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Werkseintrag · Die Tage der Turbins
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Cover Die Tage der Turbins
Die Tage der Turbins
1926
– Werkseintrag –

Die Tage der Turbins

1926 · Drama

Im winterlichen Kiew von 1919 gerät eine bürgerliche Familie zwischen die Fronten des Bürgerkriegs – und jeder muss entscheiden, wofür er einsteht.

Überblick

Das Theaterstück Die Tage der Turbins von Michail Bulgakow erzählt vom Untergang einer bürgerlichen Familie in den Wirren des Russischen Bürgerkriegs. Bulgakow schrieb das Drama in vier Akten auf der Grundlage seines Romans Die weiße Garde. Uraufgeführt wurde es am 5. Oktober 1926 im Moskauer Künstlertheater unter Konstantin Stanislawski, mit Nikolai Chmeljow als Oberst Turbin. Das Werk gehört zu den bekanntesten Bühnenstücken des Autors und behandelt das Schicksal von Menschen, die zwischen die Fronten der Geschichte geraten.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im winterlichen Kiew des Jahres 1919 spielt das Geschehen, mitten in den unruhigen Zeiten des Russischen Bürgerkriegs. Die Stadt wird von den Weißen gehalten, doch der ukrainische Nationalist Petljura rückt mit einer übermächtigen Armee gegen sie vor. Dem Hetman der Ganzen Ukraine bleibt zur Verteidigung nur eine einzige Division, befehligt vom dreißigjährigen Artillerie-Oberst Alexej Turbin.

Im Mittelpunkt steht die Familie Turbin: der besonnene Oberst Alexej, sein junger Bruder Nikolai und ihre Schwester Jelena. Jelena ist mit dem Oberst Wladimir Talberg verheiratet, einem Mann, dessen Treue auf die Probe gestellt wird, als die politische Lage immer bedrohlicher wird. Um die junge Frau wirbt zugleich Oberleutnant Leonid Scherwinski, der Adjutant des Hetmans.

Während sich die Mächtigen ins sichere Ausland absetzen, müssen die kleinen Offiziere entscheiden, wofür sie einstehen und wie weit sie zu gehen bereit sind. Das Stück zeigt, wie der Strudel der Geschichte eine Familie erfasst und jeden Einzelnen vor schwere Entscheidungen stellt.

Die Handlung im Detail

Kiew im Winter 1919: Die Stadt wird von den Weißen gehalten, doch der ukrainische Nationalist Petljura rückt mit einer 200.000 Mann starken Armee gegen die Metropole vor. Der Hetman der Ganzen Ukraine kann dem nur eine einzige Division entgegenstellen, kommandiert vom dreißigjährigen Oberst Alexej Turbin. Als die Lage aussichtslos wird, flieht der Hetman mit Hilfe der Deutschen: als verwundeter deutscher Offizier verkleidet, verlässt er per Eisenbahn die Stadt in Richtung Berlin. Auch sein Armeeoberbefehlshaber, Fürst Belorukow, kehrt der Heimat den Rücken.

Angesichts dieser Mutlosigkeit der Führung trifft Oberst Turbin eine bittere Entscheidung. Vor seinem fassungslosen Häuflein, das man noch immer Division nennt, befiehlt er, die Gewehre wegzuwerfen, die Achselstücke abzureißen und sich in Kiewer Wohnungen zu verstecken. In seinem Schlusswort an die konsternierten Weißgardisten zeigt der Oberst geradezu seherische Klarheit: Er sagt den Untergang der Weißen Bewegung in der Ukraine voraus und prophezeit, dass nach Petljura die Bolschewiken kommen werden. Gegen alle Vernunft zieht er dennoch in den Kampf. Alexej Turbin fällt. Sein achtzehnjähriger Bruder Nikolai wird zum Krüppel geschossen.

