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Werkseintrag · The Rime of the Ancient Mariner
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Cover The Rime of the Ancient Mariner
The Rime of the Ancient Mariner
1798
– Werkseintrag –

The Rime of the Ancient Mariner

1798 · Lyrik

Ein alter Seemann hält einen Hochzeitsgast auf der Straße an und zwingt ihn, einer Geschichte zuzuhören, die mit einem getöteten Albatros beginnt – Coleridges berühmteste Ballade und ein Schlüsselwerk der englischen Romantik.

Überblick

Die Ballade vom alten Seemann, im englischen Original The Rime of the Ancient Mariner, ist eines der berühmtesten Gedichte am Beginn der englischen Romantik. Samuel Taylor Coleridge veröffentlichte sie 1798 anonym. Sie bildete das Eröffnungsstück der Lyrical Ballads, die er gemeinsam mit William Wordsworth herausgab. Erzählt wird die Geschichte eines Seemanns, der einen Albatros tötet und damit einen Fluch auf sich zieht. Es ist Coleridges längstes Gedicht und gehört bis heute zum festen Kanon der englischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)

Ein alter Seemann hält auf der Straße einen jungen Mann an, der auf dem Weg zu einer Hochzeitsfeier ist. Er drängt ihn, seiner Geschichte zuzuhören. Der junge Mann wehrt sich zunächst, ist ungeduldig und auch ein wenig ängstlich. Der Erzählung kann er sich dann aber nicht mehr entziehen.

Der Seemann berichtet von einer langen Schiffsreise. Sie hat ihn weit nach Süden bis in die eisige Antarktis geführt. Dort begegnet der Mannschaft ein Albatros. Die Matrosen verehren ihn als himmlischen Boten, weil er ihnen den Weg aus der Eiswüste weist. Der Seemann jedoch erlegt den Vogel mit seiner Armbrust. Diese eine Tat zieht eine Kette unheimlicher Ereignisse nach sich. In deren Verlauf geraten Schiff und Besatzung in eine ausweglos scheinende Lage. Was der Seemann auf hoher See erlebt und warum es ihn bis ins hohe Alter dazu treibt, seine Geschichte immer wieder Fremden zu erzählen, entfaltet die Ballade in eindringlichen Bildern.

Die Handlung im Detail

Ein alter Seemann spricht auf der Straße einen jungen Mann an, der gerade zu einer Hochzeit unterwegs ist. Zuerst reagiert der junge Mann mit Furcht und Ungeduld, doch die Faszination der Erzählung zieht ihn schließlich in ihren Bann.

Der Seemann beginnt mit dem Auslaufen seines Schiffes aus dem heimatlichen Hafen. Die Reise führt immer weiter nach Süden, bis das Schiff in der Antarktis im Eis steckenbleibt. Da erscheint ein Albatros, der die Mannschaft aus der Eiswüste herausführt. Die Matrosen sehen in ihm einen himmlischen Boten. Der Seemann aber erlegt den Vogel mit seiner Armbrust. Die Mannschaft ist zunächst empört, doch als das Schiff wärmere Gewässer erreicht, legt sich ihr Zorn.

Bald jedoch flaut der Wind ab, und das Schiff liegt bewegungslos auf glatter See. Nun wendet sich die Stimmung erneut. Zur Strafe zwingen die Matrosen den Seemann, den toten Albatros um seinen Hals zu tragen, statt eines Kreuzes hängt der Vogel als Zeichen seiner Schuld an ihm. Plötzlich taucht ein Geisterschiff auf, an dessen Bord der Tod und, in Frauengestalt, das „Leben im Tod“ um die Seelen der Mannschaft würfeln. Der Tod gewinnt die Matrosen, das „Leben im Tod“ gewinnt den Seemann, den es für die weitaus wertvollere Beute hält.

Die ganze Besatzung stirbt, der Seemann allein bleibt am Leben. Tag und Nacht muss er in die starren Augen seiner toten Kameraden blicken, ein Albtraum bei lebendigem Leibe. Erlöst wird er erst in dem Augenblick, in dem er die Tiere des Meeres zum ersten Mal in ihrer Schönheit erkennt und sie in seinem Herzen segnet. „A spring of love gush'd from my heart and I bless'd them unaware“, heißt es im Gedicht. Im selben Moment fällt ihm der tote Albatros von der Schulter, der Fluch ist gebrochen.

Die tote Mannschaft erwacht zu unheimlichem Leben und bringt, von guten Mächten gelenkt, das Schiff in die heimatlichen Gewässer zurück. Doch als der Seemann den Hafen schon vor Augen hat, sinkt das Schiff unerwartet. Wieder ist er allein. Ein Hafenlotse, dessen Sohn und ein Einsiedler retten ihn; noch im Boot nimmt der Einsiedler ihm die Beichte ab. An Land zurückgekehrt, weiß der Seemann, dass es ihn von nun an über die Erde treiben wird, um jedem, der ihm begegnet, seine Geschichte zu erzählen.

