1949
The Moving Target
Überblick↑
Der Kriminalroman The Moving Target von Ross Macdonald erschien im April 1949 bei Alfred A. Knopf in den Vereinigten Staaten. Mit ihm betritt der Privatdetektiv Lew Archer zum ersten Mal die Bühne, der zur Hauptfigur einer ganzen Romanreihe wurde. Schauplatz ist Kalifornien, wo Archer im Auftrag einer wohlhabenden Familie nach einem Verschwundenen sucht. Das Buch steht in der Tradition der harten amerikanischen Detektivgeschichte. Unter dem Titel Ein Fall für Harper kam 1966 eine Verfilmung von Jack Smight in die Kinos.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Lew Archer, ein fünfunddreißigjähriger Privatdetektiv aus Los Angeles. Die gelähmte Frau des Millionärs Ralph Sampson beauftragt ihn, den Verbleib ihres Mannes zu klären. Sampson ist verschwunden, nachdem er kurz zuvor auf dem Flughafen von Burbank gelandet war.
Archer beginnt seine Nachforschungen in der Villa der Familie in Santa Teresa. Dort spricht er mit Sampsons Piloten Alan Taggert und mit dessen kokettierender Tochter Miranda. Anschließend sucht er den Anwalt der Familie auf, Bert Graves, einen alten Bekannten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Eine Spur führt ihn zu Fay Estabrook, einem alternden Hollywoodstar, und weiter in eine heruntergekommene Bar namens The Wild Piano. Dort tritt die vorbestrafte Pianistin Betty Fraley auf. Als Archer Fragen nach Sampson stellt, wird die Sache für ihn gefährlich. Nach und nach zeigt sich, dass hinter dem Verschwinden mehr steckt als ein bloßer Familienzwist: ein Erpresserbrief trifft ein, dunkle Geschäfte kommen ans Licht, und Archer gerät zwischen Kleinkriminelle, einen Sektenführer und die Interessen einer sehr reichen Familie.
Die Handlung im Detail↑
Der Privatdetektiv Lew Archer, fünfunddreißig Jahre alt und in Los Angeles ansässig, wird von der gelähmten Frau des Millionärs Ralph Sampson angeheuert. Sampson ist verschwunden, nachdem er auf dem Flughafen von Burbank gelandet war. In der Villa der Familie in Santa Teresa befragt Archer zunächst den Piloten Alan Taggert und Sampsons kokettierende Tochter Miranda. Danach fährt er in die Stadt und spricht mit Bert Graves, dem Anwalt der Familie und einem alten Freund aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.
Eine Spur führt Archer zu Fay Estabrook, einem alternden Hollywoodstar. Er lernt sie bei einer durchzechten Nacht näher kennen, doch als er sie nach Hause bringt, tritt ihr Mann dazwischen: der bewaffnete Ganove Dwight Troy. Auf dem Rückweg kehrt Archer in einer heruntergekommenen Bar namens The Wild Piano ein und hört dem Boogie-Spiel der vorbestraften, drogenabhängigen Betty Fraley zu. Als er sie nach Sampson zu fragen beginnt, übergibt sie ihn einem Schläger namens Puddler. Vor einer schweren Abreibung rettet ihn nur Taggert, der ebenfalls auf Sampsons Spur dort ist. Am nächsten Tag erfährt Archer, dass The Wild Piano Troy gehört, einem Gauner, dem es offenbar gerade schlecht geht. Er fährt zum Haus der Sampsons, wo inzwischen ein Brief eingetroffen ist, der eine Entführung nahelegt.
Über Sampson kommt weiteres ans Licht: Troy ist sein Geschäftspartner, und Sampson hat eine Jagdhütte in den Bergen einem Sektenführer namens Claude als Tempel geschenkt. Archer und Miranda durchsuchen das Anwesen nach Spuren, während in der Villa eine Lösegeldforderung eintrifft. Graves und Taggert übernehmen die Geldübergabe, Archer wartet ab, um dem Wagen der Entführer zu folgen. Doch dessen Fahrer wird erschossen, und die übrigen Bandenmitglieder entkommen.
Bei Nachforschungen über den toten Fahrer an einer Fernfahrerraststätte fährt ein Lastwagen vor, gesteuert von Puddler. Archer heftet sich an ihn und gelangt wieder zu Claudes Bergtempel. Dort stellt sich heraus, wozu der Ort dient: Sampson und Troy nutzen ihn als Umschlagplatz, um Mexikaner unerlaubt über die Grenze zu schmuggeln und sie anschließend für Hungerlöhne an Rancher der Gegend zu vermitteln. Troy nimmt Archer gefangen, zeigt sich aber überrascht, als er von der Entführung hört. Puddler bringt Archer zu einem Dock an der Küste und ertrinkt dort bei einem Kampf. Archer kehrt zur Villa zurück. Von Graves erfährt er, dass der erschossene Entführer Eddie hieß und Betty Fraleys Bruder war. Auch Taggert gibt sich zu erkennen: Er ist Bettys Geliebter und an der Entführung beteiligt. Als er auf Archer schießen will, wird er von Graves erschossen.
Archer spürt Eddies Schwester auf. Troy foltert sie gerade, um herauszubekommen, wo Sampson gefangen gehalten wird. Archer befreit sie, wird aber am Versteck von hinten niedergeschlagen. Eine halbe Stunde später trifft Graves ein und bringt ihn wieder zu sich. Gemeinsam finden sie Sampsons Leiche, erdrosselt und noch warm. Auf der Rückfahrt beschuldigt Archer seinen alten Freund Graves des Mordes. Graves hatte kurz zuvor Miranda geheiratet, die beim Tod ihres Vaters über eine Million Dollar erben würde. Angewidert von der Erkenntnis, wie die Gier nach Geld alle Beteiligten verdorben hat, stellt sich Graves selbst.
Stil↑
Der Roman folgt der Bauweise der harten amerikanischen Detektivgeschichte: Ein Ermittler arbeitet sich von Befragung zu Befragung vor, und jede Spur führt tiefer in ein Geflecht aus Lügen. Archer bewegt sich zwischen den Villen der Reichen und den heruntergekommenen Bars und Raststätten am Rand der Stadt. Dieser Wechsel der Schauplätze trägt die Erzählung.
Charakteristisch ist die Verbindung von Kriminalfall und Gesellschaftsbild. Hinter dem Verschwinden eines Millionärs kommen Menschenschmuggel und Ausbeutung von Landarbeitern zum Vorschein. Der Fall löst sich nicht in einem Rätselspiel auf, sondern in der Einsicht, wie das Geld die Menschen verdorben hat, die mit ihm zu tun haben.
Rezeption↑
Die Aufnahme des Romans war geteilt. Anthony Boucher begrüßte ihn in der New York Times Book Review mit Nachdruck: Menschliches Mitgefühl und literarisches Können, so sein Urteil, führten die viel geschundene hartgesottene Detektivgeschichte auf das Niveau zurück, das sie einst bei Hammett erreicht hatte. Raymond Chandler dagegen tat Macdonalds literarische Verbeugung in einem privaten Brief als Arbeit eines „literary eunuch“ ab. Dieser Brief wurde erst 1962 veröffentlicht.
Nachhaltig gewirkt hat vor allem die Hauptfigur: Lew Archer wurde zum Mittelpunkt einer ganzen Romanreihe. 1966 verfilmte Jack Smight den Stoff unter dem Titel Ein Fall für Harper.
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