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Porträt Niccolò Machiavelli
Niccolò Machiavelli
1469 – 1527
– Autorenporträt –

Niccolò Machiavelli

1469 – 1527 · 58 Jahre

Florentiner Diplomat und Staatsdenker der Renaissance – mit dem "Fürsten" und den "Discorsi" einer der einflussreichsten politischen Schriftsteller der Neuzeit.

Kurzporträt

Niccolò Machiavelli (1469–1527) war ein florentinischer Staatsmann, Diplomat, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter. Vor allem mit zwei Schriften gilt er als einer der wichtigsten Staatsdenker der Neuzeit: Il Principe (Der Fürst) und den Discorsi über die ersten zehn Bücher des Titus Livius. Sein Anliegen war es, politische Macht nüchtern zu untersuchen. Dabei wollte er den Unterschied zwischen dem, was sein soll, und dem, was tatsächlich ist, sichtbar machen. Aus seinem Werk ging der später so genannte "Machiavellismus" hervor. Dieser Begriff wird häufig abwertend gebraucht: für ein Verhalten, das ohne Rücksicht auf Moral allein die eigene Macht im Blick hat.


Biografie

Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 in Florenz geboren. Seine Familie war angesehen, aber verarmt. Er wuchs mit drei Geschwistern im Stadtviertel Santo Spirito südlich des Arno auf. Sein Vater Bernardo arbeitete als Anwalt, blieb in seinem Beruf jedoch erfolglos. Trotz der knappen Mittel unterhielt er eine kleine Bibliothek und ermöglichte dem Sohn eine gründliche humanistische Bildung. Niccolò las früh die antiken Klassiker, darunter Aristoteles, Cicero und Boethius. Privatlehrer unterrichteten ihn in den Sieben Freien Künsten.

Über die Mutter Bartolomea ist nur bekannt, dass sie belesen war und kleinere Schriften verfasste. Die Schreibweise des Familiennamens war zu Machiavellis Zeit noch nicht festgelegt. Er selbst unterschrieb mit verschiedenen Varianten.

Am 15. Juni 1498 wurde Machiavelli zum Staatssekretär der Zweiten Kanzlei der Republik Florenz gewählt, kurz nach der Hinrichtung des Bußpredigers Girolamo Savonarola. In dieser Funktion war er bis 1512 für die Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Die Wahl überrascht im Rückblick, da er zuvor in öffentlichen Dokumenten nicht in Erscheinung getreten war. Sein Biograph Volker Reinhardt vermutet einflussreiche Fürsprecher. Maurizio Viroli verweist auf den florentinischen Botschafter in Rom, Ricciardo Becchi, und auf den Ersten Kanzler Marcello Virgilio Adriani.

Im Mai 1500 starb Bernardo Machiavelli, und Niccolò wurde Oberhaupt seines Familienzweiges. Im Sommer 1501 heiratete er Marietta Corsini. Aus der Ehe gingen fünf Söhne und eine Tochter hervor.

In den folgenden Jahren reiste Machiavelli als Gesandter durch Italien und Europa. Er verhandelte mit Caterina Sforza in Forlì und traf 1500 in Lyon den französischen König Ludwig XII. 1502 begegnete er in Urbino und Imola dem Sohn Papst Alexanders VI., Cesare Borgia, der ihn später zu seinem Hauptwerk Der Fürst anregte. Aus der Nähe verfolgte er, wie Borgia am 31. Dezember 1502 in Senigallia seine Gegner unter dem Vorwand der Versöhnung anlockte und einen Teil von ihnen erwürgen ließ. 1503 wurde er nach Rom zur Wahl von Papst Julius II. geschickt.

Aus seinen Erfahrungen mit unzuverlässigen Söldnerführern entwickelte Machiavelli ab 1506 eine Militärreform. An die Stelle der Söldner sollte eine Bürgermiliz aus Florentiner Bürgern und Bauern treten, nach dem Vorbild Roms. Er leitete die zugehörige Militärbehörde ohne zusätzliches Gehalt. 1506 wurde er erneut zu Papst Julius II. nach Rom geschickt. 1507/08 reiste er als Gesandter zum späteren römisch-deutschen Kaiser Maximilian I., den er im Januar 1508 in Bozen traf. Sein größter politischer Erfolg war im Juni 1509 die Kapitulation des abtrünnigen Pisa vor seiner Bürgermiliz.

