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Werkseintrag · Die vier Reiter der Apokalypse
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Cover Die vier Reiter der Apokalypse
Die vier Reiter der Apokalypse
1916
– Werkseintrag –

Die vier Reiter der Apokalypse

1916 · Roman

Ein Franzose und ein Deutscher, verschwägert über einen argentinischen Großgrundbesitzer, geraten durch den Ersten Weltkrieg auf feindliche Seiten – und über der zerrissenen Familie erhebt sich das Bild der vier apokalyptischen Reiter.

Überblick

Der Roman Die vier Reiter der Apokalypse stammt von dem spanischen Schriftsteller Vicente Blasco Ibáñez und erschien 1916 unter dem Originaltitel Los cuatro jinetes del Apocalipsis. Er erzählt die verworrene Geschichte zweier verschwägerter Familien, die im Ersten Weltkrieg auf gegnerischen Seiten kämpfen: Beide sind über einen argentinischen Großgrundbesitzer miteinander verbunden, der eine Schwiegersohn ist Franzose, der andere Deutscher. Die englische Übersetzung von Charlotte Brewster Jordan erschien 1918 und wurde 1919 nach Angaben von Publishers Weekly zum meistverkauften Roman in den USA. Die spanische Zeitung El Mundo nahm das Buch später in ihre Liste der hundert besten Romane des 20. Jahrhunderts auf.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht die weitverzweigte Familie eines argentinischen Großgrundbesitzers namens Madariaga. Der Franzose Marcelo Desnoyers kommt 1870 nach Argentinien und heiratet dessen ältere Tochter. Später zieht er mit seiner Frau und den beiden Kindern Julio und Chichi nach Frankreich und bewohnt ein herrschaftliches Haus in Paris. Der Sohn Julio wächst zu einem verwöhnten, müßigen jungen Mann heran, der Bindungen scheut und eine Liebschaft mit der verheirateten Marguerite Laurier unterhält.

Die jüngere Tochter Madariagas hat unterdessen den Deutschen Karl Hartrott geheiratet; diese Familie lebt in Deutschland. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, stehen die beiden verschwägerten Familien auf feindlichen Seiten. Julio zeigt anfangs kein Interesse am Krieg, während die Hartrotts die deutsche Sache leidenschaftlich unterstützen. In dem Pariser Mietshaus, in dem Julio wohnt, beschwört ein russischer Nachbar namens Tchernoff das alte Bild der vier apokalyptischen Reiter herauf – Pest, Krieg, Hunger und Tod –, die über die Menschheit hereinbrechen.

Die Handlung im Detail

Die Geschichte beginnt 1870, als der Franzose Marcelo Desnoyers nach Argentinien reist und die ältere Tochter des Großgrundbesitzers Julio Madariaga heiratet. Mit der Zeit kehrt Marcelo mit Frau und Kindern nach Frankreich zurück und lebt wohlhabend in einem Pariser Herrenhaus. Sein Sohn Julio entpuppt sich als verwöhnter, arbeitsscheuer junger Mann, der eine Affäre mit der verheirateten Marguerite Laurier pflegt. Die jüngere Tochter Madariagas hat den Deutschen Karl Hartrott geheiratet, und diese Familie ist nach Deutschland gezogen. So stehen sich beide Familienzweige beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs unversöhnlich gegenüber.

Julio bleibt zunächst gleichgültig, während die Hartrotts die deutsche Sache mit Begeisterung vertreten. Erst als seine Geliebte Marguerite sich ganz ihrem verwundeten Ehemann zuwendet und ihn liebevoll pflegt, entschließt sich Julio, in den Krieg zu ziehen.

Während der junge Julio als Soldat kämpft, verlässt der alternde Marcelo seine Zuflucht und kehrt in sein Herrenhaus zurück. Dort muss er mit ansehen, wie die deutschen Soldaten vorrücken, sein Eigentum plündern und seine Vorräte verzehren. Schließlich drängen die französischen Truppen die Deutschen zurück, und Marcelo nimmt einen deutschen Mann in Schutz, der ihm zuvor das Leben geschont hatte.

