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Porträt Antonio Machado
Antonio Machado
1875 – 1939
– Autorenporträt –

Antonio Machado

1875 – 1939 · 63 Jahre

Spanischer Lyriker der kastilischen Landschaft und der Einsamkeit, führender Vertreter der Generación del 98 – auf der Flucht vor Francos Truppen 1939 im französischen Exil gestorben.

Kurzbiografie↑

Antonio Machado Ruiz wurde 1875 in Sevilla geboren und starb 1939 im französischen Collioure. Er war ein spanischer Lyriker. Er gilt als einer der führenden Vertreter der Generación del 98. Diese Gruppe spanischer Intellektueller wollte Spanien nach der Niederlage von 1898 den Verfall des Landes vor Augen führen. Seine Gedichte sind sprachlich knapp. Sie kreisen oft um die kastilische Landschaft und das Thema der Einsamkeit. Sein Hauptwerk trägt den Titel Soledades – „Einsamkeiten“. Als überzeugter Anhänger der Republik floh er kurz vor deren Niederlage im Spanischen Bürgerkrieg über die Grenze nach Frankreich. Dort starb er wenige Tage später entkräftet.


Biografie↑

Antonio Machado wurde 1875 in Sevilla in Andalusien geboren. Sein Vater war der Schriftsteller und Anthropologe Antonio Machado Álvarez, seine Mutter hieß Ana Ruiz. Ab 1881 besuchte er die Schule Institución Libre de Enseñanza, wo er seine Liebe zur Literatur entdeckte. Das Bachillerato, den Schulabschluss, erwarb er allerdings erst 1900. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen ihn zeitweise, als Schauspieler zu arbeiten.

Gemeinsam mit seinem Bruder Manuel Machado reiste er nach Paris. Dort war er als Übersetzer für einen französischen Verleger tätig. In dieser Zeit kam er mit dem Werk der großen französischen Symbolisten in Berührung, darunter Jean Moréas und Paul Fort. Er begegnete zeitgenössischen Literaten wie Rubén Darío. Paul Verlaine, dessen Lyrik Machado stark beeinflusste, war bereits 1896 gestorben. Eine persönliche Begegnung war deshalb nicht möglich. Diese Begegnungen festigten seinen Entschluss, sich der Dichtung zu widmen.

Ab 1901 veröffentlichte Machado seine Gedichte. 1907 erschien Soledades. Galerías. Otros poemas, 1912 folgte Campos de Castilla. Im Jahr 1907 wurde ihm eine Stelle als Französischlehrer an einer Schule in Soria angeboten. Dort lernte er Leonor Izquierdo kennen, eine Tochter seines Hauswirts. 1909 heirateten der 34-jährige Antonio Machado und die 15-jährige Leonor Izquierdo. 1911 zog das Paar nach Paris. Dort studierte Machado Philosophie und lernte viele Werke der französischen Literatur kennen. Im selben Jahr wurde bei seiner Frau Tuberkulose festgestellt, und sie kehrten nach Spanien zurück. 1912 starb sie. Machado verließ daraufhin Soria und zog ins andalusische Baeza. Er brauchte aber lange, um sich von diesem Schlag zu erholen und wieder zu veröffentlichen.

Gemeinsam mit seinem Bruder Manuel verfasste er auch Dramen. Verschiedene Lehrtätigkeiten sicherten seinen Lebensunterhalt. Zwischen 1919 und 1931 unterrichtete er als Französischlehrer in Segovia. Hier unterhielt er heimlich eine Beziehung zu Pilar Valderrama, einer verheirateten Mutter von drei Kindern. In seinem Werk taucht sie unter dem Namen „Guiomar“ auf.

Ab 1931 unterstützte Machado politisch die Republikaner. Bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs lebte er in Madrid. Sein Bruder Manuel hielt sich in der Zone der Aufständischen auf und schrieb dort für den Putschistenführer Francisco Franco Lobgedichte. Valderrama war in Portugal. Antonio Machado sah beide nicht wieder. Zusammen mit seiner Mutter und seinem Onkel wurde er zunächst nach Valencia, 1938 nach Barcelona evakuiert. Im Januar 1939, kurz vor der Niederlage der Republikaner, floh er mit seiner kranken und verwirrten Mutter, seinem Bruder José und seiner Schwägerin Matea über Portbou nach Collioure in Frankreich. Kaum angekommen, ohne Geld zur Weiterreise und nur wenige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt, starb er entkräftet – drei Tage vor seiner Mutter. Sein Grab in Collioure ist bis heute mit der Flagge der Spanischen Republik geschmückt. In einem Briefkasten auf dem Friedhof gehen noch immer Briefe für den Dichter ein.


Literarische Merkmale↑

Tief geprägt von seiner kastilischen Heimat, schrieb Machado in einer Sprache, die als minimalistisch beschrieben wird: knapp und ohne Zierrat. Seine Gedichte beschreiben häufig die kastilische Landschaft. Sein zentrales Thema ist die Einsamkeit. Das bezeugt schon der Titel seines Hauptwerks Soledades.

In seinem Gedicht Cante hondo bringt er im Flamenco Liebe und Tod in Beziehung zueinander. Seine Formulierung von den „zwei Spanien“ stammt aus dem Gedicht Proverbios y Cantares. Sie wurde zum geflügelten Wort für die harten Gegensätze zwischen Rechten und Linken in Spanien.

Neben der Lyrik trat Machado auch als Prosaautor hervor, etwa mit Juan de Mairena, einer Sammlung von Sentenzen, Anmerkungen und Erinnerungen eines erfundenen Lehrers. Zusammen mit seinem Bruder Manuel schrieb er zudem Theaterstücke, darunter La Lola se va a los puertos und La duquesa de Benamejí.


Rezeption↑

Als führender Vertreter der Generación del 98 nimmt Machado einen festen Platz in der spanischen Literaturgeschichte ein. Sein Bild von den „zwei Spanien“ ging als Redewendung in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Es steht bis heute für die tiefen politischen Gräben des Landes.

Wie lebendig sein Andenken geblieben ist, zeigt sich an seinem Grab in Collioure. Es ist mit der Flagge der Spanischen Republik geschmückt. In einem Briefkasten auf dem Friedhof treffen noch immer Briefe für den Dichter ein. Mit dem Beginn des Jahres 2020 wurde Machados Gesamtwerk gemeinfrei. Aus diesem Anlass stellte die Spanische Nationalbibliothek nahezu sämtliche seiner Werke online zur Verfügung, darunter Erstausgaben, Manuskripte und Titelblätter.

Im deutschsprachigen Raum machte Fritz Vogelgsang Machados Werk zugänglich. Seine mehrbändige Werkausgabe im Ammann Verlag versammelt unter anderem Einsamkeiten – Soledades (1996), Campos de Castilla – Kastilische Landschaften (2001) und Juan de Mairena (2005).

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