1906
Wolfsblut
Überblick↑
Der Roman Wolfsblut erschien 1906 und stammt von dem US-amerikanischen Schriftsteller Jack London. Die Handlung spielt um 1900 im Norden Amerikas und in Kalifornien. In einigen deutschen Übersetzungen trägt das Buch auch den Titel Weißzahn. London greift darin ein Thema seines Buches Ruf der Wildnis auf und kehrt es um: Erzählt London dort, wie ein Haushund zum wilden Tier wird, so schildert Wolfsblut den umgekehrten Weg. Hier wandelt sich ein Wildtier allmählich in ein zahmes, an den Menschen gewöhntes Wesen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
In der eisigen Wildnis des hohen Nordens beginnt die Geschichte mit einer bedrohlichen Szene: Während einer Hungersnot verfolgt ein Rudel Wölfe Menschen mit ihren Schlittenhunden. Aus dieser Welt stammt Wolfsblut. Seine Mutter Kiche ist nur zur Hälfte Wolf, sein Vater ein reinrassiger Wolf. Das Buch begleitet das Tier von seinen ersten Lebensmonaten an und zeigt, wie es zwischen der freien Wildnis und der Welt der Menschen aufwächst.
Wolfsblut gerät früh in ein Indianerlager und erweist sich dort als kräftiger, streitbarer Schlittenhund. Doch sein Weg führt ihn durch harte Stationen und in immer neue Hände. Zwischen Zähmung und wildem Erbe muss er sich behaupten und seinen Platz finden. Jack London erzählt diesen Weg als Abenteuergeschichte, ganz aus der Nähe des Tieres, und lässt offen, wohin er das Geschöpf am Ende führt.
Die Handlung im Detail↑
Zu Beginn steht eine dramatische Begegnung zwischen hungrigen Wölfen und Menschen mit Schlittenhunden. Es herrscht eine schwere Hungersnot, und das Wolfsrudel verfolgt die Männer und ihre Hunde, um an Nahrung zu kommen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Kiche, Wolfsbluts Mutter, die nur zur Hälfte ein Wolf ist. In dieser Zeit trifft sie Wolfsbluts Vater, einen reinrassigen Wolf.
Der nächste Teil erzählt Wolfsbluts erste Lebensmonate. Mit seiner Mutter kommt er in ein Indianerlager und verbringt dort seine Jugend. Bald wird er von der Mutter getrennt und gerät oft in Streit mit den anderen Hunden der Indianer. Für sie erweist er sich als besonders guter Schlittenhund. Später setzen sie ihn als Leithund ein. Weil er eine besondere Behandlung erhält, wird er von den anderen Hunden gehasst, und nach jedem Abnehmen des Zuggeschirrs muss er ihnen täglich seine Kraft beweisen.
Dann wird Wolfsblut für ein paar Flaschen Whiskey an einen grausamen Mann verkauft, der Hundekämpfe abhält. Wolfsblut kämpft gegen andere Hunde und gegen ein frisch gefangenes Luchsweibchen. Sein letzter Kampf gegen eine Bulldogge endet für ihn beinahe tödlich. In diesem Augenblick rettet ihn Weedon Scott. Scott stammt aus San Francisco in Kalifornien, ist Minenexperte und steht mit der Obrigkeit in freundschaftlichem Verhältnis. Weil niemand eingreift, kann er Wolfsblut retten und kauft den Hund für 150 Dollar. Scott pflegt das geschundene Tier gesund, das ihm nach und nach vertraut. Schließlich sieht Wolfsblut in Scott seinen neuen Herrn und erlebt mit ihm viele Abenteuer.
Nach langen Überlegungen nimmt Scott ihn mit nach Kalifornien. Dort muss sich Wolfsblut an das Leben in der Zivilisation gewöhnen. Das fällt ihm nicht leicht, doch es gelingt ihm. Scotts Familie und die Familienhündin Collie sind anfangs wenig begeistert, dass er einen Wolf aus dem Norden mitbringt. Das ändert sich erst langsam, vor allem als Wolfsblut seinen Herrn nach einem Reitunfall rettet. Noch enger schließt die Familie ihn ins Herz, als er sie vor einem entflohenen Sträfling schützt. Diesen hatte Scotts Vater, ein früherer Richter, in seinem letzten Amtsjahr verurteilt. Bei dieser Tat kommt Wolfsblut fast um, wird aber von der Familie gesund gepflegt. Am Ende spielt er mit seinen Jungen, die er gemeinsam mit der Hündin Collie hat.
Stil↑
Erzählt wird die Geschichte als Abenteuerroman, der ganz nah an seinem tierischen Helden bleibt. London schildert das Geschehen weitgehend aus der Wahrnehmung des Wolfshundes und lässt den Leser dessen Welt aus Gerüchen, Hunger, Angst und Kampf miterleben. Das Buch folgt dem Lebenslauf des Tieres in klar voneinander abgesetzten Abschnitten, von der Geburt in der Wildnis über die Jahre im Indianerlager bis zum Leben in Kalifornien.
Gleich der Anfang setzt mit einer harten, dramatischen Szene ein, die den Ton vorgibt: die eisige Landschaft des Nordens, die Hungersnot, die ständige Nähe des Todes. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass die Umgebung das Wesen formt. Wie hart oder zahm Wolfsblut wird, hängt davon ab, welchen Menschen und welchen Verhältnissen er ausgeliefert ist. Diese Idee prägt den ganzen Aufbau des Romans.
Rezeption↑
Schon durch seine Anlage steht Wolfsblut in enger Verbindung zu Londons bekanntem Buch Ruf der Wildnis. Beide Werke behandeln das Verhältnis von Wildheit und Zähmung, doch Wolfsblut dreht die Blickrichtung um und erzählt den Weg vom Wildtier zum zahmen Gefährten. Ins Deutsche kam der Roman 1912. Marie Laue übersetzte ihn, erschienen ist er bei Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg im Breisgau.
Wie sehr der Stoff nachgewirkt hat, zeigt die lange Reihe von Verfilmungen. Schon früh wurde der Roman auf die Leinwand gebracht, später folgten unter anderem eine russische und eine italienische Fassung sowie 1991 ein Film der Walt Disney Company. Bis in die jüngere Zeit reichen weitere Bearbeitungen für Kino und Fernsehen, darunter ein Zeichentrickfilm. Diese wiederholten Adaptionen über mehrere Jahrzehnte hinweg belegen, dass die Geschichte des Wolfshundes ihre Anziehungskraft bis heute behalten hat.
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