1807 – 1882
Henry Wadsworth Longfellow
Kurzbiografie↑
Zu den populärsten Dichtern des Amerikas im 19. Jahrhundert zählte Henry Wadsworth Longfellow. Er wurde 1807 in Portland im heutigen Maine geboren und starb 1882 in Cambridge, Massachusetts. Als Lyriker, Übersetzer und Hochschullehrer wandte er sich früh typisch amerikanischen Stoffen zu und wurde zugleich tief von der deutschen Romantik und von Goethe geprägt. Bleibende Bekanntheit erlangten seine epischen Gedichte Evangeline und The Song of Hiawatha. Seine eingängigen Verse machten ihn zu einem Volksdichter, dessen Gedichte Generationen amerikanischer Schüler auswendig lernten.
Biografie↑
Aus einer alten Puritanerfamilie Neuenglands stammte Longfellows Mutter. Sein Großvater Peleg Wadsworth war General im Unabhängigkeitskrieg und später Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus, ebenso wie sein Vater Stephen Longfellow. Der 1807 im heutigen Maine geborene Longfellow wuchs wohlbehütet auf. Er studierte am Bowdoin College in Brunswick, wo er mit Nathaniel Hawthorne Freundschaft schloss.
Zwischen 1825 und 1829 sowie erneut von 1831 bis 1835 bereiste Longfellow Europa. Er lernte unter anderem Deutsch, Niederländisch, Schwedisch und Finnisch und las viel. In diesen Jahren wurde er tief von der deutschen Romantik und von Goethe beeinflusst. Nach seiner Rückkehr lehrte er an der Harvard University.
Longfellows erste Frau, Mary Storer Potter, starb 1835 nach nur vierjähriger Ehe. 1843 heiratete er in zweiter Ehe Frances Elizabeth „Fanny“ Appleton, eine Tochter von Nathan Appleton. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor: Charles Appleton, Ernest Wadsworth, Fanny, Alice Mary, Edith und Anne Allegra. 1844 wurde Longfellow in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Als einer der ersten wandte sich Longfellow typisch amerikanischen Themen zu: dem Patriotismus, der Liebe zu Landschaft, Natur und Traditionen seiner Heimat. Er schrieb zahlreiche Dramen und einige Romane, die jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Von bleibender Bedeutung wurden die epischen Gedichte Evangeline (1847) und The Song of Hiawatha (1855). Letzteres gestaltete er nach dem Vorbild des finnischen Nationalepos Kalevala. Es schildert das Leben des Ojibwa-Häuptlings Hiawatha und endet mit dessen Empfehlung an sein Volk, sich dem ‚weißen Mann' zu beugen.
Longfellows Werk fand auch in der Musik Widerhall. Antonín Dvořák ließ sich von The Song of Hiawatha zum zweiten Satz seiner 9. Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ anregen. Franz Liszt verarbeitete eingedeutschte Verse aus The Golden Legend (1851) in der Kantate Die Glocken des Straßburger Münsters (1874), die er Longfellow widmete. Von 1837 bis zu seinem Tod wohnte Longfellow in einem traditionsreichen Haus in Cambridge, das im Unabhängigkeitskrieg George Washington als Hauptquartier gedient hatte. Dort schuf er die maßgeblichen Teile seines Werkes. Longfellow starb 1882 in Cambridge.
Literarische Merkmale↑
Ein Volksdichter war Longfellow im besten Sinne. Seine Reime waren eingängig, und gerade diese Zugänglichkeit machte seine Gedichte über Generationen hin populär. Als einer der ersten beschäftigte er sich mit typisch amerikanischen Themen: mit dem Patriotismus, mit der Liebe zu Landschaft und Natur und mit den Traditionen seiner Heimat. Zugleich schöpfte er aus europäischen Vorbildern, war tief von der deutschen Romantik und von Goethe geprägt und griff für The Song of Hiawatha die Form des finnischen Nationalepos Kalevala auf. Sein umfangreiches Schaffen reichte vom epischen Gedicht über Dramen und Romane bis zu Übersetzungen, darunter seine Übertragung von Dantes Göttlicher Komödie.
Rezeption↑
Nach 1900 verlor Longfellow seinen festen Platz im Kanon der amerikanischen Literatur. Sein Werk galt als allzu konventionell und damit zu europäisch. Vor allem die Urteile George Santayanas und Vernon Louis Parringtons führten dazu, dass er aus dem Kanon gestrichen wurde. Trotzdem blieb er im Gedächtnis vieler Amerikaner lebendig. Sein Gedicht Paul Revere's Ride, das eine Episode aus dem Unabhängigkeitskrieg verherrlicht, lernten bis vor nicht allzu langer Zeit viele Schüler auswendig. Das Lied I Heard the Bells on Christmas Day, das auf seinem Gedicht Christmas Bells beruht, gilt bis heute als beliebtes Weihnachtslied.
Auch im öffentlichen Gedenken hielt sich sein Andenken. Longfellows Büste steht in der Poet's Corner der Westminster Abbey in London. In seiner Heimatstadt Portland wurde 1888 ein Denkmal eingeweiht. 1959 benannte man eine Gebirgskette in Maine nach ihm, die Longfellow Mountains, und auch eine Brücke trägt seinen Namen. Sein Wohnhaus in Cambridge blieb lange in Familienbesitz und wurde 1966 als Longfellow House–Washington's Headquarters National Historic Site ausgewiesen. Seit 1972 gehört es der Bundesregierung und dient als nationale Gedenkstätte für Leben und Werk des Dichters. Eine Briefmarke des United States Postal Service von 2007 zeigt sein Porträt.
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