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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Karen Blixen
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Porträt Karen Blixen
Karen Blixen
1885 – 1962
– Autorenporträt –

Karen Blixen

1885 – 1962 · 77 Jahre

Dänische Erzählerin, die siebzehn Jahre eine Kaffeefarm in Kenia führte und mit dem autobiografischen Roman „Jenseits von Afrika“ weltberühmt wurde.

Kurzbiografie↑

Unter dem Namen Karen Blixen wurde eine dänische Schriftstellerin bekannt, die 1885 in Rungstedlund bei Kopenhagen geboren wurde und dort 1962 auch starb. Siebzehn Jahre lang betrieb sie eine Kaffeefarm in Kenia, eine Erfahrung, die den Kern ihres bekanntesten Buches bildet. Weltberühmt wurde sie durch den autobiografischen Roman Jenseits von Afrika. Auf dem deutschen Buchmarkt erschien sie meist als Tania Blixen, ihre englischsprachigen Bücher unter dem Pseudonym Isak Dinesen. Mehrmals wurde sie für den Literaturnobelpreis in Betracht gezogen, erhielt ihn aber nie.


Biografie↑

Geboren wurde Karen Christence Dinesen als zweite von fünf Geschwistern in eine Unitarier-Familie, die seit 1879 das Gut Rungstedlund am Öresund besaß. In der Familie trug sie den Spitznamen „Tanne“. Ihr Vater war der Offizier, Schriftsteller und Politiker Wilhelm Dinesen, ihre Mutter Ingeborg Westenholz. Die Erziehung war streng und bürgerlich, und schon früh ging Karen auf Distanz zur strengen Religiosität besonders der Mutter. Prägend war der Vater, der 1872 in die USA gereist war und dort eine Zeit lang bei den Chippewa gelebt hatte. 1895 nahm sich Wilhelm Dinesen das Leben, nachdem ihm eine Syphilis-Diagnose mitgeteilt worden war; für das zehnjährige Kind war das ein schwerer Schlag.

Karen besuchte Kunstschulen in Kopenhagen, Paris und Rom. 1903 nahm sie an der Königlich Dänischen Kunstakademie das Studium der Malerei auf und begann zu schreiben. 1907 veröffentlichte sie erste Kurzgeschichten unter dem Pseudonym Osceola. Es war nur eines von vielen Pseudonymen, die sie zeitlebens verwendete. 1909 verliebte sie sich in den schwedischen Baron Hans von Blixen-Finecke; die Liebe blieb unerwidert. Stattdessen verlobte sie sich mit dessen Zwillingsbruder Bror, ihrem Halbcousin. Die beiden beschlossen, nach Kenia auszuwandern und dort eine Farm zu betreiben, finanziert durch Karens Familie.

Bror fuhr voraus und kaufte 1913 südlich von Nairobi eine 800 Hektar große Farm am Fuße der Ngong-Berge. Im Dezember 1913 kam Karen nach, am 14. Januar 1914 heirateten sie in Mombasa. Auf der Schiffsreise hatte sie den deutschen Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck kennengelernt, der ihr Trauzeuge wurde; das trug später zu dem Verdacht bei, sie sei deutschfreundlich. Vor Ort zeigte sich, dass Bror keine Milch-, sondern eine Kaffeefarm gekauft hatte, deren Felder ungewöhnlich hoch lagen. Bror kümmerte sich wenig um die Landwirtschaft und ging lieber auf Großwildjagd. 1915 erkrankten beide an Syphilis; Karen reiste zur Behandlung nach Dänemark und litt danach ihr Leben lang unter chronischen Schmerzen.

Trockenperioden, ausbrechende Krankheiten unter den Rinderherden und der Erste Weltkrieg belasteten den Betrieb. 1921 trennte sich Bror gegen Karens Willen von ihr, 1925 wurde die Ehe geschieden. Ab 1920 übernahm Karen mit Hilfe ihres Bruders Thomas die Verwaltung der Farm, die auf der Arbeit sogenannter Squatter beruhte. 1918 hatte sie im Muthaiga-Club in Nairobi den britischen Offizier und Großwildjäger Denys Finch Hatton kennengelernt, mit dem sie ab 1920 eine intensive Beziehung führte. Nach der Scheidung zog er ganz zu ihr. Die Verbindung war nicht ohne Konflikte, Karen erlitt zwei Fehlgeburten, und 1929 zerbrach die Beziehung. Im Mai 1931 kam Finch Hatton bei einem Flugzeugabsturz ums Leben; Karen ließ ihn in den Ngong Hills begraben, in Blickweite ihres Farmhauses.

