Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Ludwig Börne
Eingang · Autoren · Ludwig Börne
Porträt Ludwig Börne
Ludwig Börne
1786 – 1837
– Autorenporträt –

Ludwig Börne

1786 – 1837 · 50 Jahre

Wegbereiter der literarischen Kritik und des Feuilletons in Deutschland, der seine Feder ganz in den Dienst der Freiheit stellte.

Kurzporträt

Ludwig Börne (1786–1837) steht für eine neue, pointiert-witzige Art der Kritik. Er wurde im jüdischen Ghetto von Frankfurt am Main als Juda Löb Baruch geboren und arbeitete sich über ein abgebrochenes Medizinstudium und ein juristisches Studium zum Publizisten und Journalisten empor. Bekannt wurde er als Herausgeber der Zeitschrift Die Wage und vor allem durch seine Briefe aus Paris, in denen er aus der französischen Julirevolution die Notwendigkeit einer Revolution in Deutschland ableitete. Zeitweise mit Jean Paul verglichen, gilt er als Wegbereiter der literarischen Kritik in Deutschland. Die Freiheit war das Grundthema seines Schreibens und seines politischen Kampfes.


Biografie

Geboren wurde Ludwig Börne am 6. Mai 1786 im jüdischen Ghetto von Frankfurt am Main, wo er unter drückenden Rechtsbeschränkungen und zunächst streng orthodox erzogen aufwuchs. Sein ursprünglicher Name war Juda Löb Baruch. Sein Vater Jakob Baruch war als Händler tätig und vertrat die Stadt Frankfurt auf dem Wiener Kongress; die Familie mütterlicherseits entstammte einer bekannten Frankfurter Hoffaktorenfamilie. Zunächst unterrichteten ihn Hauslehrer, ehe er 1800 in ein Internat eintrat, um sich auf das vom Vater gewünschte Medizinstudium vorzubereiten.

Im November 1802 ging er nach Berlin, um Medizin zu studieren. Untergebracht war er bei dem Arzt und Philosophen Marcus Herz, zu dessen Frau Henriette Herz er eine impulsive, an den Werther-Typus erinnernde Neigung entwickelte. Nach dem Tod ihres Mannes gestand er ihr seine Gefühle, wurde jedoch zurückgewiesen. Sie vermittelte ihn im Sommer 1803 zur Fortsetzung des Studiums nach Halle. Dort wie schon in Berlin stellte man mangelnde Studierfähigkeit fest. Erst 1804 immatrikulierte er sich für Medizin und hörte daneben philosophische Seminare, unter anderem bei Friedrich Schleiermacher. 1806 musste er den Studienort wechseln, weil Napoleon die Schließung der Universität Halle angeordnet hatte.

Eine schwere Auseinandersetzung mit dem Vater wegen Schulden führte 1807 zu einem Zivilprozess, der sich bis 1813 hinzog. Börne wechselte nach Heidelberg und dort von der Medizin zu den erst kurz zuvor für Juden zugelassenen Rechtswissenschaften, mit Schwerpunkt auf den Kameralwissenschaften. Als er auch hier Schulden machte, musste er erneut die Universität wechseln. 1808 schrieb er sich in Gießen ein, wo ihn sein früherer Internatslehrer förderte. Schon nach drei Monaten wurde er dort zum Dr. phil. promoviert – er war einer der ersten Juden, denen an einer deutschen Universität die Promotion ermöglicht wurde. Im selben Jahr wurde er in Frankfurt als Freimaurer aufgenommen.

Durch Vermittlung seines Vaters wurde Börne 1811 Polizeiaktuar in Frankfurt am Main. Diese Anstellung verdankte er der napoleonischen Politik, die den Frankfurter Juden die bürgerliche Gleichberechtigung eröffnet hatte. Nach dem Ende dieser Bestimmungen wurde er 1815 wegen seines Judentums entlassen, erstritt jedoch vor Gericht eine lebenslange Pension. 1818 ließ er sich evangelisch taufen und änderte seinen Namen zu Ludwig Börne, mit der Begründung, sein bisheriger Name könne ihm bei seiner Herausgebertätigkeit schaden.