1510 geriet Florenz zwischen Papst Julius II. und den französischen König. Machiavelli wurde mehrfach an den französischen Hof geschickt, ohne eine tragfähige Lösung zu finden. Florenz unterlag der spanisch-päpstlichen Allianz, und mit der grausamen Plünderung Pratos am 29. August 1512 brach die florentinische Republik zusammen. Die Medici kehrten zurück, und Machiavelli verlor am 7. November 1512 sein Amt. Drei Tage später wurde ihm auferlegt, 1000 Florin als Sicherheit zu hinterlegen. Freunde sprangen ein. Im Februar 1513 geriet er in eine Anti-Medici-Verschwörung um Agostino Capponi und Pietropaolo Boscoli. Er wurde verhaftet, gefoltert und sechsmal "aufgehängt". Nach der Wahl Giovanni de' Medicis zum Papst Leo X. am 11. März 1513 wurde er amnestiert. Volker Reinhardt hält eine tatsächliche Beteiligung Machiavellis für höchst unwahrscheinlich.

Nach seiner Freilassung zog Machiavelli auf sein kleines Landgut Albergaccio in Sant'Andrea in Percussina, etwa 15 Kilometer südwestlich von Florenz. Dort verfasste er noch im selben Jahr Il Principe, ursprünglich unter dem lateinischen Titel De principatibus. Zwischen 1513 und 1517 entstanden die Discorsi, später die Istorie Fiorentine und Dell'arte della guerra.

In den folgenden Jahren bemühte er sich beharrlich um eine politische Rückkehr. Er verfasste Denkschriften, in denen er die Republik als Ideal verteidigte. Zugleich machte er der Familie Medici Vorschläge für eine schrittweise Öffnung der Verfassung. Im Auftrag Kardinal Giulio de' Medicis schrieb er die Geschichte von Florenz. Im Mai 1525 übergab er das Werk Papst Clemens VII., der ihm 120 Golddukaten aus dem persönlichen Vermögen auszahlte. Mit Francesco Guicciardini schloss er Freundschaft.

Nach dem "Sacco di Roma" am 6. Mai 1527 wurden auch in Florenz die Medici vertrieben und die Republik wieder ausgerufen. Machiavelli bewarb sich um eine Sekretärsstelle. Wegen seiner vermuteten Nähe zu den Medici erhielt er am 10. Juni 1527 aber nur 12 von 555 Stimmen. Elf Tage darauf, am 21. Juni 1527, starb er an einem Magenleiden. Über den Sterbeort weichen die Angaben voneinander ab: Die Deutsche Biographie nennt Florenz, Wikidata dagegen sein Landgut Sant'Andrea in Percussina. Sein Grabmal befindet sich in der Kirche Santa Croce in Florenz. Eine später angebrachte Inschrift lautet "Tanto nomini nullum par elogium" – "Solchem Namen ist kein Lobesspruch ebenbürtig".


Literarische Merkmale

Machiavellis Schreiben ist geprägt von einem nüchternen, beobachtenden Blick auf die Politik. Er wollte nicht zeigen, wie der Staat sein soll, sondern wie er ist. Maßstab war ihm das, was er für empirisch feststellbar hielt, gesammelt in jahrzehntelanger diplomatischer Praxis. Der Literaturwissenschaftler Dirk Hoeges sieht darin auch den Einfluss seines Bekannten Leonardo da Vinci, mit dem Machiavelli in Florenz zusammenarbeitete. Erfahrungswissen sei für ihn eine sicherere Quelle gewesen als das überlieferte Bücherwissen der Humanisten.

Sprachlich bewegt sich Machiavelli zwischen Tradition und Bruch. Die Kapitelüberschriften des Principe trug er auf Latein, den Text selbst aber schrieb er in der toskanischen Volkssprache, dem heutigen Italienisch. Der ursprüngliche Titel De principatibus wirkt nach Reinhardt wie ein "sprachliches Täuschungsmanöver", das die Humanisten an der Nase herumführt.

Die Istorie Fiorentine brachen mit der bis dahin üblichen, moralisierenden Geschichtsschreibung. Machiavelli beschrieb statt vorbildlicher Taten die tatsächlichen Triebkräfte menschlichen Handelns, die er pessimistisch einschätzte. Er wollte, wie Volker Reinhardt formuliert, "hinter die Fassaden der Propaganda blicken". Er wollte die Kräfte aufzeigen, die ungerechte Ordnungen zusammenhalten: Täuschung und Gewalt auf der Seite der Mächtigen, Angst und Aberglaube bei den Unterdrückten.

Auffällig ist die Spannung zwischen seinen Werken. Die Discorsi preisen die republikanische Verfassung, der Principe handelt von der Alleinherrschaft und ihrer Machtpolitik. Dirk Hoeges hält es daher für ein Missverständnis, Machiavelli auf den Politikberater und Autor des Principe zu verengen. Nur der Blick auf das Gesamtwerk mache die Teile verständlich.

