familie der Félix umgekommen sind. Der Sohn beruhigt sie, lenkt das Gespräch auf seine Hochzeit und verabredet, bald zur Braut zu reiten, um um ihre Hand anzuhalten. Eine Nachbarin kommt zu Besuch. Da die Mutter die Braut kaum kennt, fragt sie nach – und hört, dass die Braut einst mit Leonardo verlobt war. Das beunruhigt die Mutter sehr.

Im nächsten Bild singen die Schwiegermutter und Leonardos Frau ein andalusisches Wiegenlied. Leonardo kommt nach Hause, wirkt abgelenkt und unfreundlich. Seine Frau erzählt von der Cousine und deren bevorstehender Hochzeit, worauf er gereizt reagiert. Dass er selbst drei Jahre mit jener Frau verlobt war, verschweigt er. Das Bild endet mit der Wiederholung des Wiegenlieds.

Bräutigam und Mutter reiten zum Haus der Braut und werden von der Magd empfangen. Der Vater tritt hinzu, man bespricht bereits die Zukunft des Paares, und ein Hochzeitstermin wird vereinbart. Als Mutter und Bräutigam heimkehren, bleiben Braut und Dienerin zurück. Die Braut ist frustriert und freut sich nicht auf die Hochzeit. Die Dienerin erzählt, Leonardo sei in der vorigen Nacht vor dem Fenster gewesen; die Braut will es nicht glauben, doch dann hört man ein Pferd – es ist erneut Leonardo.

Im zweiten Akt werden die letzten Vorbereitungen getroffen, das Dienstmädchen macht die Braut zurecht. Leonardo tritt ein, erinnert sie an ihre gemeinsame Zeit und provoziert sie, doch die Braut beharrt darauf zu heiraten. Die Gäste treffen ein, alles scheint seinen Gang zu nehmen. Schließlich brechen alle auf; Leonardo will zunächst allein zur Kirche reiten, fügt sich aber.

Nach der Trauung kommen die Gäste zusammen. Die Mutter kann ihren Zorn und ihre Verbitterung nicht verbergen, immer wieder fallen Anspielungen auf die Vergangenheit. Während alle ausgelassen sind, bleibt die Braut bedrückt; sie zieht sich zurück, um sich kurz hinzulegen. Leonardos Frau fragt nach ihrem Mann und seinem Pferd – sie ahnt das Unheil als Erste. Man sucht die Braut vergeblich. Dann tritt Leonardos Frau auf und berichtet, ihr Mann sei mit der Braut geflohen. Sofort wird die Verfolgung aufgenommen.

Der dritte Akt beginnt im Wald. Drei Holzfäller kommentieren die Lage. Der Mond erscheint, und eine Bettlerin, die den Tod verkörpert, treibt das Geschehen auf den tödlichen Kampf zu: Das bläuliche Mondlicht lässt das Blitzen der Messer sichtbar werden. Als Bräutigam und Stallbursche sich nähern, will die Bettlerin sie zu den Flüchtigen führen. Leonardo und die Braut reden über das Geschehene; sie fühlen sich nicht schuldig, sondern geben dem Schicksal die Schuld. Die Braut drängt Leonardo, allein weiterzufliehen. Er lehnt ab – und schließlich töten Leonardo und der Bräutigam einander.

Im letzten Bild rätseln Kinder, was bei der Hochzeit geschehen sei. Die Bettlerin erzählt von den Ereignissen am Fluss. Die Mutter kehrt mit der Nachbarin zurück, gefasst und wie erstarrt. Als die Braut hinzukommt und betont, sie habe ihre Ehre bewahrt, schlägt die Mutter zunächst auf sie ein, hält dann inne und verfällt in Sarkasmus, während die Braut ihr Verhalten zu erklären versucht. Das Stück schließt mit einem Monolog der Mutter über das todbringende Messer.

Stil

Als erste lyrische Tragödie Lorcas verbindet das Werk die nüchterne Welt der andalusischen Bauern mit einer stark dichterischen Sprache. Weite Teile der Handlung spielen in einfachen Wohnräumen und auf dem Land. Doch immer wieder brechen Lieder und Verse in die Prosa ein. Schon der Beginn und der Schluss des zweiten Bildes werden von einem andalusischen Wiegenlied gerahmt, das eine düstere Stimmung erzeugt.

Im letzten Akt wechselt der Ton vollends ins Sinnbildliche. Holzfäller treten auf und deuten das Geschehen wie ein antiker Chor. Der Mond und eine Bettlerin, die den Tod verkörpert, erscheinen als handelnde Gestalten und greifen unmittelbar in die Tragödie ein. Das bläuliche Mondlicht macht die blitzenden Messer sichtbar. So verwandelt es den realen Zweikampf in ein fast rituelles Bild. Lorca mischt die genau beobachtete Alltagswelt mit Vorahnungen, Symbolen und einer Sprache, die ins Lyrische gehoben ist.

Rezeption

Eine wechselvolle Geschichte verbindet sich mit der Aufnahme des Stücks. Unter der Franco-Diktatur durfte Bluthochzeit in Spanien nicht gespielt werden. Im deutschsprachigen Raum dagegen verhalf das Drama Lorca zu großer Bekanntheit. Die erste Inszenierung in deutscher Sprache fand 1944 in Zürich statt.

Bis heute hat der Stoff zahlreiche Bearbeitungen angeregt. Mehrfach wurde er verfilmt, unter anderem 1976, 1977 und 2015. Daneben entstanden Theaterproduktionen und dramatisch-musikalische Fassungen, die den Stoff für die Bühne neu deuteten. So gehört Bluthochzeit zu den bis heute lebendig gebliebenen Werken Lorcas.

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