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Werkseintrag · Die versunkene Glocke
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Die versunkene Glocke
1896
– Werkseintrag –

Die versunkene Glocke

1896 · Drama

Ein Glockengießer, dessen schönstes Werk im See versank, folgt einem Märchenwesen ins Gebirge – und muss sich entscheiden zwischen dem Höchsten, das er erträumt, und dem Leben, das er zurücklässt.

Überblick↑

Das Werk Die versunkene Glocke ist ein Drama von Gerhart Hauptmann mit dem Untertitel „Ein deutsches Märchendrama in fünf Akten“. Es wurde am 2. Dezember 1896 am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt. Zu Lebzeiten des Dichters gehörte es zu seinen meistgespielten Stücken. Es ist Hauptmanns erstes Versdrama und bedeutet in seinem Schaffen den Bruch mit dem Naturalismus, jener Richtung, die das Leben ungeschönt und alltagsnah abbildete. Mit seiner Märchenromantik und mystischer Symbolik zählt das Stück zu seinen neuromantischen Werken. Die Musik dazu stammt von Max Marschalk.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht der Glockengießer Heinrich. Eine von ihm gegossene neue Glocke, die heller klingen sollte als alle anderen, ist beim Transport zur Kirche abgestürzt und in einem See versunken. Sterbenskrank trifft Heinrich auf das Märchenwesen Rautendelein, das im Gebirge zu Hause ist. Durch ihren Zauber und ihre Küsse gesundet er und gerät in den Bann einer Welt jenseits des Dorfes. Damit gerät er zugleich in einen Zwiespalt zwischen seinem alten Leben unten im Tal – mit seiner Frau Magda und den Kindern – und der verlockenden Welt der Höhe. Das Drama verknüpft diese beiden Sphären und stellt die Frage, was Heinrichs Streben nach dem Höchsten kostet.

Die Handlung im Detail↑

Der Glockengießer Heinrich hat eine neue Glocke geschaffen, die heller klingen sollte als alle anderen. Auf dem Weg zur Kirche, in der sie aufgehängt werden sollte, stürzt sie ab und versinkt in einem See. Sterbenskrank trifft Heinrich auf das Märchenwesen Rautendelein. Durch ihren Zauber und ihre Küsse gesundet er.

Heinrich zieht mit Rautendelein ins Gebirge und lässt seine Frau Magda und die gemeinsamen Kinder zurück. Magda ertränkt sich daraufhin im See. Dort bewegt sie den Klöppel der versunkenen Glocke. Den Klang hört Heinrich als Stimme seines schlechten Gewissens. Schließlich stirbt Heinrich in Rautendeleins Armen.

In der Figur des Heinrich sehen viele Parallelen zur Lebenssituation Hauptmanns. Wie Heinrichs Streben nicht von Erfolg gekrönt war, stand auch Hauptmann beim Schreiben dieses Dramas vor dem Misserfolg seines kurz zuvor aufgeführten Florian Geyer. Wie Heinrich schlug auch Hauptmann danach neue Wege ein und änderte seinen Stil. Und wie Heinrich hatte er sich in dieser Zeit von seiner Frau getrennt. Auch zu Friedrich Nietzsche, besonders zu dessen Werken Also sprach Zarathustra und Zur Genealogie der Moral, lassen sich Bezüge erkennen.

Stil↑

Bemerkenswert ist, dass das Stück Hauptmanns erstes Versdrama ist. Damit löste er sich vom Naturalismus, der das Leben nüchtern und alltagsgetreu abbildete. An dessen Stelle treten Märchenromantik und mystische Symbolik. Die Handlung spielt zwischen zwei Welten – dem Dorf im Tal und dem Reich der Naturgeister im Gebirge – und bevölkert die Bühne mit Märchenwesen wie der Elfe Rautendelein und dem Nickelmann, einem Wassergeist. Diese Geisterwelt prägt den Ton des Stücks ebenso wie die durchgehend gebundene Sprache der Verse.

Rezeption↑

Zunächst war das Drama ein großer Erfolg und um die Jahrhundertwende eines der meistgespielten Stücke aus Hauptmanns Feder. Kritiker hoben damals besonders die Geisterwelt hervor und verglichen sie mit den Gemälden des Malers Arnold Böcklin. Im Laufe der Jahre geriet das Werk jedoch mehr und mehr in Vergessenheit. Georg Hensel urteilt in seinem Schauspielführer: „Mit ihren überanstrengten Versen, ihrer mehr künstlichen als kunstvollen Poesie und ihrer verworrenen Mystik ist Die versunkene Glocke inzwischen so versunken wie das Werk Böcklins“.

Das Drama wurde mehrfach vertont. Am bekanntesten dürfte die Oper La campana sommersa von Ottorino Respighi sein, die 1927 uraufgeführt wurde. Auch fürs Radio wurde der Stoff mehrfach bearbeitet, unter anderem in Hörspielfassungen der 1920er und 1950er Jahre.

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