1903
Ruf der Wildnis
Überblick↑
Der Roman Ruf der Wildnis von Jack London erschien 1903. Er erzählt vom Hund Buck, der zur Zeit des Klondike-Goldrausches am Ende des 19. Jahrhunderts ein hartes Leben als Schlittenhund im kanadischen Yukon führt. London schildert das Geschehen weithin sachlich, wechselt aber immer wieder in die Sicht des Tieres selbst. Der Roman zählt zu den bekanntesten Werken des Autors.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Am Ende des 19. Jahrhunderts lebt der Hund Buck ein behagliches Leben auf einem Landgut im Santa Clara Valley südlich von San Francisco. Eines Tages wird er heimlich entführt und verkauft. Als Schlittenhund verschleppt man ihn in die eisige Klondike-Region im kanadischen Yukon, wo zu jener Zeit der Goldrausch tobt.
Dort muss Buck sich unter härtesten Bedingungen behaupten. Nach und nach kämpft er sich an die Spitze des Gespanns. Mit jedem Tag in der Wildnis regt sich stärker das uralte Erbe seiner wölfischen Vorfahren – der „Ruf der Wildnis". Zwischen dem Dienst am Menschen und der Lockung der Freiheit spielt sich ab, was die Erzählung Schritt für Schritt entfaltet.
Die Handlung im Detail↑
Der kräftige Hund Buck lebt zunächst sorglos im Santa Clara Valley südlich von San Francisco. Der Gärtner seines Besitzers hat Spielschulden und entführt das Tier, um es zu verkaufen. So gelangt Buck in die Klondike-Region im kanadischen Yukon, wo während des Goldrausches zahllose Schlittenhunde gebraucht werden.
Buck muss lernen, in dieser rauen Welt zu überleben. Unter härtesten Bedingungen setzt er sich durch und arbeitet sich an die Spitze des Gespanns vor. Im Verlauf des Geschehens erreicht ihn immer stärker der Ruf der Wildnis, das Erbe seiner wölfischen Ahnen. Nach vielen Abenteuern und ständig wechselnden Schlittenführern wird Buck von John Thornton gerettet. Zwischen dem Hund und diesem Mann entsteht eine tiefe Bindung; die beiden werden unzertrennlich. Buck liebt Thornton und rettet ihn sogar aus einem reißenden Fluss.
Als sein letzter Herr stirbt, ist der Hund an keinen Menschen mehr gebunden. Nun folgt Buck dem Ruf endgültig. Wieder völlig verwildert, schließt er sich nach harten Kämpfen einem Wolfsrudel an und wird dessen Anführer.
Stil↑
Bemerkenswert ist die Erzählweise des Romans. London berichtet weithin nüchtern und sachlich, wechselt aber immer wieder in die personifizierte Sicht des Hundes. So teilt der Leser Bucks Empfindungen und erlebt die Härte der Wildnis gleichsam mit den Augen des Tieres. Das Werk gehört zur Gattung der Abenteuergeschichte und schildert Kälte, Hunger und Überlebenskampf in kräftigen, anschaulichen Bildern. Der Wandel vom verwöhnten Haushund zum Geschöpf der Wildnis bildet den roten Faden, an dem sich die Erzählung entlanghangelt.
Rezeption↑
Schon im Erscheinungsjahr 1903 kam der Roman auch auf Deutsch heraus. Auf Empfehlung von Hermann Löns übersetzte dessen Ehefrau Lisa Hausmann das Werk; es erschien im Verlag Sponholtz in Hameln. Später folgten weitere Ausgaben, und da das Buch inzwischen gemeinfrei ist, gibt es zahllose Fassungen mit und ohne Illustrationen. 2013 legte der dtv-Verlag eine neue Übersetzung von Lutz-W. Wolff mit Nachwort und Anmerkungen vor.
Der Stoff wurde mehrfach fürs Kino verfilmt, unter anderem 1935 mit Clark Gable, 1972 mit Charlton Heston und 2020 mit Harrison Ford. Die Zeitung The Guardian führte den Roman 2014 in ihrer Liste der hundert besten Romane an Position 35. Drei Jahre nach dem Erscheinen ließ London mit Wolfsblut eine Art Gegenstück folgen, in dem umgekehrt ein wildes Tier zu einem zahmen, an den Menschen gewöhnten Wesen wird.
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