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Porträt William Blake
William Blake
1757 – 1827
– Autorenporträt –

William Blake

1757 – 1827 · 69 Jahre

Englischer Dichter, Maler und Naturmystiker, zu Lebzeiten als verwirrter Sonderling abgetan, heute ein Klassiker der englischen Lyrik und Kunst.

Kurzporträt

William Blake wurde 1757 in London geboren und starb 1827 ebendort. Er war englischer Dichter, Maler und Naturmystiker sowie der Erfinder der Reliefradierung. Zu seinen Lebzeiten galt er den meisten Zeitgenossen als unverständlicher Sonderling. Seine visionären Bilder und Verse wurden als Ausdruck geistiger Verwirrung abgetan. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten ihn die Präraffaeliten. 1893 brachten die irischen Herausgeber William Butler Yeats und Edwin Ellis die erste Gesamtausgabe seines Werks heraus. Heute zählen seine Dichtungen zu den bedeutendsten der englischen Lyrik, seine Zeichnungen zu den großen Werken der englischen Kunst.


Biografie

Am 28. November 1757 kam William Blake in London zur Welt. Sein Vater war ein der Mittelklasse angehöriger Strumpfmacher und -händler. Die Eltern gehörten nicht der Hochkirche an, sondern den Dissentern, wahrscheinlich den Mährischen Brüdern. Die Bibel blieb für Blake zeitlebens eine prägende Inspirationsquelle. Schon als Kind soll der Junge über das „zweite Gesicht" verfügt und Visionen von Engeln und Propheten gehabt haben. Diese verarbeitete er später in Gedichten und Bildern.

Blake besuchte nie eine reguläre Schule. Seine Eltern erkannten früh, dass der eigenwillige Sohn weder zur Schule noch zu einem regulären Beruf passen würde. Seine Mutter Catherine Wright Armitage Blake unterrichtete ihn zu Hause. Mit zehn Jahren meldeten ihn die Eltern in einer der bedeutendsten Londoner Zeichenschulen an. 1772 begann er eine Lehre bei dem Kupferstecher James Basire. Nach deren Abschluss wurde er 1779 Student an der Royal Academy of Arts. Eine Laufbahn als Historien-Maler schien vorgezeichnet. Doch Blake überwarf sich mit dem Akademiepräsidenten, dem Porträtmaler Sir Joshua Reynolds, der seine Arbeiten missbilligte. Damit waren diese Hoffnungen zerschlagen.

1782 heiratete er Catherine Boucher. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, bildete sich aber durch eigene Studien fort. Mit ihren technischen Fertigkeiten ging sie ihrem Mann bei der Herstellung einiger seiner bekanntesten Werke zur Hand. 1784 eröffnete Blake eine Druckerei in London. Von da an bis zu seinem Tod arbeitete er als Graveur und Illustrator, arm und weitgehend unbeachtet. Er fand jedoch Freunde und Wohltäter, die ihm durch Arbeitsaufträge über die schlimmsten finanziellen Engpässe halfen. Zu ihnen gehörte der Dichter William Hayley. Nach ersten Kontakten im Jahr 1800 zog Blake nach Felpham in Sussex, wo Hayley lebte. Drei Jahre verbrachten Blake und seine Frau dort, ehe sie für den Rest ihres Lebens nach London zurückkehrten. Die 45 Jahre währende Ehe blieb kinderlos, möglicherweise abgesehen von einem totgeborenen Mädchen.

Erst sehr spät, etwa ab 1818, durfte Blake erleben, dass eine neue, wenn auch kleine Generation jüngerer Künstler seine Arbeiten zu schätzen begann. Das Konzept des Künstlers als prophetische Kraft und spiritueller Führer hatte inzwischen an Bedeutung gewonnen. Am 12. August 1827 starb William Blake. In der Frage des Sterbeortes weichen die Quellen voneinander ab: Wikidata nennt Charing Cross, die Deutsche Biographie nennt London. Sein Grab und das seiner Frau Catherine liegen auf dem Friedhof Bunhill Fields im Norden Londons. Die genaue Stelle war lange unbekannt. Ein symbolischer Grabstein stand in der Nähe. Luis und Carol Garrido ermittelten den tatsächlichen Grabort. Im August 2018 wurde er mit einer Inschriftenplatte versehen.


Literarische Merkmale

Blake war Dichter und Maler in einer Person und zugleich der Erfinder der Reliefradierung. Mit ihr ließ er Wort und Bild im Druck verschmelzen. Gedichte und Zeichnungen entstanden aus derselben Quelle: aus Visionen, die er nach eigenem Bekunden seit Kindertagen hatte, und aus einer tief von der Bibel geprägten Innerlichkeit. Daraus ergab sich ein naturmystischer Grundton, der seine Verse wie seine Bildwelten durchzieht. Er hob ihn deutlich von der akademischen Kunst seiner Zeit ab – so deutlich, dass der Akademiepräsident Sir Joshua Reynolds seine Arbeiten missbilligte und ihm den Weg zum Historien-Maler verschloss.

Charakteristisch ist die Verbindung von Dichtung und bildender Kunst zu einem einzigen, handwerklich selbst hergestellten Werk. Blake betrieb ab 1784 eine eigene Druckerei und arbeitete bis zu seinem Tod als Graveur und Illustrator. Seine Frau Catherine half ihm mit ihren technischen Fertigkeiten bei der Produktion einiger seiner bekanntesten Werke. Dass seine Arbeit so eng an Werkstatt und Handpresse gebunden war, erklärt zugleich, warum sie nur in kleiner Auflage und Reichweite blieb.


Rezeption

Zu Lebzeiten wurde Blake von seinen Zeitgenossen weitgehend abgelehnt – sowohl als Künstler wie als Dichter. Er galt lange als nicht begreifbarer Visionär. Sein mystisches Weltbild wurde als Ausdruck geistiger Verwirrung betrachtet. Erst etwa ab 1818, kurz vor seinem Tod, begann eine neue Generation von Künstlern, seine Arbeiten zu schätzen, wenn auch nur in begrenzter Zahl.

Die eigentliche Wiederentdeckung kam Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Präraffaeliten erkannten die Innovationskraft seiner Werke. Diese fanden danach allgemeine Anerkennung und sickerten später auch in die Popkultur ein. 1893 gaben der irische Dichter William Butler Yeats und Edwin Ellis die erste Gesamtausgabe der Werke Blakes heraus.

Die eigentliche Originalität Blakes und sein prophetischer Blick für die Gefahren und Fehlentwicklungen der Moderne wurden überwiegend erst im 20. Jahrhundert erkannt. In der esoterischen Alternativkultur des letzten Drittels jenes Jahrhunderts wurde er zugleich als „Befreier" vereinnahmt. Heute zählen seine Dichtungen zu den bedeutendsten Werken der englischen Lyrik, seine Zeichnungen zu den großen Werken der englischen Kunst.

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