1839 – 1908
Machado de Assis
Kurzbiografie↑
Joaquim Maria Machado de Assis wurde 1839 in Rio de Janeiro geboren und starb dort 1908. Er schrieb Romane, Kurzgeschichten und Gedichte und gilt als eine der wichtigsten Gestalten der brasilianischen Literatur. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, arbeitete er sich vom Setzerlehrling über den Journalismus bis in hohe Beamtenränge hinauf. 1897 wurde die Brasilianische Akademie der Literatur gegründet, deren erster Präsident er wurde. Sein Werk prägte die brasilianische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts nachhaltig.
Biografie↑
Geboren wurde Machado de Assis am 21. Juni 1839 in Rio de Janeiro. Seine Familie war portugiesischer und afrikanischer Herkunft und lebte in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater, Francisco José Machado de Assis, war Arbeiter. Die Mutter, Leopoldina Machado de Assis, verlor der Junge sehr früh.
Aufgewachsen ist er im Stadtviertel Livramento. Für eine geregelte Schulbildung fehlte das Geld, und so lernte er, wo und wann sich eine Gelegenheit bot. Seine Stiefmutter stellte in einer Mädchenschule Kerzen her; über sie durfte er dort am Unterricht teilnehmen. Französisch brachte ihm nachts ein eingewanderter Bäcker bei.
Mit fünfzehn Jahren veröffentlichte er sein erstes Gedicht, Ela. Es erschien am 12. Januar 1855 in der Zeitung Marmota Fluminense. Im Jahr darauf begann er eine Setzerlehre in den staatlichen Druckwerkstätten, wo er später auch als Korrekturleser arbeitete. 1859 wechselte er in den Journalismus und schrieb für den Correio Mercantil, ab 1860 für das Diário do Rio de Janeiro.
1869 heiratete er Carolina Augusta Xavier de Novais, eine Portugiesin, die fünf Jahre älter war als er. Sie war die Schwester eines Freundes, bei dessen Zeitung er ebenfalls gearbeitet hatte; dieser Freund war drei Monate vor der Hochzeit gestorben. Carolina war gebildet und erschloss ihrem Mann die Klassiker der portugiesischen und der englischen Literatur.
Politisch setzte Machado de Assis auf die aufsteigende Liberale Partei. Zu seiner Überraschung fand er dennoch die Unterstützung von Kaiser Dom Pedro II., der mehrere Sprachen beherrschte und als gelehrt galt. 1867 verschaffte ihm der Kaiser eine leitende Stellung beim Regierungsanzeiger und schlug ihn zum Ritter des Rosenordens; 1888 wurde er zum Offizier dieses Ordens erhoben.
Ab 1872 arbeitete er als erster Sekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Handel und öffentliche Arbeiten. 1889 wurde er dort zum Direktor für Handel ernannt. Der Aufstieg im Staatsdienst hinderte ihn nicht daran, weiter an seinem umfangreichen Werk zu arbeiten.
Mit seinen Freunden José Veríssimo und Lúcio de Mendonça wirkte er an der Zeitschrift Revista Brasileira mit. In diesem Kreis entstand der Gedanke, eine literarische Akademie zu gründen. Die Brasilianische Akademie der Literatur wurde 1897 ins Leben gerufen, und Machado de Assis wurde ihr erster Präsident.
Sein Leben lang kämpfte er gegen die Epilepsie und gegen sein Stottern an. Über sein Privatleben ist wenig bekannt, denn autobiografische Züge sind in seinen Büchern kaum zu finden. Er starb am 29. September 1908 in seiner Geburtsstadt Rio de Janeiro.
Literarische Merkmale↑
Geschrieben hat Machado de Assis in allen literarischen Gattungen. Seine frühen Arbeiten sind klassische, romantische Gedichte und Romane. Ab den 1880er Jahren jedoch lassen sich seine Bücher keiner Gattung mehr eindeutig zuordnen.
Kennzeichnend für seine Erzählwelt ist eine nüchterne Sicht auf menschliches Streben. Seine Figuren zeigen, dass man nicht vorwärtskommt, indem man einfach den Spielregeln folgt. Viele von ihnen gewinnen heute, um morgen zu verlieren.
Bemerkenswert ist seine Zurückhaltung in eigener Sache. Er war überzeugt, dass ein Buch gerade dadurch interessant wird, dass man Dinge auslässt. Das Weggelassene sollte die Vorstellungskraft des Lesers in Gang setzen. Deshalb enthalten seine Werke kaum Spuren des eigenen Lebens.
Rezeption↑
Als eine der wichtigsten Gestalten der brasilianischen Literatur hatte Machado de Assis großen Einfluss auf das Schrifttum seines Landes im 19. und im 20. Jahrhundert. Schon zu Lebzeiten war seine Stellung gefestigt: Kaiser Dom Pedro II. förderte ihn und zeichnete ihn 1888 mit dem Rosenorden aus. Die 1897 gegründete Brasilianische Akademie der Literatur machte ihn zu ihrem ersten Präsidenten.
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