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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Dantons Tod
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Cover Dantons Tod
Dantons Tod
1835
– Werkseintrag –

Dantons Tod

1835 · Drama

In den letzten Tagen der Französischen Revolution prallen zwei Männer aufeinander: der lebensmüde Danton und der unbestechliche Robespierre – und nur einer kann die Guillotine überleben.

Überblick

Mit Dantons Tod schuf Georg Büchner ein Drama in vier Akten, das zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 1835 entstand. Es spielt während der Französischen Revolution und zeigt den Konflikt zweier Revolutionsführer: des lebensmüden Georges Danton und des unbestechlichen Maximilien Robespierre. Noch im selben Jahr erschien eine von Karl Gutzkow herausgegebene Fassung in dem Literaturblatt Phönix. Eine Buchausgabe trug den von Eduard Duller zur Beschwichtigung der Zensur erdachten Untertitel Dramatische Bilder aus Frankreichs Schreckensherrschaft und erschien im Verlag von Johann David Sauerländer. Es ist das einzige von Büchners Dramen, das noch zu seinen Lebzeiten gedruckt wurde – wenn auch in stark zensierter Form. Lange galt das Stück als unspielbar.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Paris der Französischen Revolution stehen sich drei Kräfte gegenüber: die Anhänger Dantons, die Anhänger Robespierres und das einfache Volk. Ihre Ziele sind unterschiedlich, oft sogar gegensätzlich. Georges Danton zählt zu den Gewinnern der Revolution. Er wird als dekadenter Lebemann gezeichnet, der seine Zeit beim Kartenspiel und in Bordellen verbringt. Politisch fordern seine Freunde ein Ende der Schreckensherrschaft und einen liberalen, toleranten Staat.

Ihm gegenüber steht Maximilien Robespierre, den das Volk „der Tugendhafte" und „der Unbestechliche" nennt. Er sieht die Not der Hungernden, doch seine Antwort darauf ist mehr Gewalt: Mit Hilfe der Guillotine will er einen tugendhaften Staat errichten. Zwischen den unvereinbaren Standpunkten bahnt sich ein Zusammenstoß an. Es geht um die Frage, wie viel Freiheit der Gleichheit geopfert werden darf – und umgekehrt.

Danton ist von Weltmüdigkeit und Fatalismus erfüllt. Er glaubt lange an seinen Einfluss und seine Beliebtheit und kann sich zu keinem Handeln aufraffen. Das Drama verfolgt, wie die Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern und ihren Lagern zugespitzt wird und wohin sie führt.

Die Handlung im Detail

Der erste Akt stellt die drei Lager vor. Schon die zweite Szene zeigt, wie utopisch die liberalen Forderungen der Dantonisten sind: Ein betrunkener Bürger beklagt verzweifelt, dass seine Tochter sich prostituieren muss, um die Familie zu ernähren. Das Volk leidet weiter Hunger, fern vom Genussleben der dekadenten Dantonisten. In diese Szene tritt Robespierre, dessen erste Rede einen beängstigenden Fanatismus offenbart. Nachdem Legendre vorlaut die Gegenrevolution im Konvent verkündet, hält Robespierre eine aufpeitschende Rede und gewinnt den Nationalkonvent für eine Verschärfung der Schreckensherrschaft. Danton willigt in ein Treffen mit Robespierre ein, das jedoch ergebnislos verläuft. Moralisch aus der Fassung gebracht und unter dem Druck Saint-Justs beschließt Robespierre daraufhin den Tod Dantons und seiner Anhänger – er überzeugt sich selbst davon, dass nur so die Revolution zu retten sei.

Im zweiten Akt drängen Dantons Verbündete ihn zum Handeln oder wenigstens zur Flucht. Doch er ist von Resignation und Geschichtsfatalismus zerfressen und will Frankreich nicht verlassen: „Nimmt man das Vaterland an den Schuhsohlen mit?" Zugleich glaubt er, der Konvent werde es nicht wagen, gegen ihn vorzugehen. Seiner Frau Julie vertraut er seine Gewissensbisse wegen der von ihm einst geduldeten Septembermorde an. Dann wird Danton verhaftet. Eine radikale Rede Saint-Justs reißt den Konvent mit und lässt ihn die Verhaftung billigen. Der Akt endet turbulent im Konvent: Die Verteidigung der Dantonisten wird abgewiesen, Robespierre und Saint-Just werden gefeiert, und die Abgeordneten stimmen gemeinsam die Marseillaise an. In einem Gespräch zwischen Camille Desmoulins und Danton lässt Büchner zudem seine eigene Kunstkritik anklingen.

