Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Manfred
Eingang · Werke · Manfred
Cover Manfred
Manfred
1817
– Werkseintrag –

Manfred

1817 · Drama

Ein einsamer Mann ruft die Geister der Alpen herbei und begehrt von ihnen nur eines – das Vergessen einer Schuld, die er niemandem nennen kann.

Überblick

Bei Manfred handelt es sich um ein dramatisches Gedicht in drei Akten von Lord Byron. In vollständiger Form erschien es erstmals im Juni 1817 bei John Murray. Das Werk zählt zu den wichtigsten Schöpfungen nicht nur Byrons, sondern der ganzen Romantik. Im Mittelpunkt steht ein einsamer Mann, der mit übersinnlichen Mächten ringt und sich nichts so sehr wünscht wie das Vergessen.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der Titelheld Manfred lebt zurückgezogen auf einem Schloss und beschäftigt sich mit der Beschwörung von Geistern. Eine schwere Last drückt ihn: eine Schuld, deren genaue Natur im Dunkeln bleibt, und die Trauer um seine verstorbene Geliebte Astarte. Von den Mächten, die er ruft, begehrt er nur eines – das Vergessen.

Die Handlung führt von einer gotischen Galerie hinauf in die Schweizer Bergwelt, auf den Gipfel der Jungfrau im Berner Oberland. Manfred begegnet einem schlichten Gämsjäger, einer Fee an einem Wasserfall und schließlich übermenschlichen Wesen, die er zu seinen Zwecken zu bewegen sucht. Immer wieder kreist sein Ringen um die Frage nach Erkenntnis, Schuld und einem möglichen Frieden. Auf seinem Schloss tritt ihm ein Abt entgegen, der ihn auf andere Wege führen möchte. Wie Manfred dieser Begegnung begegnet und worauf sein einsamer Kampf hinausläuft, entfaltet das Werk in seinem weiteren Verlauf.

Die Handlung im Detail

Der erste Akt zeigt Manfred auf einer gotischen Galerie, mitten in einer Geisterbeschwörung. Von den erscheinenden Elementargeistern begehrt er das Vergessen. Als die Geister diesen Wunsch nicht erfüllen können, bricht Manfred zusammen. Am nächsten Morgen erwacht er auf dem Gipfel der Jungfrau im Berner Oberland. Er will sich in den Tod stürzen, wird aber von einem einfachen Gämsjäger daran gehindert.

Im zweiten Akt verlässt Manfred den Gämsjäger und trifft an einem Wasserfall eine Fee, der er sein Leid klagt. Hier werden die Gründe für seinen Weltschmerz deutlich: eine unzureichende Welt-Erkenntnis und der Tod seiner Geliebten Astarte. Danach kehrt er auf den Berg zurück und begegnet dort Geistern sowie der Göttin Nemesis. Auf sein Flehen hin willigt sie ein, Astarte aus dem Reich der Toten zu rufen, damit er mit ihr sprechen könne. Astarte spricht jedoch nur seinen Namen und sagt, sein Leiden werde am kommenden Tag enden. Manfred will von ihr wissen, ob ihm seine Sünden vergeben seien, doch er erhält keine Antwort.

Im dritten Akt wird Manfred auf seinem Schloss von einem Abt aufgesucht, dem Manfreds Verbindungen zu finsteren Mächten zu Ohren gekommen sind. Manfred weist dessen Versuche, ihn zur Buße zu bewegen, dankbar, aber entschieden zurück. Abends unterhalten sich die Diener Hermann und Manuel über frühere geheimnisvolle Experimente ihres Herrn; diese Zusammenhänge werden im Laufe des Dramas jedoch nicht aufgeklärt. In der letzten Szene erscheint der Abt erneut und findet Manfred dem Tode nah in seinem Zimmer vor. Wieder weist Manfred die Versuche zurück, ihn zur Buße und damit zur Errettung seiner Seele zu bewegen. Zugleich trotzt er aber auch den finsteren Geistern, die ihn im Todeskampf bereits als ihr Eigentum ansehen. Er sei dem Tod verfallen, aber nicht der Hölle. Die Dämonen verschwinden, und Manfred stirbt. Der Abt beschließt das Drama, indem er seiner bangen Ungewissheit Ausdruck verleiht, wohin die Seele Manfreds nun gelangen werde.

Stil

Als dramatisches Gedicht steht Manfred zwischen Bühnenstück und Lyrik. Es ist ein Lesedrama – ein Werk, das in erster Linie zum Lesen gedacht ist, nicht für die Aufführung. Die Handlung gliedert sich in drei Akte und ist in Versen verfasst. Der Aufbau ist weniger auf äußere Spannung als auf das innere Ringen des Helden ausgerichtet. Manfreds Klagen und Selbstgespräche stehen im Vordergrund, umgeben von einem Aufgebot übersinnlicher Gestalten: Elementargeister, eine Fee, die Göttin Nemesis und finstere Dämonen. Die Schauplätze – die gotische Galerie, der Wasserfall, der vereiste Gipfel der Jungfrau – verstärken die düstere, erhabene Grundstimmung des Werks.

Rezeption

Das Werk wirkte weit über die Literatur hinaus und beschäftigte besonders Maler und Komponisten. In der Malerei griffen mehrere Künstler einzelne Szenen auf: der deutsche Romantiker Johann Peter Krafft mit Manfred und der Gemsenjäger und Manfreds Sterbestunde, der englische Maler Ford Madox Brown, ein enger Weggefährte der Präraffaeliten, mit Manfred on the Jungfrau, der Schweizer Charles Gleyre, der Maler Thomas Cole und der englische Spätromantiker John Martin. Auch von Gustave Doré sind Druckgrafiken zu Szenen des Stücks erhalten.

In der Musik fand das Werk vielfältigen Widerhall. Louis Lacombe komponierte 1847 eine dramatische Symphonie. Robert Schumann kürzte den Text von 1336 auf 975 Verse und vertonte ihn 1848 als Manfred – dramatisches Gedicht mit Musik (op. 115); häufig wird fälschlich allein die Ouvertüre für dieses Opus gehalten. Friedrich Nietzsche schuf 1872 eine Manfred-Meditation für Klavier, und von Peter Iljitsch Tschaikowski stammt die Manfred-Sinfonie von 1886, die zu den bekanntesten Bearbeitungen des Stoffes zählt. Noch in jüngerer Zeit vertonte die deutsche Gothic-Metal-Band The Vision Bleak Teile des ersten Aktes.

Auch im Hörfunk lebte das Werk fort. In Deutschland wurde es zweimal als Hörspiel bearbeitet: 1952 unter der Regie von Cläre Schimmel und 1967 unter Heinz Wilhelm Schwarz. Beide Tondokumente sind erhalten.

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