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Werkseintrag · Der Nekromant
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Der Nekromant
1535
– Werkseintrag –

Der Nekromant

1535 · Komödie

Eine Renaissance-Komödie aus Cremona, in der ein heimlich verheirateter junger Mann einen umherziehenden Wundermagier für seine Zwecke einspannt – und dabei vorführt, wie leicht sich der Glaube an Zauberei ausnutzen lässt.

Überblick↑

Das Werk Der Nekromant (italienisch Il Negromante) ist eine Komödie von Ludovico Ariosto. Der Verfasser arbeitete über viele Jahre daran: Er begann den Text um 1509, stellte ihn um 1520 fertig und schrieb ihn 1528 noch einmal um. Gedruckt wurde das Stück erst 1535 in Venedig, zwei Jahre nach Ariostos Tod. Im Mittelpunkt steht ein umherziehender Magier und Sterndeuter, der die Leichtgläubigkeit der Menschen ausnutzt, die an Zauberei glauben. Das Stück gehört zur Bühnenkunst der italienischen Renaissance und verbindet eine Liebeshandlung mit einer Satire auf den Aberglauben.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Die Handlung spielt in der Stadt Cremona und erzählt, mit welchen Listen ein junger Mann das Mädchen heiraten will, das er liebt. Der junge Cinthio steckt in der Klemme: Sein Stiefvater hat ihn gedrängt, die reiche Emilia zu ehelichen, damit die Familie durch die Mitgift wieder zu Geld kommt. Heimlich aber ist Cinthio längst mit der mittellosen Livinia verheiratet, die er aus Liebe gewählt hat.

Um aus der ungewollten Verbindung herauszukommen, stellt sich der junge Mann monatelang als unfähig zur Ehe, in der Hoffnung, die unvollzogene Heirat werde am Ende für ungültig erklärt. In diese Lage tritt der eigentliche Held der Komödie: ein berühmter Nekromant, Meister Iachelino, ein Wandermagier, der sich von Ort zu Ort treiben lässt und dabei immer wieder Namen und Herkunft wechselt. Sein Diener Nibbio gibt ihn als einen aus Spanien vertriebenen Juden aus. Um diesen Schwindler ranken sich die Verwicklungen des Stücks.

Die Handlung im Detail↑

In Cremona hat der Stiefvater Massimo den jungen Cinthio gezwungen, die reiche Emilia zu heiraten, die Tochter eines seiner Freunde. Die Mitgift soll die Familie finanziell wieder aufrichten. Doch Cinthio hat zuvor aus Liebe und im Geheimen die arme Livinia geheiratet. Um die aufgezwungene Ehe loszuwerden, gibt er über Monate vor, zur Ehe unfähig zu sein. Da die Verbindung so nicht vollzogen wird, hofft er, sie werde schließlich aufgehoben.

Emilia beklagt sich bei ihrem Vater Abondio. Dieser lässt einen berühmten Nekromanten kommen, Meister Iachelino, damit er die Sache in Ordnung bringe. Der Magier ist ein Betrüger, der vom Glauben der Menschen an die Zauberei lebt; sein Diener Nibbio stellt ihn als einen aus Spanien vertriebenen Juden dar, der von Land zu Land zieht und dabei stets Namen und Herkunft ändert. Cinthio besticht den Magier, damit dieser erklärt, die Unfähigkeit sei durch einen Zauber verursacht und werde erst verschwinden, wenn der junge Mann sich für immer von Emilia trenne.

Cinthio bekommt recht: Die Ehe wird aufgelöst. Der Nekromant, der dadurch großes Ansehen gewinnt, beginnt zahlreiche Kunden zu empfangen. Doch zwei Diener Cinthios kommen dem Schwindel auf die Spur und decken ihn auf. In diesem Augenblick entdeckt Massimo, der Stiefvater, dass er selbst der wahre Vater Livinias ist, die aus einer außerehelichen Begegnung stammt. Daraufhin gibt er seine Einwilligung zur Ehe Livinias mit Cinthio, und die Liebenden dürfen zusammenbleiben.

Stil↑

Geschrieben ist das Werk als Komödie der Renaissance, die in einer wirklichen Stadt, in Cremona, spielt. Ariosto verbindet eine listenreiche Liebeshandlung mit einer Verspottung des Aberglaubens. Die zentrale Gestalt ist der Typus des umherziehenden Gauklers und Scharlatans: ein angeblicher Zauberer, der mit Sterndeuterei und Magie hausieren geht und die Gutgläubigkeit seiner Opfer ausnutzt.

Für diese Figur griff Ariosto auf jüngere Bühnenstücke zurück. Als Vorbilder dienten ihm Gestalten wie Ruffo aus der Komödie La Calandria des Kardinals Bernardo Dovizi da Bibbiena, entstanden um 1513, sowie Callimaco, der falsche Arzt aus La Mandragola des Niccolò Machiavelli. So steht das Stück der zeitgenössischen Komödie seiner Epoche nahe.

Rezeption↑

Aufmerksamkeit fand Ariostos Bühnenwerk schon früh am Hof: Nach der vielbeachteten Aufführung seiner Komödie I Suppositi im März 1519 im Vatikanpalast bat Papst Leo X. um den Text des Negromante, den Ariosto ihm um 1520 übersandte. Zur ersten Inszenierung kam das Stück in Ferrara um 1528/29.

Gedruckt erschien die Komödie 1535 in Venedig, zwei Jahre nach dem Tod des Verfassers. Gleich zwei Ausgaben kamen heraus, eine weitere folgte 1551 in Venedig. In Frankreich fand das Werk ebenfalls Verbreitung: Jean de La Taille übersetzte es ins Französische und veröffentlichte seinen Text 1572 in Paris.

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