Gemeinsam mit Heinrich Heine, mit dem er zunächst befreundet war, gehörte Börne zu den ersten Vertretern des kurz zuvor in Frankreich entwickelten Feuilletons im deutschen Sprachraum. Von 1818 an erregte er größeres Aufsehen als Herausgeber der liberal gesinnten Zeitschrift Die Wage. Weitere Blätter waren die Zeitung der freien Stadt Frankfurt und die Zeitschwingen. Seine kritische Arbeit litt stark unter der Zensur; eine politische Denunziation trug ihm zeitweise sogar eine kurze Haft ein. 1825 erschien seine Denkrede auf Jean Paul. 1828/29 gab er in Hamburg die Gesammelten Schriften heraus. Versuche Metternichs, den begabten und erfolgreichen oppositionellen Publizisten für Wien zu gewinnen, scheiterten an seiner Überzeugungstreue.

Als Publizist unternahm er zahlreiche Reisen und ließ sich 1830 in Paris nieder, weil er dort durch die Julirevolution einen gesellschaftlichen Aufbruch erhoffte. Er wurde gemeinhin zur Bewegung des Jungen Deutschland gezählt. Seine 1830 bis 1833 entstandenen Briefe aus Paris, verfasst in der Korrespondenz mit seiner langjährigen Freundin Jeanette Wohl, leiteten aus der Pariser Revolution die Notwendigkeit einer Revolution in Deutschland ab. Diese rasche Folge von Briefen machte ihn zum gefeierten wie gefürchteten Sprecher des deutschen revolutionären Liberalismus. 1832 nahm er als Ehrengast am Hambacher Fest teil. Kritische Schriften richtete er unter anderem gegen Johann Wolfgang Goethe, gegen Wolfgang Menzel und gegen Heinrich Heine; seine Streitschrift Menzel, der Franzosenfresser erschien im Jahr seines Todes. Ludwig Börne starb am 12. Februar 1837 in Paris an einer langjährigen Tuberkuloseerkrankung und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise bestattet.


Literarische Merkmale

Kennzeichnend für Börnes Schreiben ist eine pointiert-witzige, anschauliche Sprache. Laut der Neuen Deutschen Biographie gilt er als ein Begründer des deutschen journalistischen Stils: betont subjektiv, voll Witz und Schlagkraft, epigrammatisch und beweglich in seinen zupackenden Formulierungen. Diese Beweglichkeit verband er mit vorbehaltlosem ideellem Enthusiasmus und mit gefühlvollen Steigerungen, die sich bis zum Pathetischen und Rhetorischen erheben konnten.

Im Mittelpunkt seiner Feuilletons stand nicht die nachrichtliche Berichterstattung, sondern die Kommentierung, Einordnung und Bewertung von Büchern und kulturellen Werken anderer. Eigene Erfahrungen, die er in mehreren Aufsätzen zum Judentum verarbeitete, verbanden sich mit Ideen der Aufklärung, mit nationalem Humanitätsdenken und mit den liberalen Strömungen seiner Zeit. Daraus entstand ein rücksichtsloser Kampf für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde, in dem sich klassischer Humanismus mit der politischen Abwehr der nach-napoleonischen Restauration verband. Seine Haltung fasste er selbst in dem Satz: „Freiheit sei die Seele meiner Feder, bis sie stumpf geworden ist oder meine Hand gelähmt.“ Wegen dieser Schreibweise wurde er zuweilen mit Jean Paul verglichen.


Rezeption

Bekannt machte Börne zunächst die Zeitschrift Die Wage, die seinen Namen breit verbreitete. Mit den Briefen aus Paris wurde er dann zum ebenso enthusiastisch gefeierten wie gefürchteten und verhassten Sprecher des deutschen revolutionären Liberalismus. Bis zuletzt galt er als Repräsentant der politischen deutschen Opposition gegen die Restauration. Seine scharfe Polemik gegen Heinrich Heine und Wolfgang Menzel focht er noch in seinen letzten Pariser Jahren aus; Heine setzte sich seinerseits in der Schrift Über Ludwig Börne mit ihm auseinander.

Sein Nachwirken ist bis heute an vielen Orten sichtbar. Deutsche Emigranten gründeten 1849 ihm zu Ehren den Ort Börne in Texas. 1885 wurde der Frankfurter Judenmarkt in Börneplatz umbenannt. Seit 1993 wird in der Frankfurter Paulskirche jährlich der Ludwig-Börne-Preis an deutschsprachige politische Publizisten verliehen. An seiner früheren Universität Gießen wurde 2015 die Ludwig-Börne-Professur eingerichtet. Auch die Literaturwissenschaft hat sich immer wieder mit ihm befasst: Marcel Reich-Ranicki gab eine Auswahl seiner Aufsätze heraus und würdigte ihn als „toleranten Fanatiker“.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten