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Werkseintrag · The Marriage of Heaven and Hell
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Cover The Marriage of Heaven and Hell
The Marriage of Heaven and Hell
1793
– Werkseintrag –

The Marriage of Heaven and Hell

1793 · Essay

Eine prophetische Streitschrift aus der Zeit der Französischen Revolution, in der William Blake Himmel und Hölle, Vernunft und Energie zu einer einzigen, ungeteilten Welt zusammenführt.

Überblick

Mit der Hochzeit von Himmel und Hölle schuf William Blake zwischen 1790 und 1793 eine seiner kühnsten Schriften. Es ist eine prophetisch-philosophische Ideenschrift. Sie ahmt biblische Offenbarungsbücher nach und entfaltet zugleich Blakes eigene romantische, revolutionäre Weltsicht. Das Werk entstand unmittelbar nach der Französischen Revolution und ist in dieser Aufbruchsstimmung geschrieben. Der Titel spielt ironisch auf eine theologische Schrift des schwedischen Mystikers Emanuel Swedenborg an. Diese Schrift hat Blake zwar geprägt. Ihre strenge Trennung von Gut und Böse will er aber bewusst aufheben. Stattdessen entwirft Blake eine Welt, in der Vernunft und Energie, Geist und Körper, Himmel und Hölle zusammengehören. Wie die meisten seiner Bücher druckte Blake auch dieses von eigens geätzten Platten. Die 27 Tafeln vereinen Prosa, Gedicht und Illustration. Er und seine Frau Catherine Blake kolorierten sie von Hand.

Inhalt (ohne Spoiler)

Eröffnet wird das Buch mit einem in Versen verfassten "Argument". Darin formuliert Blake seine Grundüberzeugung: Das Gute und das Böse, die Vernunft und die Energie gehören untrennbar zusammen. Namentlich erwähnt werden dort Swedenborg und das biblische Buch Jesaja.

Der weitere Text ist Prosa. Er führt durch eine Folge von Bildern, Aphorismen und visionären Szenen. Im Mittelpunkt steht eine grundstürzende Umwertung. Die Hölle ist bei Blake kein Ort der Strafe, sondern eine Quelle ungebändigter, schöpferischer Energie. Der Himmel dagegen steht für autoritäre Ordnung und Unterdrückung. Blake besucht in einer Vision eine "Druckerei der Hölle". Er berichtet von Begegnungen, die seine Vorstellung von Religion und Moral verwandeln. Eine Sammlung von "Sprichwörtern der Hölle" reiht zugespitzte Lebensregeln aneinander. Sie mündet in eine scharfe Kritik der überlieferten Religion. Am Schluss steht ein "Gesang der Freiheit", der politisch aufrüttelnde Töne anschlägt.

Die Handlung im Detail

Das Werk beginnt mit dem versifizierten "Argument", das zum Programm des ganzen Buches wird: Gut und Böse, Vernunft und Energie sind keine Gegensätze, sondern bilden eine Einheit. Bereits hier nennt Blake Swedenborg und das Buch Jesaja beim Namen und setzt sich damit gegen die fromme Theologie seiner Zeit ab.

Daran schließen sich die berühmten Proverbs of Hell, die "Sprichwörter der Hölle", an: eine Sammlung von Aphorismen, in denen Blake mit knappen, oft paradoxen Sätzen die herrschende Moral auf den Kopf stellt. An ihrem Ende steht eine ausdrückliche Religionskritik. Anders als bei Milton oder Dante ist die Hölle bei Blake kein Ort der Bestrafung, sondern Sitz einer nicht unterdrückten, geradezu dionysischen Energie; ihr gegenüber erscheint der Himmel als autoritäre, regulierte Ordnung. Blakes erklärtes Ziel ist es, eine "unvergessliche Phantasie" zu erschaffen, die den Leser aufrütteln und ihm die unterdrückerische Natur konventioneller Moral und kirchlicher Institutionen vor Augen führen soll.

In einer der Schlüsselszenen besucht der Dichter eine "Druckerei der Hölle". Dort erfährt er, wie teuflische Drucke mit ätzenden Säuren hergestellt werden, also als Radierungen, und wie diese Methode hilft, "die Pforten der Wahrnehmung zu säubern". Blake nimmt sich vor, dieses höllische Verfahren in seiner eigenen Arbeit zu übernehmen, sobald er auf die Erde zurückgekehrt ist. So spiegelt das Buch zugleich seine eigene Drucktechnik: die handwerkliche Praxis, mit der Blake seine Bücher selbst herstellte.

Das Motiv des Höllenbesuchs übernimmt Blake aus Dantes Inferno, deutet es aber radikal um. Mehrfach werden Swedenborgs Schriften direkt zitiert und in scharfen, oft spöttischen Wendungen zurückgewiesen. Blake nutzt dessen vertraute Bildwelt, um sie gegen Swedenborgs eigene Lehre zu wenden.

Der Schlussteil steigert sich zu einer Reihe revolutionärer Prophezeiungen und Ermahnungen, die in eine grimmige Aufforderung an die Menschen aller Länder münden: Sie sollen die Fesseln ihrer religiösen und politischen Unterdrücker sprengen. Den Abschluss bildet der Song of Liberty, der "Gesang der Freiheit". Er gehörte ursprünglich nicht zur Hochzeit von Himmel und Hölle, wurde von Blake aber von Anfang an stets am Ende mitveröffentlicht. Der Literaturwissenschaftler George Woodcock sieht in ihm ein visionäres politisches Gedicht, das Blakes gesamte eigene Mythologie in Kleinformat enthält. Es endet in der berühmten Zeile: "For everything that lives is Holy" – "Denn alles, was lebt, ist heilig".

Stil

Die Hochzeit von Himmel und Hölle ist ein Mischwerk im strengen Sinn. Sie verbindet Prosa, Vers und Bild zu einer Einheit. Den Auftakt bildet ein Gedicht, der Hauptteil ist in Prosa gehalten, am Ende steht wieder ein Gesang. Dazwischen liegen die zugespitzten Aphorismen der "Sprichwörter der Hölle". Sie zeigen Blakes Vorliebe für die paradox formulierte, ins Sprichwörtliche verdichtete Sentenz.

Formal ahmt Blake die biblischen Offenbarungsbücher nach: prophetischer Ton, visionäre Szenen, gehobene, beschwörende Sprache. Diese Form füllt er mit umgekehrten, antiklerikalen Inhalten und gewinnt daraus seine eigentümliche Wirkung. Hinzu kommt die handwerkliche Form. Das Werk besteht aus 27 von Blake selbst geätzten Platten. Auf ihnen verschmelzen Text und Bild zu einer einzigen gestalteten Fläche. Blake und seine Frau Catherine kolorierten die Drucke von Hand. Das gedruckte Buch ist damit zugleich ein bildkünstlerisches Werk. Die Trennung von Literatur und Bildender Kunst ist hier bewusst aufgehoben.

Rezeption

Die Hochzeit von Himmel und Hölle gilt heute als eines der einflussreichsten Werke Blakes und als Schlüsseltext der englischen Romantik. Ihre Aphorismen sind weit über die Literaturgeschichte hinaus zu geflügelten Worten geworden. Allen voran gilt das für den Satz von den zu reinigenden "Pforten der Wahrnehmung". Noch im zwanzigsten Jahrhundert griffen Schriftsteller und Denker diese Worte auf. Auch der Schlusssatz "Denn alles, was lebt, ist heilig" zählt zu den meistzitierten Zeilen Blakes.

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