Auch als Dichter und Briefschreiber hinterließ Machiavelli ein eigenwilliges Profil. Nach dem Fall der Republik schrieb er drei Sinngedichte zum Untergang von Florenz – über die Glücksgöttin Fortuna, über die Gelegenheit und über die Undankbarkeit. Seine Berichte als Gesandter konnten nüchtern bis zynisch sein. Aus seiner Mission nach Carpi 1521 schickte er solch spöttische Briefe, dass er bei den Regierenden an Ansehen verlor.


Rezeption

Die Wirkung Machiavellis hat über Jahrhunderte hinweg kaum ihresgleichen. Und sie war fast von Anfang an umkämpft. Otfried Höffe hält fest, dass eine einfache Klassifikation der Beiträge zu Machiavelli nicht möglich sei: "Vieldeutig und unerschöpflich zu sein, ist nun mal die Signatur eines Klassikers." August Buck beobachtet, dass die Auseinandersetzung wie bei kaum einem anderen Autor in Form ideologisch belasteter Polemik verlief. Diese Polemik begleitet selbst die wissenschaftliche Beschäftigung bis heute. Sie begann noch zu Machiavellis Lebzeiten, 1523, mit einem Traktat von Agostino Nifo.

Auf Betreiben der Jesuiten setzte Papst Paul IV. 1559 Machiavellis Werke auf den Index der verbotenen Bücher. 1576 erschien der Contre-Machiavel des Hugenotten Innocent Gentillet. Damit war der Name Machiavelli in den Konfessionsstreit hineingezogen: Katholiken und Protestanten warfen einander gleichermaßen "machiavellistische" Gesinnung vor. Im 17. Jahrhundert stand sein Begriff der Staatsräson im Mittelpunkt der politischen Diskussion. Um den verfemten Namen zu vermeiden, sprach man häufig stattdessen von Tacitus.

Volker Reinhardt unterscheidet sieben Hauptströmungen der Rezeption. Die erste ist die christliche Empörung etwa bei Kardinal Reginald Pole. Die zweite umfasst die Versuche von Denkern wie Giovanni Botero, Staatsräson und Christentum zu verbinden, was Kardinal Richelieu in die Praxis umsetzte. Die dritte sind die Monarchomachen, die Caterina de' Medici als "teuflische Schülerin" Machiavellis anprangerten. Die vierte ist Thomas Hobbes, der Machiavellis Gedanken zum Krieg in seinem Leviathan aufnahm. Die fünfte ist der Anti-Machiavel Friedrichs II., der den Antimachiavellismus prägte, obwohl Friedrich selbst die kritisierten Mittel zu nutzen wusste. Die sechste ist Jean-Jacques Rousseau, der in Machiavelli einen verkappten Revolutionär sah. Die siebte ist Carl von Clausewitz, den seine Überlegungen zum Krieg beeinflussten.

Eine zweite Linie führt nach England und Schottland. James Harrington berief sich in The Commonwealth of Oceana ausdrücklich auf Machiavelli, und der Schotte Andrew Fletcher griff seinen Republikanismus in einer kleinen Schrift von 1698 auf. Auch Montesquieus Vom Geist der Gesetze weist nach Peter Schröder unverkennbare Anlehnungen an Machiavellis Republikanismus auf. Höffe sieht eine politische Rehabilitierung bei Baruch de Spinoza, Arthur Schopenhauer, James Harrington und Andrew Fletcher. Eine moralische Rehabilitierung sieht er bei Johann Gottfried Herder, Johann Gottlieb Fichte und Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Im 20. Jahrhundert griff Hannah Arendt immer wieder auf Machiavelli zurück. Sie sah in ihm den ersten Denker, der einen rein weltlichen Bereich der Politik beschrieb, dessen Maßstäbe sich aus der Bindung an die Kirche gelöst hatten. Michel Foucault stützte sich in seiner Vorlesung Die Gouvernementalität auf Il Principe und die Gegenschriften, um seinen Begriff der Regierungskunst zu entwickeln. In Deutschland beschäftigten sich Ideenhistoriker, Politikwissenschaftler und Soziologen wie Hans Freyer und René König mit Machiavelli. Niklas Luhmann widmete ihm in Die Moral der Gesellschaft einen längeren Abschnitt. Für die Philosophie, so Höffe, sei Machiavelli heute jedoch kaum mehr ein Thema. Der Name lebe vor allem dort fort, wo das Verhalten eines politischen Gegners als "machiavellistisch", also skrupellos, bezeichnet wird.

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