1879
Woyzeck
Überblick↑
Das Werk Woyzeck ist ein unvollendetes Drama von Georg Büchner. Er begann mit der Niederschrift vermutlich zwischen Ende Juli und Anfang Oktober 1836. Als er im Februar 1837 jung starb, blieb das Stück ein Fragment. Es erzählt vom einfachen Soldaten Franz Woyzeck, den Armut, Demütigung und Eifersucht zermürben. Gedruckt erschien das Werk erstmals 1879, auf die Bühne kam es erst 1913. Heute zählt es zu den meistgespielten und einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur und hat viele Künstler zu eigenen Werken angeregt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Franz Woyzeck, ein einfacher Soldat, der seine Lebensgefährtin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind durchbringen will. Sein Sold ist karg. Deshalb verdient er nebenbei Geld, wo er nur kann. Er rasiert seinen Hauptmann und erledigt dessen Besorgungen. Außerdem lässt er sich von einem Arzt für Versuche auf eine Diät aus nichts als Erbsen setzen. Hauptmann und Arzt nutzen ihn aus und stellen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit bloß.
Marie fühlt sich von einem stattlichen Tambourmajor angezogen und lässt sich auf ihn ein. Woyzeck bemerkt Veränderungen an ihr und schöpft Verdacht. Je mehr sich seine Eifersucht bestätigt, desto tiefer gerät der ohnehin überforderte Mann in seelische Not. Wohin ihn diese Verzweiflung führt, entfaltet das Stück in einer Folge knapper, eindringlicher Szenen.
Die Handlung im Detail↑
Der dreißigjährige Soldat Franz Woyzeck lebt in ärmlichen Verhältnissen. Er muss für seine Geliebte Marie und das gemeinsame uneheliche Kind aufkommen, doch sein Sold reicht kaum. Um etwas hinzuzuverdienen, dient er seinem Hauptmann als persönlicher Diener und stellt sich einem Arzt für medizinische Versuche zur Verfügung. Der Arzt setzt ihn allein auf Erbsen. Unter dieser einseitigen Kost leidet Woyzeck bald an körperlichen und seelischen Beschwerden, hört Stimmen und wird von Wahnvorstellungen geplagt. Hauptmann und Arzt behandeln ihn von oben herab, machen sich über ihn lustig und demütigen ihn vor anderen.
Marie, von Woyzeck zunehmend vernachlässigt, lässt sich von einem stattlichen Tambourmajor umwerben. Sie nimmt seine Geschenke an und beginnt, zunächst widerstrebend, eine Affäre mit ihm. Zugleich erhofft sie sich einen gesellschaftlichen Aufstieg. Woyzeck schöpft Verdacht. Als er die beiden im Wirtshaus beim Tanz beobachtet, ist seine Eifersucht bestätigt.
Von nun an glaubt Woyzeck, innere Stimmen zu hören, die ihm befehlen, die untreue Marie zu töten. Sein Geld reicht nicht für eine Pistole, also besorgt er sich ein Messer. An einem Abend führt er Marie auf einem Spaziergang in den Wald hinaus und ersticht sie am Ufer eines Teiches. Da Büchner das Drama nicht vollenden konnte, ist keine verbindliche Reihenfolge der Szenen überliefert. Das Stück bricht ab, ohne ein festes Ende zu erreichen.
Stil↑
Das Stück besteht aus einer losen Folge vieler kurzer, in sich abgeschlossener Szenen. Sie sind nicht in Akte gegliedert und nicht nummeriert. Viele sind nur wenige Zeilen lang und stehen doch für sich. Gerade wegen dieser offenen Reihung gilt Woyzeck als Beispiel des offenen Dramas. In neuerer Zeit wird diese Einordnung allerdings zurückhaltender getroffen und eher mit dem unfertigen Zustand des Textes erklärt.
Im Mittelpunkt steht kein vornehmer Held, sondern ein armer Soldat. Das Leid eines kleinen, ausgebeuteten Mannes wird zum Stoff der Tragödie. Damit gehört das Werk zum Sozialdrama. Durch die Aneinanderreihung der knappen Szenen entsteht ein dichtes Bild von Armut, Demütigung und wachsender Verzweiflung.
Rezeption↑
Lange blieb das Werk dem Publikum verborgen. Büchners Bruder Ludwig nahm es nicht in die nachgelassenen Schriften von 1850 auf, weil die Handschrift stark verblasst und kaum noch zu entziffern war. Erst dem österreichischen Schriftsteller Karl Emil Franzos gelang es, das Manuskript mit chemischen Mitteln wieder lesbar zu machen. Er veröffentlichte das Fragment 1879 in einer stark überarbeiteten Fassung und las den Namen der Hauptfigur als „Wozzeck". Auf die Bühne kam das Stück sogar erst am 8. November 1913, im Residenztheater München.
Seither wurde Woyzeck in viele Sprachen übersetzt und immer wieder neu gedeutet. Die heute geläufige Lesart des Namens als „Woyzeck" setzte sich erst in den 1920er Jahren durch. Das Drama regte zahlreiche Künstler zu eigenen Werken an. Alban Berg schuf daraus seine Oper Wozzeck, Werner Herzog verfilmte den Stoff 1979. Heute gehört das Stück zu den meistgespielten und einflussreichsten Dramen der deutschen Literatur.
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