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Werkseintrag · Das Lied von Hiawatha
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Das Lied von Hiawatha
1855
– Werkseintrag –

Das Lied von Hiawatha

1855 · Epik

Ein Versepos aus dem Jahr 1855, das den Lebensweg des Indianers Hiawatha erzählt und dabei zahlreiche indianische Legenden zu einem großen Sagenkreis verwebt.

Überblick↑

Das Versepos Das Lied von Hiawatha von Henry Wadsworth Longfellow (1807–1882) erschien 1855 unter dem Originaltitel The Song of Hiawatha. Es ist ein langes Gedicht, das vom Leben des Indianers Hiawatha erzählt. Dieser soll im 16. Jahrhundert gelebt haben, historisch eindeutig nachweisbar ist er jedoch nicht. Longfellow verarbeitete darin zahlreiche indianische Legenden zu einem großen Erzählbogen.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Auf eine Einleitung folgen zweiundzwanzig Abschnitte, die dem Leben Hiawathas von der Kindheit an nachgehen. Der Held wächst heran, und die Erzählung begleitet ihn durch die Stationen seines Daseins bis zu seiner Hochzeit mit Minnehaha. In den Gang der Handlung sind weitere Legenden der Indianer eingeflochten, sodass neben dem Lebensweg der Hauptfigur ein ganzer Sagenkreis Raum bekommt.

Die Handlung im Detail↑

Nach einer Einleitung schildern zweiundzwanzig Abschnitte das Leben Hiawathas in seiner ganzen Länge. Der Bogen beginnt bei seiner Kindheit und führt über die Hochzeit mit Minnehaha bis zu seinem Tod. Longfellow beließ es nicht bei dieser Lebensgeschichte, sondern flocht weitere Legenden der Indianer in den Text ein. So entsteht neben dem Weg der Hauptfigur ein Erzählgeflecht aus überlieferten Stoffen, das den Rahmen der einzelnen Biografie überschreitet.

Stil↑

Die Form des Werks ist die eines Epos in Versen. Auffällig ist sein Versmaß, das an das finnische Nationalepos Kalevala erinnert. Auch die Art, fremde Legenden in die Haupterzählung einzuflechten, weist in diese Richtung. Eine Beeinflussung gilt als durchaus möglich: Longfellow hatte vermutlich einige Jahre vor der Arbeit an seinem Gedicht etwas Finnisch gelernt und später auch Zugang zu einer Übersetzung des finnischen Werks.

Rezeption↑

Kritisch beurteilte Gustav Adolf Konitzky das Epos. Er führte es als Beispiel dafür an, wie indianische Märchen zu ihrem Nachteil dichterisch bearbeitet worden seien. Durch „falsche Sentimentalität und romantisch Vorstellungen“ sei das Bild der nordamerikanischen Indianer verzerrt worden.

Ins Deutsche übertrug Ferdinand Freiligrath den Text; seine Übersetzung erschien 1857 unter dem Titel Der Sang von Hiawatha. 1862 legte Francis William Newman eine gekürzte lateinische Fassung vor. Die Wirkung des Stoffes reicht weit in die Musik hinein. Antonín Dvořák verarbeitete die Dichtung in seiner Sinfonie Aus der Neuen Welt. Der englische Komponist Samuel Coleridge-Taylor vertonte zwischen 1898 und 1900 drei Szenen als Kantaten für Orchester, Chor und Solisten: Hiawathas Hochzeit (uraufgeführt 1898), den Tod der Minnehaha (1899) und Hiawathas Fortgang (1900).

Auch die Unterhaltungskultur des 20. Jahrhunderts griff die Figur auf. Walt Disney adaptierte sie 1937 für die Silly Symphonies im Zeichentrickfilm Little Hiawatha, in Deutschland bekannt als Klein Adlerauge. In der Heftreihe Micky Maus erschien dazu in unregelmäßigen Abständen eine Comic-Serie gleichen Namens. 1972 ließ das Komponistenduo Chinn/Chapman Hiawatha in den Glam-Rock-Song Wig-Wam Bam der englischen Gruppe Sweet einfließen. Mike Oldfield verwendete 1978 Teile des Gedichts für sein Album Incantations. Das Verhältnis zum finnischen Epos untersuchte Ernest J. Moyne 1963 in einer eigenen Studie.

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