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Mandragola
– Werkseintrag –

Mandragola

· Komödie

Machiavellis Renaissance-Komödie um einen verliebten Heimkehrer, einen einfältigen Ehemann und einen vermeintlichen Wundertrank aus der Alraunenwurzel.

Überblick

Mandragola ist eine Komödie in fünf Akten von Niccolò Machiavelli. Machiavelli war ein Florentiner Staatsdenker. Bekannt wurde er vor allem als Verfasser des politischen Traktats Il Principe. Die Komödie entstand vermutlich im Januar und Februar 1518. Die Uraufführung dürfte im September desselben Jahres in Florenz stattgefunden haben, anlässlich der Rückkehr Lorenzo de' Medicis und seiner in Frankreich angetrauten Ehefrau Madeleine de la Tour d'Auvergne. Bis heute gilt das Stück als eine der bedeutendsten Komödien der Renaissance.

Inhalt (ohne Spoiler)

Der junge Callimaco Guadagno hat zwanzig Jahre seines Lebens in Paris verbracht. Nun kehrt er nach Florenz zurück – nicht aus Heimweh, sondern weil ihm das Lob auf eine Frau, die er noch nie gesehen hat, keine Ruhe mehr lässt. Lucrezia ist die Gattin des wohlhabenden, aber einfältigen Doktors Nicia Calfucci. Sie soll von solcher Schönheit und Tugend sein, dass Callimaco beschließt, sich ihr um jeden Preis zu nähern. Das Problem: Lucrezia geht kaum aus dem Haus, ihre Diener sind unbestechlich, und an ihrem Ruf ist nichts auszusetzen.

Hilfe findet Callimaco bei dem geschäftstüchtigen ehemaligen Heiratsvermittler Ligurio. Ligurio kennt Nicia gut und hat dessen schwachen Punkt entdeckt: Nicia und Lucrezia sind seit sechs Jahren verheiratet und sehnen sich verzweifelt nach einem Kind. Aus diesem Wunsch wird der Hebel einer feinmaschigen Intrige geschmiedet. Darin spielt ein vermeintlicher Wundertrank aus der Wurzel der Alraune – italienisch „mandragola" – die Hauptrolle. Schritt für Schritt zieht das Komplott immer weitere Personen in seinen Bann: die Mutter Lucrezias, einen biegsamen Beichtvater, einen Diener. Wie die Beteiligten ihren Widerstand aufgeben und wer am Ende mit welchem Gewinn aus dem Spiel hervorgeht, entwickelt das Stück mit kühler Heiterkeit.

Die Handlung im Detail

Vorangestellt ist dem Stück eine Canzone, die Machiavelli 1526 für den Karneval von Faenza nachträglich hinzufügte. Hirten und Sänger erteilen den Beschwernissen des Lebens eine ironische Absage und bekennen sich zum heiteren Genießen des Augenblicks; ein kurzes Lob auf Clemens VII. oder Francesco Guicciardini schließt sich an. Im Prolog wird das Publikum begrüßt, Florenz als Schauplatz vorgestellt und die Bühne beschrieben: das Haus eines Gelehrten, der bei einem gewissen „Buezio" studiert haben soll – ein Wortspiel, das auf die Hörner anspielt, die ihm aufgesetzt werden. Ein Weg wird als Weg Amors bezeichnet, ein Tempel als Wohnsitz eines Abtes, und links steht das Haus des aus Paris zurückgekehrten Callimaco Guadagno. Der Vortragende erklärt, der Zweck des Stücks sei in erster Linie die Belustigung der Zuschauer.

Im ersten Akt erzählt Callimaco seinem Diener Siro die Vorgeschichte. Als Zehnjähriger hat er nach dem Tod der Eltern Italien verlassen und zwanzig Jahre in Paris gelebt; nach dem Einmarsch Karls VIII. hatte er sich geschworen, nie wieder zurückzukehren. Dann jedoch hörte er ein Gespräch zwischen einem Florentiner und einem gewissen Camillo Calfucci darüber mit an, ob Italien oder Frankreich die schöneren Frauen hervorbringe. Camillo verteidigte die Italienerinnen mit dem Lob auf Lucrezia, die Frau des Nicia Calfucci. Seitdem ist Callimaco besessen, nach Florenz gereist und stellt fest, dass die Wirklichkeit die Beschreibungen noch übertrifft. Lucrezia jedoch geht kaum aus, die Diener sind unbestechlich, Nicia hat trotz seines Doktorgrads den Ruf, der einfältigste Mann von Florenz zu sein, und das Ehepaar leidet seit sechs Jahren unter seiner Kinderlosigkeit. Der ehemalige Heiratsvermittler Ligurio bietet Callimaco gegen Bezahlung seine Hilfe an. Sein erster Schachzug: Er überredet Nicia, mit Lucrezia ein Thermalbad aufzusuchen, das die Fruchtbarkeit fördern soll. Damit Nicia sich vorher den Rat eines Arztes holt, verkleidet sich Callimaco als Mediziner. Die Canzone des Aktes besingt die Liebe als höchstes Gut.