Stil

Coleridge wählte für seine Ballade bewusst eine altertümlich wirkende Sprache. In der Erstfassung von 1798 trug das Gedicht den Titel The Rime of the Ancyent Marinere. Es war reich an Archaismen in Wortschatz, Stil und Schreibweise. Damit setzte sich Coleridge bewusst von der entstehenden romantischen Tradition ab, die in moderner Sprache und im Blankvers schrieb, wie es Wordsworth in Tintern Abbey vorführte. Coleridge arbeitete stattdessen mit einem freien Reimschema und altem Ton, um eine Diskussion über solche literarischen Formen anzustoßen.

Für die zweite Auflage der Lyrical Ballads im Jahr 1800 entfernte Coleridge einen Teil dieser Archaismen. Aus „ancyent marinere“ wurde „ancient mariner“. Als er 1815 die Sammlung Sibylline Leaves unter seinem Namen veröffentlichte, ergänzte er das Gedicht durch Erläuterungen. Diese liefen als sogenannte Marginalien am Rand mit und ordneten die seltsame Handlung für den Leser ein.

Formal handelt es sich um eine Ballade mit einer Rahmenhandlung. Die Begegnung zwischen dem alten Seemann und dem Hochzeitsgast bildet den äußeren Rahmen. In ihn ist die eigentliche Seereise als Binnenerzählung eingebettet.

Rezeption

Bei seinem Erscheinen 1798 wurde das Gedicht überwiegend negativ aufgenommen. Kritiker fanden die Handlung unverständlich. Den Versuch, mit Archaismen alte Dichtkunst nachzuahmen, hielten sie für misslungen. Robert Southey schrieb in The Critical Review, man verstehe die Geschichte nicht hinreichend, um sie zu analysieren. Es sei ein „holländischer Versuch deutscher Erhabenheit“ und ein Gedicht von geringem Wert.

William Wordsworth reagierte auf diese Kritik. In der Neuauflage von 1800 verschob er Coleridges Gedicht ans Ende des Bandes und fügte eine entschuldigende Anmerkung bei. Er fürchtete, die Fremdartigkeit des Stücks könnte die Leser vom Weiterlesen abhalten. In späteren Ausgaben fiel diese Anmerkung wieder weg.

Im Laufe der Zeit kehrte sich das Urteil vollständig um. Heute zählt die Ballade zum festen Kanon der englischen Literatur. Ihre Bedeutung für die englische Kultur- und Sprachgeschichte wird mit der des Liedes von der Glocke Friedrich Schillers im deutschen Sprachraum verglichen. Einzelne Verse sind in die englische Umgangssprache eingegangen, allen voran die Zeilen „Water, water, every where, / Nor any drop to drink“. Sie können heute jede Lage beschreiben, in der jemand vom Begehrten umgeben ist, ohne etwas davon nehmen zu können. Auch das Wort „albatross“ hat eine zweite Bedeutung gewonnen und steht im Englischen für eine ständige, drückende Last, die den Erfolg verhindert.

Zahlreiche Künstler haben das Gedicht illustriert, darunter J. Noel Paton, Willy Pogány, Gerald Metcalfe, Harry Clarke, Mervyn Peake und Harry Brockway. Besonders berühmt wurde die Bilderfolge, die Gustave Doré 1866 in Frankreich schuf. Ins Deutsche wurde die Ballade mehrfach übertragen. Zuerst übersetzte sie Ferdinand Freiligrath, dessen Übersetzung 1877 in Leipzig mit Dorés Illustrationen erschien. Später folgten Wolfgang Breitwieser 1959, Heinz Politzer 1963 und Günter Plessow 2020.

Der Einfluss auf andere Werke ist beträchtlich. Mary Shelleys Roman Frankenstein spielt direkt auf die Ballade an. Er teilt mit ihr das Interesse an der Erhabenheit der Natur und an der Erforschung der Pole. In der Musik nahm sich David Bedford 1975 des Stoffes in einem gleichnamigen Konzeptalbum an, das er gemeinsam mit Mike Oldfield realisierte. Die Metal-Band Iron Maiden veröffentlichte auf ihrem Album Powerslave eine fast vierzehn Minuten lange musikalische Nacherzählung. Sie wurde zu einem Klassiker des Progressive Rock. Auch Hörbücher und Comics greifen die Ballade auf. Sogar Donald Duck muss bei Carl Barks die letzte Strophe vortragen, um eine Seereise zu gewinnen. Erika Fuchs gestaltete das in der deutschen Übersetzung zu einer leicht parodistischen Neudichtung aus. An Verfilmungen sind der Stummfilm The Ancient Mariner von 1925 unter der Regie Chester Barnetts und Raul daSilvas Verfilmung von 1975 mit Michael Redgrave in der Hauptrolle zu nennen.

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