1931 musste sie die Plantage nach siebzehn ertraglosen Jahren aufgeben und die Farm verkaufen. Immerhin erreichte sie, dass die dort lebenden Kikuyu nicht vertrieben, sondern gemeinsam in ein nahes Reservat umgesiedelt wurden. Die Rückkehr auf den Familiensitz Rungstedlund fiel ihr schwer, da sie kein gutes Verhältnis zur Familie hatte und sich wieder in Abhängigkeit begeben musste. Dort schrieb sie fortan, oft im nach dem Schriftsteller Johannes Ewald benannten „Ewalds-Zimmer“. 1934 erschien Seven Gothic Tales auf Englisch, 1937 in London Out of Africa. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg schrieb sie ihren einzigen großen Roman The Angelic Avengers, der als Allegorie auf den Untergang des Naziregimes gelesen wurde. In den 1940er und 1950er Jahren widmete sie sich ganz den Erzählungen. In ihren letzten Jahren machte ihre angeschlagene Gesundheit das Schreiben unmöglich; sie sprach noch in Radiosendungen. Im Alter von 77 Jahren starb sie auf Rungstedlund, das seit 1991 ein Museum ist.


Literarische Merkmale↑

Zu Blixens Werk gehören autobiografische Erlebnisberichte aus Afrika, fantastische Erzählungen und Novellen. Veröffentlicht wurden sie meist unter Pseudonymen wie Tania Blixen, Isak Dinesen, Osceola, Peter Lawless, Pierre Andrézel oder Nozdref's Cook; es wirkt, als habe sie geradezu in diesen Namen gelebt. Während ihrer Jahre in Kenia hatte sie sich angewöhnt, statt auf Dänisch auf Englisch zu schreiben, und behielt das auch in Dänemark bei: Sie schrieb zuerst auf Englisch und übersetzte dann selbst ins Dänische, viele Bücher erschienen parallel in beiden Sprachen. Ihr Englisch galt als von großer Raffinesse und Schönheit, und besonders die atmosphärische Dichte ihrer Texte wurde gerühmt.

Den literarischen Durchbruch brachten 1934 die Sieben phantastischen Geschichten. Zuvor hatte sie in den zwanziger Jahren einen Erzählungsband unter dem Titel Nine Tales by Nozdref's Cook geplant und geschrieben, der so nicht zustande kam. In mehreren ihrer Geschichten reflektiert sie die Differenz zwischen Künstler und Publikum. Ihre Themenwahl und ihre symbolisierende, mythisierende Erzählweise entfernten sie von den zeitgenössischen Problemen der dänischen Gesellschaft. Im politisierten, sozialrealistischen Literaturklima Dänemarks wurde diese Art des Erzählens als Fremdkörper empfunden und nur verhalten aufgenommen, was zu einer lebenslangen Enttäuschung über die geringe Zahl ihrer Leser führte. Ihren Roman Out of Africa beschreibt Jürg Glauser als abgeklärten Rückblick aus zeitlicher und räumlicher Entfernung auf eine vergangene, schon im Untergang befindliche Welt.


Rezeption↑

Bewunderung fand Blixens Arbeit bei namhaften Kollegen: Ernest Hemingway und Truman Capote schätzten sie aufrichtig. 1954 ging das Gerücht um, sie solle den Literaturnobelpreis erhalten, der dann an Hemingway ging; dieser meinte, sie sei des Preises eigentlich würdiger gewesen und zähle zu den großen Frauengestalten ihres Jahrhunderts. 1962 gelangte sie erneut in die engere Auswahl, gemeinsam mit unter anderen Jean Anouilh, Lawrence Durrell, Robert Graves und John Steinbeck; ihr Tod im September dieses Jahres verhinderte eine mögliche Auszeichnung, und der Preis wurde Steinbeck zugesprochen.

Kritik kam von afrikanischer Seite: Trotz aller bekundeten Sympathie für Land und Leute wurde Blixen eine rassistische Sichtweise auf die Afrikaner vorgeworfen. Sie habe die Menschen in eine Reihe mit Antilopen und wilden Tieren gestellt, auf die Stufe eines vermeintlich edlen Urzustands, und eine feudale, eurozentristische Haltung eingenommen.

Ihre Werke wirkten nach, auch über die Literatur hinaus. Die Erzählung Babettes Fest wurde 1987 verfilmt und 1988 mit einem Oscar ausgezeichnet. An Immortal Story verfilmte Orson Welles 1968 als Stunde der Wahrheit. In der Verfilmung von Jenseits von Afrika wurde Blixen von Meryl Streep verkörpert.

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