Im zweiten Akt prüft der misstrauische Nicia den vermeintlichen Arzt. Es genügt, dass Callimaco lateinisch antwortet, und der Doktor ist überzeugt. Da Nicia eine längere Kur scheut, lenkt Ligurio das Gespräch auf einen Wundertrank. Eine Urinprobe wird vorgenommen, von Callimaco erneut auf Latein kommentiert, und dann eröffnet er die Lösung: ein Trank aus der Wurzel der Alraune, „mandragola", der schon der französischen Königin geholfen habe. Es gebe nur einen Haken – wer als Erster nach der Einnahme bei der Frau liege, sterbe binnen einer Woche. Nicia ist entsetzt, bis Callimaco vorschlägt, einen Unbekannten das Gift aus sich heraussaugen zu lassen. In der Nacht wollten Siro, Callimaco, Nicia und Ligurio verkleidet auf der Straße den ersten besten Jüngling fangen und ihn in Nicias Bett bringen. Nicia sträubt sich, fügt sich aber. Es bleibt das Problem, Lucrezia zur Mitwirkung zu bewegen. Ligurio schlägt vor, den Beichtvater Timoteo einzuschalten und Sostrata, die Mutter Lucrezias, als Türöffnerin zu gewinnen. Während Callimaco den Trank bereitet, machen sich Ligurio und Nicia zu Sostrata auf. Die Canzone besingt das Glück der Dummen und Nicias Fixierung auf den Kinderwunsch.

Im dritten Akt willigt Sostrata ein und schickt die Tochter zu ihrem Beichtvater. Nicia und Ligurio suchen Timoteo auf; Nicia wird als Taubstummer ausgegeben und soll schweigen. Um den Priester gefügig zu machen, stellt Ligurio ihm 300 Dukaten in Aussicht, prüft seine Bereitschaft aber zunächst mit einer erfundenen Geschichte: Camillo Calfucci habe seine Tochter in ein Kloster gegeben, die Nonnen seien nachlässig gewesen, das Mädchen sei im vierten Monat schwanger, und Timoteo möge der Äbtissin einen Abtreibungstrank überreichen, um die Familienehre zu retten. Bevor das Gespräch zu Ende kommt, meldet eine Botin, das Kind sei ohnehin verloren – der Beichtvater hat sich als willfährig erwiesen. Sostrata hat Lucrezia inzwischen den Plan eröffnet, die Tochter zögert wegen des fremden Mannes und sucht bei Timoteo eine zweite Meinung. Der Priester überzeugt sie. Nicia soll heimgehen, Ligurio den Trank bei Callimaco abholen; das weitere Vorgehen wird abgesprochen. Die Canzone preist die List als süße Medizin, die die Menschen glücklich mache und Amor reich.

Im vierten Akt erfährt Callimaco, dass die Intrige greift. Den Trank hat er fertig – in Wahrheit eine Art Glühwein. Da fällt ihm auf, dass sein eigener Plan ihn vom Ziel fernhält: Nimmt er an der Jagd auf den Jüngling teil, kann er Lucrezia nicht beischlafen; bleibt er der Jagd fern, fällt das auf. Er löst es, indem er den als Callimaco verkleideten Timoteo an seiner Stelle mitlaufen lässt, während er selbst, als Jüngling verkleidet, in der Nähe von Nicias Haus wartet. Siro bringt den Trank zu Nicia, Ligurio holt den verkleideten Timoteo, alle treffen sich, der falsche Callimaco wird beim Streifzug zum Schein „eingefangen" und zu Nicia gebracht. Timoteo verabschiedet sich mit dem Vorwand der Kopfschmerzen. Die Canzone des Aktes besingt die Nacht, in der die Liebenden nach langen Mühen zueinanderfinden.

Stil

Machiavelli schreibt die Komödie in fünf Akten. Damit folgt er dem Aufbau des antiken Theaters, das die italienische Renaissance neu für sich entdeckte. Schauplatz und Personen werden in einem eigenen Prolog vorgestellt. Jeder Akt endet mit einer Canzone, einem gesungenen Zwischenstück, das die Vorgänge kommentiert und ironisch überhöht. Die einleitende Canzone hat Machiavelli erst 1526 für den Karneval von Faenza nachträglich hinzugefügt.

Die Sprache wechselt geschickt das Register: derbe Alltagsrede des einfältigen Nicia, lateinische Brocken des angeblichen Arztes, gewundene Wendungen des Beichtvaters, ironische Kommentare der Liedeinlagen. Selbst das Wortspiel des Bühnenbilds zeigt den Spaß an doppelbödiger Rede: der Lehrer „Buezio", dessen Name auf den Ochsen und die Hörner des Gehörnten anspielt. Mit den Vorgängern Ariosts La Cassaria, Bibbienas La Calandria und Trissinos Sophonisba teilt das Stück das Bewusstsein, dass es bei der Komödie auch um die Frage der literarischen Sprache geht. Im Prolog wird dieser Wettbewerb hörbar angespielt.

Rezeption

Mandragola gilt bis heute als eine der bedeutendsten Komödien der Renaissance. Ihre Wirkung reicht weit über Italien hinaus. Das Stück wurde mehrfach für Bühne und Bildschirm bearbeitet. Ein Beispiel ist das Fernsehspiel Mandragola in der Regie von Jovan Konjović aus dem Jahr 1962. Daneben entstanden zahlreiche Theaterproduktionen unter dem Titel The Mandrake, unter anderem in Inszenierungen von Stavroula Siamou, Thanasis Papageorgiou und Nikos Dafnis. Hinzu kommt eine griechische Bearbeitung To votani tou erota in der Regie von Kanellos Apostolou. So lebt die florentinische Intrigenkomödie aus dem frühen 16. Jahrhundert auf den Bühnen verschiedener Länder fort.

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