Die Schwester Jelena ist mit dem achtunddreißigjährigen Oberst Wladimir Talberg verheiratet, der im Generalstab von Fürst Belorukows Armee dient. Talberg erweist sich als Feigling: Wie seine Vorgesetzten flieht er vor Petljura nach Berlin. Zwar kehrt er zu Jelena zurück, doch bald flieht er erneut, diesmal vor den anrückenden Roten zu General Krasnow an den Don. Jelena bleibt jedes Mal in Kiew zurück. Sie trennt sich von ihrem Mann und wendet sich Oberleutnant Leonid Scherwinski zu, dem persönlichen Adjutanten des Hetmans, der sie im Gegensatz zu Talberg wahrhaftig liebt. Unter dem Eindruck der Revolution korrigiert sie damit ihre falsche Partnerwahl.

Zwei Monate nach dem Tod des Oberst Turbin rücken die Bolschewiken aus Moskau heran und schlagen Petljura vor Kiew. Als die Roten in die Stadt einrücken, müssen sich die verbliebenen Offiziere entscheiden. Die einen wollen an den Don zu General Krasnow oder zu Denikin ziehen. Die anderen Weißgardisten harren aus und wollen mit den Roten sympathisieren oder gar selbst Bolschewiken werden.

Der verkrüppelte Nikolai zieht am Schluss des Stücks das Fazit: Die Einnahme Kiews durch die Bolschewiken sei „für den einen ein Prolog“ und „für den andern ein Epilog“. Für die Mehrheit der überlebenden Offiziere bedeutet der Einzug der Kommunisten das Ende – einen Epilog. Nikolai selbst aber scheint den Vormarsch der Kommunisten als einen Anfang, als Prolog zu begreifen. Sein gefallener Bruder Alexej steht für das alte Russland, das im November 1918 zum Untergang verurteilt war.

Stil

In vier Akten entfaltet Bulgakow das Geschehen als Familiendrama vor dem Hintergrund der großen Geschichte. Im Zentrum stehen die drei titelgebenden Figuren, die der Autor mit unterschiedlichen Zügen ins Ideale erhebt: Jelena verkörpert die Emanzipation der Frau unter dem Eindruck der Revolution, Alexej steht für das alte, dem Untergang geweihte Russland, und der junge Nikolai blickt am Ende mit seinem Doppelbild von Prolog und Epilog ins Ungewisse.

Stark autobiographisch ist das Werk gefärbt. Bulgakows Großmutter mütterlicherseits war eine geborene Turbin. Manche Betrachter sehen im Oberst Alexej Turbin ein Abbild des Autors. Den Nikolai soll Bulgakow seinem Bruder Iwan nachempfunden haben, die Jelena seiner Schwester Warwara und deren Ehemann Talberg seinem Schwager Leonid Karum. Der Hetman der Ganzen Ukraine wird im Stück zwar betitelt, aber an keiner Stelle beim Namen genannt; gemeint ist Pawlo Skoropadskyj. Das Drama entstand auf der Grundlage von Bulgakows Roman Die weiße Garde.

Rezeption

Wechselvoll verlief die Geschichte dieses Stücks. Nach seiner Uraufführung 1926 im Moskauer Künstlertheater wurde es 1929 erstmals verboten; nach der von Stalin persönlich angeordneten Wiederaufnahme 1932 erlebte es bis 1941 insgesamt 987 Aufführungen. Zugleich geriet das als „kleinbürgerlich“ gescholtene Werk zweimal unter Verbot, erstmals im April 1929. Zu Bulgakows Glück fand es jedoch einen Bewunderer: Stalin soll sich das Stück angeblich fünfzehnmal angesehen haben.

Der Text erschien 1934 in Boston und New York, die erste sowjetische Buchausgabe folgte 1955. Auch später blieb das Werk auf den Bühnen lebendig. Im Jahr 2013 brachte Grigori Koslow die Turbins auf die Bühne des St. Petersburger Studiotheaters Masterskaja. Verfilmt wurde der Stoff 1976 von Wladimir Bassow als Fernsehspielfilm, mit Andrei Mjagkow als Oberst Turbin.

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