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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Jack London
Jack London
1876 – 1916
– Autorenporträt –

Jack London

1876 – 1916 · 40 Jahre

Erzähler vom Goldrausch am Yukon und vom harten Überleben in der Wildnis – zu Lebzeiten einer der erfolgreichsten und meistübersetzten Autoren der Welt.

Kurzporträt

Aus eigener Erfahrung schöpfte Jack London den Stoff für seine Abenteuergeschichten. Sie machten ihn weltweit bekannt. Geboren wurde er 1876 in San Francisco. Aus ärmlichen Verhältnissen arbeitete er sich über Gelegenheitsarbeiten, Seefahrt und den Goldrausch am Klondike zum gefeierten Schriftsteller empor. Berühmt wurde er vor allem durch die Romane Ruf der Wildnis, Wolfsblut und Der Seewolf sowie durch den autobiografisch gefärbten Entwicklungsroman Martin Eden. Als Journalist und Fotograf hielt er zugleich Krisen und das Leben der unteren Schichten fest. Er bekannte sich offen zum Sozialismus. Zu seinen Lebzeiten zählte London zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Biografie

Jack London wurde am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren. Er war das nichteheliche Kind der aus gutbürgerlichem Hause stammenden Flora Wellman und des unstet lebenden Wanderpredigers und Astrologen William Henry Chaney. Chaney nannte sich selbst „Professor". Später bestritt er gegenüber dem erwachsenen London seine Vaterschaft. Die meisten Biografen gehen heute zwar von ihr aus, eindeutig belegbar ist sie nach Quellenlage jedoch nicht. Im September 1876 heiratete Flora Wellman den Kriegsveteranen und Zimmermann John London. Dieser erkannte den Jungen als Sohn an und gab ihm seinen Nachnamen. Die Familie lebte meist in ärmlichen Verhältnissen und zog mehrfach um, denn John Londons Versuche als Farmer scheiterten. Eine prägende Bezugsperson seiner Kindheit wurde die ehemalige Sklavin Virginia Prentiss. Sie war so etwas wie seine Ziehmutter.

Schon als Kind musste London zum Familieneinkommen beitragen, unter anderem als Zeitungsjunge und als Arbeiter in einer Konservenfabrik. Mit dreizehn Jahren verließ er die High School. Trost und Bildung fand er in Romanen aus öffentlichen Bibliotheken. Die Bibliothekarin und Schriftstellerin Ina Coolbrith beriet ihn bei der Lektüre und ermutigte ihn beim Selbststudium. In einem Brief von 1901 nannte er sie eine der wichtigsten geistigen Bezugspersonen jener Jahre. Um die Familie zu ernähren, arbeitete er zeitweise zwölf bis achtzehn Stunden täglich für zehn Cent Stundenlohn. Mit geliehenem Geld kaufte er sich ein Boot und wurde der jüngste Austernpirat in der Bucht von San Francisco. Später schloss er sich der Fischereipolizei an. Er fuhr als Robbenjäger zur See. Nach der Rückkehr schrieb er seinen ersten Text Typhoon off the Coast of Japan und gewann damit 1893 einen Zeitungspreis. 1894 schloss er sich einem Protestzug Arbeitsloser an, wurde als Landstreicher verhaftet und schlug sich als Wanderarbeiter durch. 1896/97 studierte er ein Semester an der Universität von Berkeley. Das Studium brach er aber ab, um die Familie zu unterstützen; einen Hochschulabschluss erlangte er nie. In dieser Zeit las er Karl Marx, Charles Darwin und Herbert Spencer, und sein politisches Bewusstsein erwachte.

1897 erfasste ihn das Goldfieber. Er segelte als einer der ersten Goldsucher zum Klondike, überwand den steilen Chilkoot Pass und legte über 600 Kilometer auf dem Yukon River zurück. Den Winter verbrachte er in einer Hütte, wo er Darwins Hauptwerk las. Er erkrankte an Skorbut und musste das Vorhaben abbrechen. Mittellos kehrte er nach Kalifornien zurück. Nach rund hundert Absagen veröffentlichte er seinen ersten Band Kurzgeschichten. Dieser schilderte die extremen Bedingungen des arktischen Winters und hatte großen Erfolg. Zu den frühen Erzählungen zählt Das weiße Schweigen von 1899. 1900 gelang ihm mit Eine Odyssee des Nordens der Durchbruch. Fortan machte er es sich zur Regel, jeden Tag tausend Wörter zu schreiben.

Im Sommer 1902 lebte London als verdeckter Reporter monatelang im Londoner Eastend. Das Elend schilderte er in Menschen am Abgrund. Dieses Buch bezeichnete er als sein Lieblingsbuch und illustrierte es mit eigenen Fotografien. Einen seiner größten Erfolge brachte ihm 1903 der Roman Ruf der Wildnis. 1904 reiste er für den Pressetycoon William Hearst als Kriegsberichterstatter nach Korea, um über den Russisch-Japanischen Krieg zu berichten. Bis zu den Kampfgebieten drang er aber nie vor. Erst die Vermittlung Präsident Theodore Roosevelts bewahrte ihn nach einer Verhaftung vor einem Kriegsgericht. Vom Ertrag seines Schreibens ließ er sich die Yacht Snark bauen. 1907 brach er mit seiner zweiten Frau Charmian zu einer als Weltreise geplanten Fahrt durch die Südsee auf. Sie führte nach Hawaii, zu den Marquesas-Inseln, nach Tahiti, Samoa und Melanesien. Auf Molokaʻi besuchte er die an Lepra Erkrankten. Aus den Eindrücken entstand die Erzählung Koolau – der Aussätzige. Eine anhaltende Erkrankung zwang ihn schließlich zum Abbruch. Nach 27 Monaten kehrte er 1909 nach San Francisco zurück.

Im selben Jahr erschien der biografische Roman Martin Eden. London zog sich auf eine Farm in Sonoma County zurück. Er nannte sie Beauty Ranch und betrachtete sie als sein eigentliches Lebenswerk. Das Schreiben galt ihm nur als Brotberuf zur Aufrechterhaltung der Ranch. Dort betrieb er als früher Anhänger der Ökologie einen schonenden Anbau. Das Wolfshaus, ein großes Anwesen, brannte 1913 kurz vor dem Einzug ab. Dieses Jahr 1913 war für London katastrophal: Frost vernichtete die Ernte, ihm wurde der Blinddarm entfernt, und seine Nieren waren durch Alkoholexzesse geschädigt. In dem autobiografischen Roman John Barleycorn (deutsch König Alkohol) verarbeitete er seine Alkoholkrankheit.

Jack London war zweimal verheiratet. Die erste Ehe mit Elizabeth „Bess" Maddern (1900–1904) brachte zwei Töchter hervor, blieb aber unglücklich. 1905 heiratete er Charmian Kittredge. Diese zweite Ehe galt als sehr glücklich und dauerte bis zu seinem Tod. London starb am 22. November 1916 im Alter von vierzig Jahren auf seiner Farm in Glen Ellen. Lange galt Selbsttötung als Ursache, doch das ist heute umstritten. Vieles spricht für eine Harnvergiftung infolge seines Nierenleidens. Die Ursache seines frühen Todes ist letztlich ungeklärt.


Literarische Merkmale

Unmittelbarkeit prägt Londons Erzählen. Seine populären Geschichten galten als direkt, zugänglich und kraftvoll und trafen den Nerv der Zeit. Den Stoff bezogen sie aus den Räumen, die er selbst kannte: dem arktischen Norden zur Zeit des Goldrausches, Kalifornien und der Seefahrt im Pazifik. Vieles ist persönlich erlebt: die extreme Kälte des arktischen Winters, das Leben einfacher Menschen, die Härte der Wildnis. Seine Tiergeschichten und seine Erzählungen vom harten Überleben machten ihn zum Bestsellerautor.

Wiederkehrend ist bei ihm das Thema der Kameradschaft, die in der Wildnis zum Überleben nötig ist. Die Hauptfiguren bemühen sich oft, anderen beim Überleben zu helfen. In der frühen Erzählung Das weiße Schweigen steht die titelgebende Metapher für die von Schnee und Eis geprägte, gefühllose Landschaft des Yukon: eine leere, schweigende Natur, die nur durch die Verbindung zu anderen Menschen überwunden werden kann. Diszipliniert hielt London an einem festen Pensum von tausend Wörtern pro Tag fest, von dem er nie mehr abwich. Auch sein politisches Bewusstsein schlug sich nieder, etwa in den Essays, in denen er sich zu den unteren Schichten und zum Sozialismus bekannte. In seinen späteren Jahren, vor allem während eines längeren Aufenthalts auf Hawaii 1915, entstanden nach einer Phase mittelmäßiger Veröffentlichungen wieder Kurzgeschichten in poetischem Schreibstil. Sie zählen zu seinen besten.


Rezeption

International erfolgreich war Londons Werk schon zu seinen Lebzeiten. Er zählte damals zu den erfolgreichsten Autoren der Welt, und seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Vor allem die Abenteuerromane Ruf der Wildnis, Wolfsblut und Der Seewolf sowie der Entwicklungsroman Martin Eden begründeten seinen Ruf. Sie wurden später mehrfach verfilmt.

Schon zu Lebzeiten suchte London selbst das Filmgeschäft. Mit der Firma Bosworth Inc. entstanden Stummfilme nach seinen berühmten Erzählungen, denn er sah im Film eine Möglichkeit, seinen Namen als Buchautor zu einer Marke auszubauen. Diese Filme erzielten allerdings keine hohen Einnahmen, und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs behinderte ihren Vertrieb. Auch seine fotografische Arbeit wirkt nach. Die Hunderte Aufnahmen, die er auf seiner Südseereise von Menschen machte, erhielten zu Beginn des 20. Jahrhunderts große ethnologische Bedeutung. Seine Beauty Ranch in Sonoma County ist bis heute als Museum im Originalzustand erhalten.

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