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Werkseintrag · I Suppositi
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I Suppositi
– Werkseintrag –

I Suppositi

· Komödie

Ein verliebter Student wird zum Diener, sein Diener zum Herrn – und in Ferrara hält bald niemand mehr den anderen für den, der er wirklich ist.

Überblick

Bei I Suppositi handelt es sich um eine Komödie von Ludovico Ariosto in fünf Akten. Sie wurde am 6. Februar 1509 am Hof von Ferrara uraufgeführt und ist die zweite Komödie des Autors. Der Titel, der sich etwa mit „Die Vertauschten" übersetzen lässt, spielt auf den ständigen Rollentausch der Figuren an: Herren geben sich als Diener aus und Diener als Herren. Das Stück gilt als Verwechslungskomödie nach dem Vorbild der antiken römischen Bühne und wirkte auf zahlreiche spätere italienische Komödien. Um 1528 bis 1531 schuf Ariosto eine zweite, in Versen verfasste Fassung desselben Stoffes.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht Polinesta, die Tochter eines wohlhabenden Ferrareser Geschäftsmanns. Sie hat sich in Dulippo verliebt, einen Diener ihres Vaters, und ihre Amme hat die beiden heimlich zusammengebracht. Doch hinter dem Diener verbirgt sich in Wahrheit Erostrato, der Sohn eines der reichsten Männer Siziliens. Er war eigentlich nach Ferrara gekommen, um zu studieren, hat sich aber sogleich in Polinesta verliebt. Um in ihrer Nähe bleiben zu können, tauschte er mit seinem echten Diener die Rolle und trat selbst als Bediensteter in den Haushalt ihres Vaters ein.

Damit beginnt ein verwickeltes Spiel der vertauschten Identitäten. Um Polinesta auch offiziell zur Frau zu gewinnen, lässt Erostrato seinen als vornehmen Herrn auftretenden Diener um ihre Hand anhalten. So will er dem alten Rechtsgelehrten Cleandro zuvorkommen, der ebenfalls um das Mädchen wirbt. Ein gewitzter Vermittler, ein leichtgläubiger reisender Sieneser und falsche Briefe treiben die Verwechslungen immer weiter. Die Komödie lebt davon, dass beinahe jede Figur für jemand anderen gehalten wird, als sie ist.

Die Handlung im Detail

Der Prolog stellt die neue Komödie vor und erläutert den Titel. In den Stücken der Antike seien Kinder vertauscht worden, was im wirklichen Leben durchaus vorkomme. Hier aber geschehe etwas Unerhörtes: Junge Menschen vertauschten die Alten, und Diener würden mit Herren und Herren mit Dienern getauscht. Ariosto nennt als Vorbilder den Eunuchus, in dem ein junger Mann sich als Eunuch ausgibt, um seiner Angebeteten nahe zu sein, und die Captivi, in denen Herr und Sklave die Rollen tauschen. Wie die lateinischen Dichter ihre griechischen Vorbilder nachahmten, so wolle auch sein Stück eine solche Nachahmung sein. Ob es sich dabei um Nachahmung oder um Plagiat handle, überlässt er dem Urteil der Zuschauer.

Im ersten Akt wird die Ausgangslage entfaltet. Polinesta liebt den Diener Dulippo, doch dieser ist in Wirklichkeit Erostrato, der Sohn des reichen Siziliers Filogono. Erostrato kam zum Studium nach Ferrara, verliebte sich aber sogleich in Polinesta. Er tauschte mit seinem Diener Dulippo die Rolle und trat als Diener in den Dienst Damones, des Vaters des Mädchens. Seit zwei Jahren ist er nun dort und verbringt fast jede Nacht heimlich mit ihr. Um seinem Rivalen Cleandro zuvorzukommen, lässt er den als vornehmen Erostrato verkleideten Dulippo um Polinestas Hand anhalten. Cleandro, ein Rechtsgelehrter aus Otranto, wirbt seinerseits durch den Vermittler Pasifilo. Dieser arbeitet inzwischen aber für beide Seiten und will denjenigen begünstigen, der besser zahlt.

Im zweiten Akt erfährt Erostrato von den Doppelspielen. Pasifilo hat Dulippo die Summe verraten, die Cleandro geboten hatte, sodass dieser sie überbieten konnte. Da Erostrato das Geld nicht besitzt, hat Dulippo gegenüber Damone behauptet, ein Brief des Vaters Filogono bitte um fünfzehn Tage Aufschub; Filogono sei auf dem Weg und werde die Summe zahlen. Außerdem berichtet Dulippo von einem leichtgläubigen Sieneser, dem er weisgemacht hat, Siena und Ferrara seien verfeindet und reisende Sienesen würden ausgeraubt und vertrieben. Aus Angst habe der Mann umkehren wollen, doch Dulippo bot ihm Unterkunft an, unter der Bedingung, dass er sich als Erostratos Vater Filogono aus Catania ausgebe. Der Sieneser nahm an.

Im dritten Akt lässt der als Diener auftretende Erostrato ein Festmahl für die bevorstehende Verlobung vorbereiten. Es fehlt nur noch Pasifilo, der den Handel vermitteln soll. Während nach ihm gesucht wird, trifft Damone seinen Diener an und plant, ihn in eine Falle zu locken und festzunehmen. Die Magd Psiteria hatte ihm die Liebesbeziehung zwischen dem Diener und Polinesta verraten, allerdings ohne böse Absicht: Sie hatte im Streit mit der Amme diese als Kupplerin beschimpft und nicht bemerkt, dass der Hausherr mithörte.

Im vierten Akt geht der echte Filogono in Ferrara an Land. Er sorgt sich um seinen Sohn, der sich geweigert hat, nach Sizilien zurückzukehren, und fürchtet, das viele Studieren könne ihn wahnsinnig machen; zudem möchte er seinen Lebensabend nicht allein verbringen. Vor dem Haus wird ihm nicht geöffnet, und vom Koch erfährt er, dort wohne bereits ein Filogono aus Catania. So wird er mit seinem falschen Doppelgänger aus Siena konfrontiert, den er für einen Betrüger hält. Es kommt zu wüsten Beschimpfungen. Bei der Suche nach seinem Sohn stößt Filogono auf den als Erostrato verkleideten Dulippo, erkennt ihn als seinen Diener, doch dieser gibt vor, ihn nicht zu kennen. Da ein Bewohner Ferraras versichert, er kenne Erostrato nur unter diesem Namen, glaubt Filogono, sein Diener habe den echten Erostrato getötet oder verkauft und dessen Person an sich gerissen. Er will vor Gericht ziehen und bekommt geraten, ausgerechnet Cleandro als Anwalt zu nehmen, da dieser mit dem Beklagten verfeindet sei.

Im fünften Akt erfährt der echte Dulippo durch Pasifilo von der Festnahme. Statt zu fliehen, beschließt er, hinzugehen und die Wahrheit zu gestehen. Filogono hat unterdessen Cleandro aufgesucht. Im Gespräch stellt sich heraus, dass der Diener Dulippo in Wirklichkeit Carino ist, der Sohn Cleandros, der ihm beim Otranto-Feldzug von den Türken geraubt wurde. Befreundete Sizilianer hatten ein türkisches Schiff gekapert, und Filogono kaufte den kleinen Jungen, der den Namen Dulippo erhielt, weil er stets nach seinem Lehrer und Erzieher dieses Namens rief. Pasifilo, der mitgehört hat, klärt nun auch Damone über das verwickelte Spiel der Identitäten auf. Mit der Auflösung der Intrige kommt es zu zahlreichen Versöhnungen: Filogono und der Sieneser schließen Frieden, Damone nimmt den einst als Dulippo verkleideten Erostrato als künftigen Schwiegersohn an, und die Rivalität zwischen Cleandro und Erostrato endet, denn Cleandro hatte nur einen Erben gewollt und hat nun seinen Sohn Carino wieder. Auch Filogono verzeiht seinem Sohn die Listen und empfängt ihn wortlos mit Tränen.

Stil

Angelegt ist das Stück als Verwechslungskomödie in fünf Akten mit einem vorangestellten Prolog. In diesem bekennt sich der Autor offen zur Nachahmung der lateinischen Komödiendichter und benennt seine antiken Vorbilder. Er greift damit Bauformen und Sprechweisen der römischen Bühne auf und überträgt sie auf einen Stoff aus dem Ferrara seiner eigenen Gegenwart. Die ursprüngliche Fassung von 1509 ist in Prosa abgefasst.

Deutlich werden die formalen Eigenheiten im Vergleich mit der späteren Versfassung. In ihr ersetzt Ariosto die Überlegungen des Prologs über Nachahmung und Plagiat durch Anspielungen auf einen aktuellen Skandal am römischen Hof. Der Figur Cleandro legt er lateinische Worte in den Mund, um dessen Pedanterie schärfer hervortreten zu lassen. Zugleich nimmt die Zahl der sogenannten Toskanismen in der Sprache zu, ein Zeichen für Ariostos Nähe zu den Sprachtheorien Pietro Bembos, die dieser im Traktat Prose della volgar lingua dargelegt hatte.

Rezeption

Wirkung entfaltete das Stück vor allem auf die nachfolgende italienische Komödiendichtung. Zu den Werken, die von ihm beeinflusst wurden, zählt Nicola Grassos Eutichia. Auch Pietro Aretinos erste Fassung von La Cortigiana und sein Il Marescalco stehen in dieser Linie, ebenso Ruzantes Vaccharia und seine Anconitana. Damit gehört das Werk zu den frühen Komödien, die die Formensprache des antiken Theaters für die italienische Bühne der Renaissance fruchtbar machten. Dass Ariosto den Stoff später noch einmal in Verse umarbeitete, zeigt die anhaltende Bedeutung, die er dem Stück selbst beimaß.

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