Der dritte Akt beginnt im Kerker des Palais Luxembourg, wo die Gefangenen über Leben, Tod und Unsterblichkeit philosophieren. Danton wusste von seiner Verhaftung, schwieg aber gegenüber seinen Anhängern, weil ihn eine gewisse Todessehnsucht erfüllt. Fouquier und Herman beschließen, nur linientreue Geschworene einzusetzen. Vor dem Revolutionstribunal erinnert Danton geschickt an seine revolutionären Verdienste und gewinnt neue Sympathien. Seinen Anhängern wird dabei klar, dass ein früherer, leidenschaftlicherer Einsatz sie vor dem Gefängnis bewahrt hätte. Als Danton in einem letzten Appell für Wahrheit und Gerechtigkeit und gegen Robespierre plädiert, kippt die Stimmung zu seinen Gunsten, und die Sitzung wird kurzerhand aufgelöst. Doch durch die Denunziation eines Gefangenen wird Danton mit einem angeblichen Komplott in Verbindung gebracht. Das gibt Grund zur raschen Durchführung des Prozesses, ohne ihn weiter anzuhören. Ein korruptes Tribunal besiegelt das Schicksal der Dantonisten. Der Akt endet mit Hochrufen auf Robespierre und Forderungen nach Dantons Hinrichtung.

Im vierten Akt werden Danton und seine Anhänger zum Tode verurteilt. Danton und sein Freund Camille Desmoulins tauschen Gedanken über Leben und Tod aus. Dantons Frau Julie vergiftet sich in ihrem Haus, weil sie ihrem Mann Verbundenheit über den Tod hinaus versprochen hat; sie will ihn in den Tod begleiten. Das Volk ist schaulustig und spöttisch, als die Verurteilten zum Schafott geführt werden. Als Lucile Desmoulins von der Hinrichtung ihres Mannes hört, eilt sie zur Guillotine auf dem Revolutionsplatz. Dort fasst sie einen verzweifelten Entschluss: Um im Tode bei ihrem Mann zu bleiben, ruft sie „Es lebe der König!" und spricht damit ihr eigenes Todesurteil. Eine herannahende Patrouille der Bürgerwehr nimmt sie fest. Gerade in diesem Akt weicht Büchner am deutlichsten von seinen historischen Quellen ab; Anlehnungen an Shakespeare werden erkennbar.

Stil

Bezeichnend für Büchners Schreibweise ist sein Streben, die Welt in all ihrer Vielseitigkeit darzustellen – die schönen wie die unschönen Seiten. Diese Haltung wird im Stück selbst zum Thema: In einem Dialog zwischen Camille Desmoulins und Danton spottet er darüber, dass die Leute flache, künstliche Theaterstücke bewundern, während sie die Wirklichkeit in ihrer Vielschichtigkeit verachten. Entsprechend lässt Büchner seine Figuren in einer Sprache reden, die damals als sexuell zu anstößig und moralisch zu unanständig galt. Er verteidigte diese Sprache jedoch als realistisch. Auch baut er immer wieder Volksszenen ein, die den Hunger und die Wankelmütigkeit der Masse zeigen und einen scharfen Kontrast zum dekadenten Leben der Dantonisten bilden. In den philosophierenden Kerkerszenen treibt er die Gespräche absichtlich im Kreis, um die Absurdität gängiger Gottesbeweise bloßzulegen.

Rezeption

Lange Zeit galt Dantons Tod als unspielbar. Die Uraufführung fand deshalb erst am 5. Januar 1902 im Berliner Belle-Alliance-Theater statt, als Produktion des Vereins Neue Freie Volksbühne. Das Werk wirkte über die Bühne hinaus und wurde vielfach bearbeitet. Gottfried von Einem schuf eine Opernfassung, die 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde. Daneben entstanden zahlreiche Verfilmungen, Hörspiele und musikalische Bearbeitungen des Stoffs.

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