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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Adam Bede
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Cover Adam Bede
Adam Bede
1859
– Werkseintrag –

Adam Bede

1859 · Roman

In einem englischen Dorf um 1799 stürzt eine heimliche Liebe zwischen einem geachteten Schreiner, einer hübschen Bauernnichte und dem charmanten Gutserben die ganze Gemeinschaft in einen tiefen Konflikt.

Überblick

Das Werk Adam Bede ist der erste Roman der britischen Schriftstellerin George Eliot. Er erschien 1859. Obwohl die Autorin als Schriftstellerin bereits Erfolg hatte, veröffentlichte sie das Buch unter diesem Pseudonym. Der Roman wurde immer wieder neu gedruckt. Bis heute ist er häufig Gegenstand der universitären Forschung und Lehre zur englischen Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht das Landleben in Hayslope, einer ländlichen Gemeinde, deren Bewohner eng miteinander verbunden sind. Die Handlung kreist vor allem um vier Menschen. Adam Bede ist ein Schreiner, den das Dorf für seine Aufrichtigkeit und Klugheit bewundert. Er liebt die hübsche, aber selbstbezogene Hetty Sorrel, die auf der Farm ihres Onkels lebt. Hetty jedoch fühlt sich zu Arthur Donnithorne hingezogen, dem charmanten jungen Erben des örtlichen Gutsbesitzers. Eine vierte Gestalt ist Dinah Morris, Hettys Cousine, eine mitfühlende methodistische Laienpredigerin.

Aus der heimlichen Zuneigung zwischen Hetty und Arthur erwächst ein Konflikt, der das ganze Dorf erfasst. Eliot verbindet die liebevolle Schilderung des ländlichen Alltags mit einem Geschehen, das nach und nach dramatische Wucht gewinnt und mehr als ein Schicksal auf die Probe stellt.

Die Handlung im Detail

Der überwiegende Teil der Handlung spielt im Jahr 1799 in Hayslope. Adam Bede, der namensgebende Held, ist ein im Dorf ansässiger Schreiner, der für seine Aufrichtigkeit und Intelligenz geschätzt wird. Er ist in Hetty Sorrel verliebt, doch diese beachtet ihn nicht. Hetty fühlt sich vielmehr zu Arthur Donnithorne hingezogen, dem Enkel und künftigen Erben des Squire, der sich im Dorf von einer Verletzung erholt.

Adam überrascht die beiden bei einem heimlichen Stelldichein. Es kommt zum Kampf zwischen ihm und Arthur. Der kräftigere Adam schlägt Arthur mit einem Schlag bewusstlos, erschrickt dann aber und kümmert sich um ihn. Arthur stellt seine Beziehung zu Hetty als oberflächliche Liebelei dar und kehrt zu seiner Einheit zurück. Nachdem er Hayslope verlassen hat, willigt Hetty in die Ehe mit Adam ein. Kurz vor dem Hochzeitstermin aber stellt sie fest, dass sie schwanger ist; Eliot deutet dies nur an, ohne es offen auszusprechen.

Verzweifelt sucht Hetty nach Arthur, kann ihn jedoch nicht finden. Ins Dorf will sie nicht zurückkehren, weil sie die Schande und die Ausgrenzung durch die Dorfgemeinschaft fürchtet. Bei der Geburt des Kindes hilft ihr eine Frau, die sie zufällig getroffen hat. Doch Hetty lässt das Neugeborene im Stich und legt es auf einem Feld ab. Da sie das Weinen des Kindes nicht erträgt, kehrt sie um, um es zu suchen. Sie kommt jedoch zu spät: Das Kind ist inzwischen gestorben.

Hetty wird verhaftet, wegen Kindesmords angeklagt, im Prozess schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt. Dinah besucht sie im Gefängnis und bittet, bis zum Ende bei ihr bleiben zu dürfen. Ihre mitleidige Haltung bringt Hetty zur Reue; erstmals gesteht sie die Tat, die sie bisher geleugnet hat.

Inzwischen kommt Arthur Donnithorne wegen des Begräbnisses seines Großvaters nach Hayslope zurück. Er hört von der bevorstehenden Hinrichtung und eilt zum Gerichtsgebäude. Dort erreicht er, dass die Todesstrafe in eine Verbringung nach Australien umgewandelt wird. Am Ende des Romans werden Adam und Dinah nach und nach ihrer gegenseitigen Liebe gewahr. Sie heiraten und leben mit Adams Familie einträchtig zusammen.

Stil

Kennzeichnend für den Roman ist die genaue, lebensnahe Schilderung des englischen Landlebens. Eliot zeichnet die Bewohner von Hayslope und ihre Verhältnisse mit großer Anschaulichkeit; gerade diese realistische Darstellung wurde früh als Stärke des Buches empfunden. Heikles wird mit Zurückhaltung behandelt: Hettys Schwangerschaft etwa spricht die Autorin nicht offen aus, sondern formuliert sie nur in Andeutungen.

Auffällig sind zudem die eingeschobenen Betrachtungen der Erzählerin, die sich immer wieder direkt an den Leser wenden. Besonders in einem dieser Kapitel versucht die Erzählstimme, die moralischen Bedenken der Leser gegenüber Hetty und Dina zu zerstreuen. Diese gedanklichen Einschübe gehören zu den am meisten diskutierten Merkmalen des Romans.

Rezeption

Schon bald nach dem Erscheinen erkannte die Kritik in dem Roman ein herausragendes Werk. Eine 1859 anonym veröffentlichte Besprechung in der Zeitschrift The Athenaeum pries das Buch als „erstklassig“, und in der Times war ein ähnliches Urteil zu lesen. Anne Mozley war die Erste, die in einem anonym verfassten Artikel die Vermutung aussprach, der Roman könne von einer Frau geschrieben worden sein.

Zeitgenössische Kritiker fühlten sich oft von der geschilderten Vergangenheit angesprochen und rühmten Eliots realistische Bilder des Landlebens. Charles Dickens schrieb, das geschilderte Landleben sei so wirklich, so komisch und so echt, dass er das Werk nicht genug loben könne. Diese frühen Leser übersahen allerdings die Tragödie des Kindesmords und sahen lieber die friedliche Idylle und die vertraut wirkenden Gestalten.

Andere urteilten kritischer. Henry James nahm, wie weitere Stimmen, Anstoß an den eingeschobenen Gedanken der Erzählerin. Auch der Schluss wurde bemängelt: Dass ausgerechnet Hettys Verführer Arthur Donnithorne sie vor dem Galgen rettet, überzeugte als Lösung durch einen Deus ex Machina nicht jeden. Der Stoff fand später auch außerhalb des Buches sein Publikum: Es gab eine Bühnenbearbeitung, einen Stummfilm von 1918, einen Fernsehfilm der BBC von 1991 sowie eine Hörspielfassung.

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