1867 – 1928
Vicente Blasco Ibáñez
Kurzporträt↑
Vicente Blasco Ibáñez war ein spanischer Schriftsteller und Politiker. Er wurde am 29. Januar 1867 in Valencia geboren und starb am 28. Januar 1928 im französischen Menton. Geprägt vom französischen Naturalismus, machte er in seinen Romanen vor allem auf soziale und politische Missstände aufmerksam. Zugleich war er ein streitbarer Republikaner. Er gründete eine eigene Zeitung und wurde mehrfach ins spanische Parlament gewählt. Sein bekanntestes Werk ist Los cuatro jinetes del Apocalipsis. Es entstand ab 1914 in Paris und erschien 1916. Viele seiner Bücher wurden später verfilmt, nicht zuletzt in Hollywood.
Biografie↑
Blasco Ibáñez wuchs in Valencia auf. An der dortigen Universität studierte er Rechtswissenschaften und trat bald darauf in die Republikanische Partei ein. Eine Zeit lang musste er im Pariser Exil leben. Dort lernte er den französischen Naturalismus kennen, der seine späteren Werke stark beeinflusste – besonders den Roman Arroz y tartana von 1894. 1887 wurde er Freimaurer und gehörte verschiedenen Logen an. In ihnen erlangte er den Meistergrad und amtierte als Redner, bis er 1895 aus der Akazienloge austrat. Den Idealen der Freimaurerei fühlte er sich jedoch weiter verpflichtet.
1894 gründete er die Tageszeitung El Pueblo, die zu seiner politischen Plattform wurde. Zunächst veröffentlichte sie Artikel der republikanischen Leitfigur Francisco Pi i Margall. Später, nach der Trennung von ihm, erschienen dort vor allem Blasco Ibáñez' eigene Beiträge. Sein erbitterter Kampf gegen die spanischen Regierungen jener Zeit verschaffte ihm in der valencianischen Bevölkerung großes Ansehen. 1896 wurde er verurteilt, eingesperrt und erneut ins Exil geschickt. Zwei Jahre später kehrte er nach Spanien zurück. Dort wurde er in sechs Legislaturperioden in die spanischen Cortes gewählt.
1908 beschloss er, sich aus der Politik zurückzuziehen, und ging nach Argentinien ins politische Exil. Nach einigen Jahren kehrte er nach Europa zurück und zog erneut nach Paris. Dort entstand ab 1914 sein bekanntestes Werk Los cuatro jinetes del Apocalipsis, das 1916 erschien. 1921 entschied er sich, in ein Haus nach Nizza zu ziehen, das ihm schon länger gehörte. Dort entstanden seine letzten Romane, die beim Publikum besser ankamen als seine früheren Bücher. Diese hatten vom ständigen politischen Streit mit der Regierung und von den ungerechten und unsozialen Zuständen seiner Zeit berichtet, etwa der Roman La barraca von 1898. Blasco Ibáñez starb am 28. Januar 1928 in Menton.
Literarische Merkmale↑
Sein Schreiben war eng mit dem französischen Naturalismus verbunden, den er während seiner Pariser Jahre kennengelernt hatte. In seinen Werken wollte er vor allem auf soziale und politische Unstimmigkeiten aufmerksam machen. Dabei schilderte er die ungerechten und unsozialen Zustände seiner Zeit. Auffällig sind seine äußerst detaillierten Beschreibungen von Landschaften und Menschen. Zusammen mit seiner ausgeprägten Vorstellungskraft gaben sie seinen Romanen ihr Gepräge. So gilt er als einer der letzten großen Vertreter des Realismus des 19. Jahrhunderts.
Rezeption↑
Durch seine genauen Beschreibungen und seine kraftvolle Vorstellungskraft wurde Blasco Ibáñez als einer der letzten großen Autoren des Realismus des 19. Jahrhunderts wahrgenommen. Im deutschsprachigen Raum machte vor allem Otto Albrecht van Bebber mit seinen Übersetzungen sein Werk bekannt.
Besonders nachhaltig wirkte er über den Film. Seine Bücher wurden häufig verfilmt, nicht zuletzt in Hollywood. Dort entstanden die beiden Rudolph-Valentino-Filme Die vier Reiter der Apokalypse (1921) und Blut und Sand (1922) sowie dessen Neuverfilmung König der Toreros (1941). Die beiden letztgenannten beruhen auf dem Roman Sangre y arena (1908, deutsch Blutige Arena). Diesen hatte Blasco Ibáñez bereits 1917 selbst verfilmt: Er schrieb das Drehbuch und führte zusammen mit Ricardo de Baños auch Regie. Weitere Verfilmungen seiner Werke sind Frauenfeinde (1923) mit Lionel Barrymore und Alma Rubens, Die Frau, die die Männer bezaubert (1924) mit Mae Murray und Dämon Weib (1926) mit Greta Garbo. Ebenfalls 1926 erschien Mare Nostrum. 1948 folgte eine weitere gleichnamige Adaption.
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