1925
Die weiße Garde
Überblick↑
Der Roman Die weiße Garde von Michail Bulgakow erschien erstmals 1925 als Teilabdruck in der Zeitschrift Rossija; die vollständige Buchausgabe folgte 1927 in Paris. Er erzählt vom Schicksal einer russischen Familie in Kiew während des Bürgerkriegs, der auf die Oktoberrevolution und den Zerfall des Russischen Reichs folgte. Das Werk ist zum Teil autobiografisch geprägt und zählt zu den bekannten Kiew-Romanen der russischen Literatur. Aus ihm ging das Theaterstück Die Tage der Turbins hervor.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht die Familie Turbin in Kiew, das im Roman einfach „DIE STADT" heißt. Es sind drei Geschwister: der 28-jährige Militärarzt Alexei, sein 17-jähriger Bruder Nikolka und die 24-jährige Schwester Jelena. Zusammen mit Freunden und Nachbarn erleben sie die Wirren und Entbehrungen des Bürgerkriegs.
Die Handlung setzt 1918 ein. In der Ukraine besteht unter deutscher Besatzung ein schwaches Regime des Hetmans Skoropadskyj. Viele russische Offiziere treten in seinen Dienst, weil sie ihn für das kleinere Übel halten – gegenüber den Bolschewiki und den ukrainischen Nationalisten unter Symon Petljura. Doch die Lage ist brüchig. Als sich die Deutschen nach ihrer Niederlage im Westen zurückziehen, gerät die Stadt in höchste Gefahr, und die Familie wird mitten in die Kämpfe hineingezogen.
Der Roman folgt den Turbins und ihren Nächsten durch Tage voller Angst, Verrat und plötzlicher Wendungen, in denen jeder versuchen muss, das eigene Leben und das der Angehörigen zu retten.
Die Handlung im Detail↑
Die Geschichte spielt in Kiew, der „STADT", in der chaotischen Umbruchzeit nach der Oktoberrevolution. Protagonisten sind die Turbins: der 28-jährige Militärarzt Alexei, sein 17-jähriger Bruder Nikolka und die 24-jährige Schwester Jelena. Mit Freunden und Nachbarn durchleben sie den Bürgerkrieg.
Der Roman beginnt 1918, als in der Ukraine unter deutscher Besatzung ein marionettenhaftes Regime des Hetmans Skoropadskyj gebildet wird. Viele russische Offiziere treten in seinen Dienst ein, weil sie ihn als das kleinere Übel gegenüber den Bolschewiki und den ukrainischen Nationalisten von Symon Petljura ansehen. Als die Deutschen jedoch im Westen eine Niederlage erleiden und sich aus der Stadt zurückziehen, kann der konservative Skoropadskyj nur noch auf russische Offiziere bauen, die ihn vor dem links-nationalistischen Petljura schützen sollen. Während sie sich auf die Verteidigung vorbereiten, wirft Skoropadskyj plötzlich hin und flieht nach Deutschland. Die spärlichen Verteidiger der Stadt, unter denen auch Alexei und Nikolka sind, werden ihrem Schicksal überlassen.
Einige Kommandeure ziehen den aussichtslosen Kampf vor, andere lösen ihre Verbände auf, um das Leben der überwiegend aus Junkern bestehenden russischen Soldaten zu retten – zu diesen Junkern gehört auch Nikolka. Nachdem Petljuras Truppen die Stadt einnehmen, beginnen brutale Massaker an Juden und an jenen russischen Offizieren und Junkern, die sich nicht gut genug als Zivilisten tarnen konnten. Alexei wird auf der Flucht lebensgefährlich verletzt. Eine Frau rettet ihn, die später seine Lebensgefährtin wird.
Nach seiner Gesundung wird Alexei, als Offizier unerkannt, von Petljuras Truppen dazu beordert, ihnen als Militärarzt zu dienen. Als er den für seine Brutalität berüchtigten Oberst Leschko behandelt, nutzt er die Gelegenheit und erschießt ihn. Nach mehrtägiger Flucht kehrt er in sein Haus zurück. Dort trifft er den abreisenden Nikolka, der mit der Familie seines getöteten Kommandeurs wegfahren will. Jelena ist bereits mit ihrem Verehrer abgereist. Das gemütliche gemeinsame Heim besteht nicht mehr. Viele Freunde sind tot oder fortgegangen, um sich den weißen Truppen von General Denikin im Don-Gebiet anzuschließen. Alexei findet seine Retterin wieder und beobachtet den Einmarsch der Bolschewiki.
Stil↑
Geprägt ist das Werk von seiner zum Teil autobiografischen Grundlage: Vieles vom Erlebten fließt in die Schilderung der Familie Turbin ein. Bezeichnend ist, dass Kiew im Roman nie beim Namen genannt, sondern nur „DIE STADT" heißt. So rückt der Schauplatz ins Allgemeine und wird zum Sinnbild einer ganzen untergehenden Welt. Erzählt wird aus der Nähe der Familie heraus, deren Alltag, Freundeskreis und häusliche Geborgenheit den festen Bezugspunkt inmitten von Krieg, Flucht und Gewalt bilden.
Rezeption↑
Bekannt geworden ist der Roman auch durch seine Wirkung auf der Bühne: Aus dem Stoff schuf Bulgakow das Theaterstück Die Tage der Turbins. Der Stoff wurde später mehrfach verfilmt – 1976 als Spielfilm Tage der Turbins von Wladimir Bassow und 2011 als Fernsehserie. Auf Deutsch erschien das Werk in mehreren Übersetzungen, erstmals 1928 unter dem Titel Die Tage der Geschwister Turbin, später unter anderem in Neuübersetzungen der Jahre 2006 und 2018.
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