Julio kehrt verwundet, aber für seine Tapferkeit gelobt zu seiner Familie zurück und zieht bald darauf erneut in den Kampf. Gegen Ende des Krieges fällt er in der Schlacht. Der Roman schließt mit Marcelo am Grab seines Sohnes. Er trauert und bedenkt, dass, sollte seine Tochter Chichi einmal Kinder haben, diese nicht den Namen „Desnoyers" tragen werden. Zugleich erfährt er, dass auch Hartrott einen Sohn im Krieg verloren hat.

Das Bild, das dem Buch den Titel gibt, wird von Tchernoff heraufbeschworen, einem russischen Sozialisten, der in Julios Mietshaus wohnt und viele Stunden lesend und schreibend am Fenster verbringt. Am Ende des ersten Teils, als er gemeinsam mit Julio und dessen Freund Argensola die ausrückenden französischen Soldaten beobachtet, beginnt er einen aufgewühlten Monolog: Wenn in wenigen Stunden die Sonne aufgehe, werde die Welt die vier Reiter über ihre Felder jagen sehen. Er schildert das Tier der Apokalypse und die vier Reiter, die ihm vorangehen – Pest (oder Eroberung), Krieg, Hunger und Tod. Der erste Teil endet mit dem Satz, dass die Qual der Menschheit unter dem brutalen Ansturm der vier Reiter bereits begonnen habe. Am Grab seines Sohnes ist Marcelo schließlich überzeugt, dass es keine Gerechtigkeit gebe und die Welt vom blinden Zufall regiert werde – und er sieht die vier Reiter vor sich, die drohen, die Erde ein weiteres Mal zu zertreten.

Stil

Prägend für den Roman ist das große Sinnbild, das ihm seinen Titel gibt. Die vier apokalyptischen Reiter – Pest, Krieg, Hunger und Tod – legen sich als düstere Deutung über das Kriegsgeschehen. Blasco Ibáñez führt dieses Bild nicht als bloßen Schmuck ein, sondern lässt es durch eine Figur aussprechen, den grüblerischen Russen Tchernoff, und rahmt damit die Handlung: einmal am Ende des ersten Teils, ein zweites Mal am Grab des Sohnes. So verbindet der Roman das persönliche Schicksal einer Familie mit einer weltumspannenden Vision vom Untergang.

Getragen wird das Werk von einem klaren Gegensatz. Zwei Familienzweige, durch Heirat verbunden und doch durch nationale Herkunft geschieden, stehen einander gegenüber – die französischen Desnoyers und die deutschen Hartrott. An diesem Bau entfaltet der Autor den Weg von der behaglichen Vorkriegswelt in Paris hin zu den Schrecken der Front. Die Erzählung weitet sich dabei vom Privaten ins Panorama: vom argentinischen Landgut über das großbürgerliche Pariser Haus bis auf das Schlachtfeld.

Rezeption

Sehr rasch fand das Buch ein großes Publikum. In der englischen Übersetzung von Charlotte Brewster Jordan, die 1918 herauskam, wurde es 1919 nach Angaben von Publishers Weekly zum meistverkauften Roman in den Vereinigten Staaten. Die Zeitschrift lobte es in höchsten Tönen als zutiefst menschliche, von einem Genie erzählte Geschichte. Auch langfristig blieb das Werk in Erinnerung: Die spanische Zeitung El Mundo zählte es zu den hundert besten Romanen des 20. Jahrhunderts.

Der Stoff fand zudem den Weg auf die Leinwand. 1921 entstand in Hollywood eine Verfilmung mit Rudolph Valentino in der Hauptrolle. 1962 folgte eine zweite Verfilmung, die die Handlung allerdings vom Ersten in den Zweiten Weltkrieg verlegte.

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