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Autoreneintrag · Georg Büchner
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Porträt Georg Büchner
Georg Büchner
1813 – 1837
– Autorenporträt –

Georg Büchner

1813 – 1837 · 23 Jahre

Mit 23 Jahren gestorben, hinterließ er Dantons Tod, Lenz und das Woyzeck-Fragment – Revolutionär und Vorbote der literarischen Moderne.

Kurzporträt

Georg Büchner gehört trotz seines schmalen Werkes zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des Vormärz. Er wurde 1813 in Goddelau geboren und starb 1837 mit nur 23 Jahren in Zürich. Er hinterließ ein Drama über die Französische Revolution, eine Erzählung über den Dichter Lenz, das Lustspiel Leonce und Lena und das Fragment Woyzeck. Daneben war er Mediziner, Naturwissenschaftler und Revolutionär. Er verfasste die Flugschrift Hessischer Landbote, die unter der Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" die Landbevölkerung zum Aufstand aufrief. Teile seines Werks zählen zur Exilliteratur.


Biografie

Karl Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau im Großherzogtum Hessen geboren. Er war das erste von acht Kindern des Arztes Karl Ernst Büchner und seiner Frau Louise Caroline, geborene Reuß. Laut der Deutschen Biographie stammte die Familie aus einem Geschlecht, das bis ins 16. Jahrhundert in Hessen nachweisbar ist. Viele seiner Mitglieder waren Bader und Wundärzte. 1816 zog die Familie nach Darmstadt, wo der Vater Stadtphysikus und Hospitalarzt wurde. Mehrere Geschwister Georgs traten später selbst hervor: der Bruder Wilhelm wurde Fabrikant und Politiker, Luise Schriftstellerin und Frauenrechtlerin, Ludwig Philosoph und Schriftsteller, Alexander Professor für Literaturgeschichte in Caen.

Von 1821 an besuchte Büchner in Darmstadt zunächst die Privatschule des Theologen Carl Weitershausen. Ab 1825 ging er auf das neuhumanistische Pädagogium, an dem er Latein, Griechisch, Französisch und später auch Italienisch lernte. Schon als Schüler hielt er 1830 eine Rede „zur Verteidigung des Kato von Utica". Dieser war ein Verfechter der römischen Republik, der aus Liebe zur Freiheit Selbstmord begangen hatte. Im Frühjahr 1831 verließ er die Schule mit einem Reifezeugnis, das ihm „gute Anlagen" und einen „klaren und durchdringenden Verstand" bescheinigte.

Am 9. November 1831 schrieb sich Büchner mit achtzehn Jahren an der Medizinischen Fakultät der Universität Straßburg ein. Dort studierte er bis 1833 vergleichende Anatomie. Er wohnte im Haus des evangelischen Pfarrers Johann Jakob Jaeglé und verlobte sich 1832 heimlich mit dessen Tochter Wilhelmine. In Straßburg erlebte er ein politisch offeneres Klima als in Darmstadt. Er trat zunehmend für politische Freiheiten ein und hielt im Mai 1832 vor der Studentenverbindung Eugenia einen Vortrag über die Verhältnisse in Deutschland. Die Straßburger Jahre nannte er später seine glücklichste Zeit.

Da nur zwei Jahre Studium im Ausland erlaubt waren, schrieb sich Büchner am 31. Oktober 1833 an der Universität Gießen ein. Hier erlebte er die Schikanen der Obrigkeit unmittelbar. Die Trennung von der Verlobten und die Lehre an der Gießener Universität bedrückten ihn. Mit ehemaligen Schulkameraden, Mitstudenten und Handwerkern gründete er die Gesellschaft für Menschenrechte, eine Geheimorganisation nach französischem Vorbild. Anfang 1834 kam er mit dem Butzbacher Rektor Friedrich Ludwig Weidig in Kontakt, mit dem es jedoch zu Streit kam: Weidig wollte taktische Bündnisse mit den Wohlhabenden, Büchner sah die Armut der Landbevölkerung als Grundproblem. Im Juli 1834 wurde der Hessische Landbote in der Druckerei Carl Prellers in Offenbach gedruckt. Büchner hatte diese Flugschrift in der Gießener Badenburg verfasst, und Weidig überarbeitete sie gegen seinen Willen. Sie rief unter der Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" zur Revolution auf und stützte sich auf Statistiken, die der Landbevölkerung ihre Steuerlast vor Augen führten. Im August wurde der Verschwörer Karl Minnigerode mit 150 Exemplaren gefasst. Am 4. August wurde Büchners Zimmer durchsucht, einen Tag später wurde er vernommen, aber nicht verhaftet.

1835 schrieb Büchner in fünf Wochen Dantons Tod und schickte das Manuskript an Karl Gutzkow. Nachdem er einer Vorladung des Friedberger Untersuchungsrichters nicht gefolgt war, floh er am 9. März steckbrieflich gesucht über Weißenburg nach Straßburg. Das Geld dazu kam von seiner Mutter, der Vater brach den Kontakt ab. Dantons Tod erschien Ende Juli 1835. Im selben Sommer übersetzte Büchner zwei Dramen Victor Hugos ins Deutsche: Lucretia Borgia und Maria Tudor. Im Herbst arbeitete er an der Erzählung Lenz, in der er die seelischen Leiden des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz darstellte. Im Winter 1835/36 wandte er sich wieder der Wissenschaft zu und vollendete seine Dissertation über das Nervensystem der Barbe. Auch das Lustspiel Leonce und Lena entstand in dieser Zeit, kam jedoch zu spät für den Wettbewerb der Cotta'schen Verlagsbuchhandlung.

Am 3. September 1836 wurde Büchner in Abwesenheit von der Universität Zürich zum Doktor der Philosophie promoviert. Am 18. Oktober zog er nach Zürich. Am 5. November hielt er seine Probevorlesung „Über die Schädelnerven" und wurde Privatdozent. Seinen Kurs „Zootomische Demonstrationen" besuchten nur wenige Studenten. An Woyzeck hatte er bereits in Straßburg begonnen. Das Werk blieb ein Fragment. Am 2. Februar 1837 erkrankte er schwer an Typhus, der damals in Zürich grassierte. Seine Wohnungsnachbarn Caroline und Wilhelm Schulz, deutsche Flüchtlinge, pflegten ihn und benachrichtigten Wilhelmine Jaeglé. Am 19. Februar 1837 starb Büchner in Zürich im Beisein seiner Braut und des Ehepaares Schulz. Mehrere hundert Personen, darunter beide Zürcher Bürgermeister, gaben ihm das letzte Geleit. Er wurde auf dem Friedhof „Krautgarten" beigesetzt. 1875 wurden seine Überreste auf den „Germaniahügel" beim Aussichtspunkt Rigiblick umgebettet, wo sein Grab noch heute liegt.


Literarische Merkmale

Büchners Schreiben ist von einer „sehr realistischen Gesinnung erfüllt". Diese übertrifft laut der Neuen Deutschen Biographie alle deutschen Bemühungen um Wirklichkeitsdarstellung im Drama vor dem Naturalismus. Ziel von Dantons Tod ist es, die Geschichte unmittelbar wiederzuspiegeln, „so wie sie wirklich gewesen, ohne Rücksicht auf Sittlichkeit oder Unsittlichkeit". Der Held Danton ist ein lebensvoller Mensch, der alle Lüste der Macht genossen hat. Vor dem revolutionären Fanatismus des selbstgerechten Robespierre beginnt er zu grauen. Schon im ersten Drama mischen sich politische Anklage und die schöpferische Überwindung der eigenen Revolutionsträume.

Das Lustspiel Leonce und Lena schlägt einen anderen Ton an. Es ist nach der NDB eine an Shakespeare erinnernde heitere Komödie romantischer Prägung mit geringerem politischen Einschlag, weder bürgerlich noch jungdeutsch in ihrer Haltung. Sie endet mit den Worten: „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht."

Das Fragment gebliebene Szenenstück Woyzeck gilt der NDB trotz seines bruchstückhaften Charakters als „voll stärkster dramatischer Schlagkraft". Es zeigt das Schicksal eines armen, dumpfen Menschen, dessen naiv-opferwilliges Ethos in einer elementaren Verwirrung der Gefühle untergeht. Die Szenen sind eng an die Wirklichkeit gebunden. Doch verdichtet sich aus ihnen eine magische Kraft des „panischen Grauens". So erkennt die NDB hier weniger einen verfrühten Naturalismus als ein Zeugnis einer „vorweggenommenen, Menschen und Dinge von innen erhellenden Überwirklichkeitskunst".

Das Novellenbruchstück Lenz wiederum verbindet starke sprachliche Verdichtung mit einer Steigerung des Tempos und einer Präzision der Einfühlung. Es ist von einem Maximum an Modernität erfüllt und wurde nach Jahrzehnten der Nichtbeachtung zu einem Vorbild ehrgeiziger Erzähler. Auch Büchners Selbstbild im sogenannten Fatalismus-Brief an die Verlobte gehört zu seinem Stil: Der Mensch sei nicht aktiver Gestalter der Geschichte, sondern werde von ihr zum „Schaum auf der Welle".


Rezeption

Der Nachruhm Büchners wurde laut der Neuen Deutschen Biographie stark durch politische Vereinnahmungen geprägt. Konservative Betrachter hätten sein Werk lange eher unterschätzt oder verschwiegen. Linksradikale Kritiker hätten es als frühe sozialistische Kampfdichtung gepriesen, ohne ästhetische Kritik zu üben. Beide Sichtweisen übersähen laut NDB, dass sich Büchners kurzes Leben zu einer Ganzheit gerundet habe. Diese schloss zwar revolutionären Elan ein, aber auch dessen schöpferische Überwindung. Briefstellen und Zeugnisse aus seinen letzten Lebensmonaten lassen die NDB sogar vermuten, dass er sich am Ende einem eher konservativen Weltbild zugewandt habe.

Die Bühnenwirkung seiner Stücke setzte spät ein. Dantons Tod wurde erst 1902 im Berliner Belle-Alliance-Theater uraufgeführt, Leonce und Lena 1885 durch eine Liebhabertruppe in München, Woyzeck 1913 im Residenztheater zu München. Den Erstdruck des Woyzeck besorgte 1879 Karl Emil Franzos in der Ausgabe Sämtliche Werke und handschriftlicher Nachlaß. Eine maßgebende wissenschaftliche Ausgabe legte Fritz Bergemann 1922 vor.

Besonders nachhaltig wirkte Büchner auf den Expressionismus und die Generationen nach ihm. Die NDB hebt hervor, dass die jungen Erzähler seit dem Anbruch des Expressionismus Lenz als „eifersüchtig umworbenes Vorbild" entdeckten. Ein Drama über Pietro Aretino galt als Meisterleistung. Büchners Braut Wilhelmine Jaeglé vernichtete es viele Jahre nach seinem Tod aus Abneigung gegen die Familie Büchner. Zu den Stimmen, die seine Bedeutung in der Forschung gewichtet haben, gehören laut NDB unter anderem Karl Viëtor, der Büchner als Politiker und Dichter untersuchte, sowie Hans Mayer und Georg Lukács. Lukács wandte sich gegen die faschistische Vereinnahmung und versuchte, das Bild des „wirklichen Büchner" zurückzugewinnen.

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