Adelchi
Überblick↑
Mit Adelchi legte Alessandro Manzoni 1822 seine zweite Tragödie vor. Gedruckt wurde das Stück bei Vincenzo Ferrario in Mailand. Es schildert die Jahre 772 bis 774: den Untergang des langobardischen Königreichs durch Karl den Großen. Im Mittelpunkt steht Adelchi, der Sohn des letzten Langobardenkönigs Desiderius. Sein Schicksal macht Manzoni zum Sinnbild eines Mannes, der für eine Sache kämpft, an die er nicht glaubt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Frankenreich verstößt Karl der Große seine Gemahlin Ermengarda, die Tochter des Langobardenkönigs Desiderius. Diese politische Trennung entzweit zwei Reiche. Desiderius hatte Papst Hadrian I. bedrängt. Der Papst rief Karl um Hilfe, worauf Karl mit der Verstoßung antwortete. Aus Rache will Desiderius die Söhne von Karls verstorbenem Bruder Karlmann vom Papst krönen lassen. Diese Söhne haben an seinem Hof Zuflucht gefunden. Karl stellt ein Ultimatum, Desiderius lehnt ab, der Krieg bricht aus.
Während die fränkischen Truppen auf Pavia vorrücken, beginnen langobardische Herzöge gegen ihren eigenen König zu intrigieren, allen voran Svarto. Adelchi, der Sohn des Königs, sieht sich in einen Krieg gezwungen, der seinem Ideal von Gerechtigkeit und Menschlichkeit widerspricht. Nur seinem Freund Anfrido vertraut er das an. Ermengarda zieht sich derweil zu ihrer Schwester Ansberga ins Kloster San Salvatore in Brescia zurück. Zwischen den Schlachtfeldern, dem klösterlichen Rückzugsort und dem Lager Karls entfaltet Manzoni eine Tragödie um Treue und Verrat. Sie stellt die Frage, ob ein guter Mensch in einer schlechten Welt bestehen kann.
Die Handlung im Detail↑
Die langobardische Prinzessin Ermengarda, Tochter Desideriuss und Gattin Karls des Großen, wird von diesem aus politischen Gründen verstoßen. Ihr Vater, der „Edle von Brescia", hatte Papst Hadrian I. mit Drohungen bedrängt; der Papst suchte den Beistand Karls, und Karl antwortete mit dem Abbruch der ehelichen Verbindung. Um sich zu rächen, beschließt Desiderius, die Söhne Karlmanns – Karls verstorbenen Bruders –, die an seinen Hof geflohen waren, vom Papst zu Königen krönen zu lassen. Karl stellt ein Ultimatum, Desiderius weist es zurück, der Krieg ist erklärt.
Sogleich beginnen die langobardischen Herzöge, allen voran Svarto, gegen ihren König zu konspirieren. Der Diakon Martin zeigt Karls Heer einen verborgenen Weg über die Alpen. Mit dem Verrat der Herzöge, die sich Karl ergeben, rückt das fränkische Heer auf Pavia, die Hauptstadt des Langobardenreichs, vor. Adelchi vertraut seinem Freund Anfrido seine Zerrissenheit an: Dieser Krieg widerspricht seinem Ideal von Gerechtigkeit und Menschlichkeit, doch er kämpft, weil er gezwungen ist.
Ermengarda hat sich derweil bei ihrer Schwester Ansberga (Anselperga), der Äbtissin des Klosters San Salvatore in Brescia, in Sicherheit gebracht. Dort erfährt sie von Karls neuer Vermählung – und stirbt, von wirren Fieberträumen verzehrt. Wieder mit Hilfe von Verrätern gelingt es Karl, Pavia zu erobern und Desiderius gefangenzunehmen. Im Lager Karls schließt sich die Tragödie mit dem Tod des Helden: Adelchi, tödlich verwundet, bittet Gott, seine müde Seele aufzunehmen.
Stil↑
Manzoni arbeitet in Adelchi mit der Form der historischen Tragödie. Das Stück folgt einem genau datierbaren geschichtlichen Stoff aus den Jahren 772 bis 774. Es stellt historische Gestalten neben erfundene Vertraute wie Anfrido: Desiderius, Karl den Großen und Papst Hadrian I. Zur Tragödie gehören zwei Chöre, die Manzoni erst nach der Fertigstellung der Handlung im September 1821 nachreichte. Sie treten gesondert neben das eigentliche Schauspiel und kommentieren das Geschehen. Begonnen am 4. November 1820 und knapp ein Jahr später abgeschlossen, ist Adelchi Manzonis zweiter und letzter Versuch in der Gattung der Tragödie.
Rezeption↑
Mit Adelchi schloss Manzoni sein dramatisches Schaffen ab. Das Stück erschien im Oktober 1822 bei dem Mailänder Drucker Vincenzo Ferrario. Bei demselben Verleger war zuvor Manzonis erste Tragödie Il Conte di Carmagnola herausgekommen. Beide Tragödien markieren den Höhepunkt seines Versuchs, die historische Stoffwahl mit einer modernen, an der europäischen Romantik geschulten Form zu verbinden.
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