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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Kubla Khan
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Cover Kubla Khan
Kubla Khan
1816
– Werkseintrag –

Kubla Khan

1816 · Lyrik

Ein opiumdurchwirktes Traumgedicht über den Lustpalast Kublai Khans in Xanadu, Bruchstück geblieben durch einen unerwarteten Besucher aus Porlock – und doch eines der berühmtesten Gedichte der englischen Romantik.

Überblick↑

Das Gedicht Kubla Khan von Samuel Taylor Coleridge entstand 1797. Veröffentlicht wurde es erst 1816, auf Drängen Lord Byrons. Es trägt den Untertitel A Vision in a Dream. A Fragment und gilt als eines der berühmtesten Beispiele der englischen Romantik. Neben The Rime of the Ancient Mariner und Christabel zählt es zu den drei großen Dichtungen Coleridges. Die Handschrift wird heute als Dauerausstellung in der British Library in London aufbewahrt.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

In wenigen, klangvollen Versen beschwört das Gedicht den Lustpalast des mongolischen Herrschers Kublai Khan. Dieser steht in Xanadu, der Sommerhauptstadt der Yuan-Dynastie. Es entwirft ein traumhaftes Bild aus heiligen Flüssen, dunklen Höhlen, sonnigen Gärten und einer geheimnisvollen Schlucht. Im weiteren Verlauf wechselt der Blick. Aus der ferngerückten Beschreibung des Palastes wird eine Reflexion über das dichterische Schaffen selbst.

Die Handlung im Detail↑

Coleridge schildert in seinem Vorwort, das Gedicht sei nach einem opiumbeeinflussten Traum entstanden. Er habe vor dem Einschlafen einen Bericht über Xanadu, die Sommerresidenz Kublai Khans, gelesen. Im Traum seien ihm zwischen 200 und 300 Verszeilen zugeflossen; nach dem Erwachen habe er sie aufzuschreiben begonnen, sei aber von einem „Geschäftsmann aus Porlock“ unterbrochen worden. Nach dieser Unterbrechung habe er die übrigen Zeilen vergessen, sodass nur ein Bruchstück blieb.

Die erste Strophe entführt den Leser nach Xanadu: Dort lässt Kubla Khan einen prächtigen Lustpalast errichten, durch den der heilige Fluss Alph fließt, ehe er sich in unterirdischen Höhlen verliert und in einem sonnenlosen Meer mündet. Mauern und Türme umschließen Gärten mit duftenden Bäumen und sonnenhellen Plätzen. In dieses Idyll bricht eine wilde, romantische Schlucht ein, aus der eine mächtige Quelle hervorbricht und den Fluss speist. In der Ferne hört Kubla Khan ahnungsvolle Stimmen, die Krieg verheißen.

Mit einem deutlichen Bruch nach Vers 36 wechselt die Stimme: Der Dichter selbst tritt hervor und erinnert sich an eine Vision, in der eine abessinische Maid auf einem Hackbrett spielte und vom Berg Abora sang. Könnte er ihre Musik in sich wiederbeleben, so heißt es, würde er den Palast in Worten neu erbauen – und alle, die ihn hören, würden ihn als einen heiligen, gefürchteten Seher erkennen, dessen Augen flammen und dessen Haar im Wind weht. Coleridge ließ das Gedicht zunächst unveröffentlicht und las es nur im Freundeskreis vor, bis Lord Byron ihn 1816 zur Drucklegung bewog.

Stil↑

Das Gedicht versteht sich ausdrücklich als Fragment. Es beginnt im jambischen Viertakter. Die erste Strophe trägt schwere, hammerartige Betonungen. Die zweite Strophe arbeitet mit leichteren Akzenten und einem schnelleren Versmaß. Ein deutlicher Einschnitt nach Vers 36 trennt die beiden Teile. Aus der Erzählung in dritter Person über Kubla Khan wird die Selbstaussage des Dichters über seine eigene Rolle. Reimschema und Verslängen bleiben unregelmäßig. Die beiden Strophen wirken wie zwei verschiedene Gedichte, die aufeinander antworten. Diese Technik erinnert an die odische Hymne, wie sie auch John Keats oder Percy Bysshe Shelley einsetzten. Manche Deuter sehen darin ein bewusst angelegtes „Anti-Gedicht“, das den Leser eher verwirrt als erleuchtet.

Die Sprache ist stark stilisiert und setzt auf Klang. Coleridge spielt mit Assonanzen, Alliterationen und Lautwiederholungen. Das zeigt sich schon im berühmten ersten Vers „In Xanadu did Kubla Khan“: die Vokalfolge a-u-u-a, der Reim von „Xan“ und „Khan“, die wiederkehrenden d- und i-Laute. Das gehäufte „æ“ und ähnliche Abwandlungen des „a“ sollen einen asiatischen Klang erzeugen. Das Reimschema der ersten sieben Zeilen kehrt zu Beginn der zweiten Strophe wieder. Doch die Bindung bleibt locker.

Rezeption↑

Einige Zeitgenossen wiesen das Gedicht zurück und zweifelten Coleridges Entstehungsbericht an. Erst später setzte die Bewunderung ein. Heute gilt Kubla Khan als eines der berühmtesten Gedichte der englischen Sprache. Es gehört zu den am häufigsten in Anthologien aufgenommenen Werken überhaupt. Die moderne Kritik zählt es neben The Rime of the Ancient Mariner und Christabel zu Coleridges drei großen Dichtungen und zu den herausragenden Beispielen englischer Romantik. Die Handschrift wird als Dauerausstellung in der British Library gezeigt.

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