1827
I Promessi Sposi
Überblick↑
Der historische Roman I Promessi Sposi (Die Verlobten) von Alessandro Manzoni gilt als das erste Werk des modernen italienischen Romans. Er zählt zugleich zu den wenigen großen Büchern der italienischen Romantik. Eine erste Fassung erschien 1827 in Mailand. Seine endgültige Gestalt fand das Werk in den Jahren 1840 bis 1842. Der Untertitel lautet „Storia milanese del secolo XVII, scoperta e rifatta da Alessandro Manzoni“, also „Mailändische Geschichte aus dem 17. Jahrhundert, entdeckt und neu eingerichtet von Alessandro Manzoni“. Er gibt vor, es handle sich um die Nacherzählung einer alten Handschrift. Diese vorgebliche Quelle ist jedoch eine Erfindung Manzonis, ein literarischer Kunstgriff.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Norden Italiens, in der Lombardei des 17. Jahrhunderts, wollen zwei einfache Landleute heiraten: das junge Paar Renzo und Lucia. Doch ein mächtiger Feudalherr hat ein Auge auf die Braut geworfen. Er setzt alles daran, die Hochzeit zu verhindern. Aus der Bedrohung wird Flucht, aus der Flucht eine lange Trennung. Die beiden Verlobten gehen getrennte Wege durch ein Land voller Gewalt, Hunger und Krankheit. Dabei zieht der Roman ein weites Panorama der Zeit auf: spanische Fremdherrschaft, die Willkür des Adels, der Mailänder Brotaufstand, die große Pest von 1630.
Die Handlung im Detail↑
Das Werk schildert das Schicksal der beiden Verlobten Renzo und Lucia, einfacher, armer und frommer Landleute, die sich in der lombardischen Heimat unter spanischer Herrschaft heiraten wollen. Ein rücksichtsloser Feudalherr verhindert die Hochzeit und verfolgt sie so brutal, dass die beiden fliehen müssen und voneinander getrennt werden. Renzo gerät in den Mailänder „Brotaufstand“, Lucia muss sich anderen Gefahren stellen. Erst nach rund 800 Seiten – und nachdem die große Pest von 1630 durch das Land gezogen ist – finden sie wieder zusammen.
Stil↑
Charakteristisch ist die sogenannte Herausgeberfiktion. Manzoni gibt vor, eine alte Handschrift nur zu bearbeiten. Diesen Kunstgriff nutzt er, um sich immer wieder einzumischen: mit Kommentaren zu Handlungen, Gedanken und Motiven seiner Figuren oder zu den Zeitumständen. So gelingt ihm eine leise, oft melancholische Ironie. Bisweilen unterbricht er die Erzählung sogar für seitenlange Exkurse. Im ersten Kapitel zitiert er vier Seiten historischer Dokumente über die sogenannten Bravi, jene Schergen, die sich adligen Herren als Handlanger und Auftragskiller andienten. In Kapitel 12 erklärt er die wirtschaftlichen Hintergründe des Mailänder Brotaufstands. In den Kapiteln 31 und 32 schildert er auf fünfzig Seiten Ausbruch und Vorstellungswelt der großen Pest von 1630.
In den erzählenden Passagen ist Manzonis Stil von einer beinahe filmischen Anschaulichkeit. Räume, Gesten, Blicke und Körperhaltungen werden so genau beschrieben, als würden sie für eine Kamera inszeniert. Der Romananfang gleicht der Eröffnungssequenz eines großen Films: Aus großer Höhe blickt man auf den Comer See hinab. Der Blick sinkt langsam, bis er die Brücke von Lecco erreicht. Schließlich kommt er auf Augenhöhe der Kieselsteine an, die ein Pfarrer beim abendlichen Spaziergang am Ufer vom Weg kickt. Manzoni wechselt die Perspektiven kunstvoll und nutzt erlebte Rede und inneren Monolog. Diese Mittel galten der Forschung später lange als Erfindungen Flauberts und Joyces.
Ungewöhnlich war zu seiner Zeit auch der Stoff. Es ist nicht ein heroisches Mittelalter mit Rittern und Burgfräulein, sondern das 17. Jahrhundert der spanischen Fremdherrschaft, einer Zeit der „Versklavung Italiens“. Die Helden sind nicht edles Personal, sondern arme Landleute. Die beiden Verlobten sind die meiste Zeit getrennt. Deshalb ist das Buch im Grunde keine reine Liebesgeschichte. Es ist vielmehr ein breites, vielschichtiges, von bitterer Welterfahrung durchtränktes Panorama der Stände- und Klassengesellschaft.
Rezeption↑
Umberto Eco war selbst ein Bewunderer Manzonis. Er hielt das Werk für weit überlegen gegenüber den historischen Romanen anderer italienischer Zeitgenossen wie Massimo d'Azeglio oder Cesare Cantù. Deren Bücher bezeichnete er als „Kunstgewerbe und unlesbar“. Der Roman hat zahlreiche Adaptionen angeregt: ein dramatisch-musikalisches Werk von 1873, einen Spielfilm von Mario Camerini aus dem Jahr 1941 sowie mehrere Fernseh-Mehrteiler, darunter Sandro Bolchis Miniserie von 1967 und Salvatore Nocitas Verfilmung von 1989.
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