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Werkseintrag · Rubaijat des Omar Chajjam
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Cover Rubaijat des Omar Chajjam
Rubaijat des Omar Chajjam
1859
– Werkseintrag –

Rubaijat des Omar Chajjam

1859 · Lyrik

Kurze persische Verse über Wein und Vergänglichkeit, die ein englischer Dichter so eigenwillig aus dem Persischen nachschuf, dass aus der Übersetzung selbst ein vielgelesenes Werk wurde.

Überblick

Unter dem Titel Rubáiyát of Omar Khayyám erschien 1859 eine englische Nachdichtung des Dichters Edward FitzGerald. Sie versammelt eine Auswahl vierzeiliger Strophen, die dem persischen Gelehrten Omar Khayyam (1048–1131) zugeschrieben werden. Khayyam war zu Lebzeiten vor allem als Astronom und Mathematiker berühmt; die Nachwelt nannte ihn den „Astronomen-Dichter Persiens". FitzGeralds Fassung ist weniger eine wortgetreue Übersetzung als eine eigenständige Dichtung, die sich frei an den persischen Vorlagen orientiert. Aus einem zunächst unbeachteten Bändchen wurde eines der meistgelesenen Gedichtwerke des englischen Sprachraums.

Inhalt (ohne Spoiler)

In kurzen, in sich geschlossenen Vierzeilern entfaltet das Werk eine schmale, eng umgrenzte Gedankenwelt. Jede Strophe steht für sich und fasst einen Einfall, eine Stimmung oder einen Einwand in vier Zeilen. Immer wieder kehren dieselben Bilder wieder: der volle Weinbecher, die Vergänglichkeit alles Irdischen und die Mahnung, den gegenwärtigen Augenblick nicht zu versäumen. Ein fortlaufender Erzählfaden fehlt. Was die Verse zusammenhält, ist eine Haltung – heiter und schwermütig zugleich, dem Genuss zugewandt und doch stets im Wissen um die Kürze des Lebens. Der Ton ist einladend; der Sprecher wendet sich unmittelbar an den Leser, ohne ihm eine feste Lehre aufzudrängen.

Die Handlung im Detail

Einen durchlaufenden Handlungsfaden gibt es nicht; das Werk lebt von der Wiederkehr weniger großer Themen. Im Vordergrund steht eine Lebenshaltung, die FitzGerald selbst als epikureisch bezeichnete: ein Genießen des Daseins im Wissen um seine Kürze. Der Wein ist das beherrschende Bild – mal leiblicher Genuss, mal Trost gegen die Bitterkeit des Denkens. Immer wieder kehrt der Gedanke wieder, dass der Mensch die Rätsel von Tod und Jenseits nicht lösen kann und deshalb den gegenwärtigen Tag ergreifen soll.

Diesen Ton prägte weniger Omar Khayyam als FitzGerald selbst. Als Vorlagen dienten ihm zwei Handschriften: eine aus der Bodleian Library, die ihm sein Freund Edward B. Cowell 1856 in Abschrift überließ, und eine zweite, die Cowell 1857 in Kalkutta fand. FitzGerald wählte aus, ordnete neu und fügte oft mehrere persische Strophen zu einer einzigen englischen zusammen. Die erste Ausgabe enthielt fünfundsiebzig Vierzeiler; in den späteren Fassungen wuchs ihre Zahl auf über hundert.

Welche der Verse wirklich von Omar Khayyam stammen, ist bis heute ungewiss. Zu seinen Lebzeiten galt er als Gelehrter, nicht als Dichter; der früheste Hinweis auf sein dichterisches Werk findet sich erst 43 Jahre nach seinem Tod. Spätere Sammlungen schreiben ihm zwischen etwa 1.200 und mehr als 2.000 Strophen zu. Strengere Forscher halten nur einen kleinen Bruchteil für gesichert – je nach Zählung zwischen etwa einem Dutzend und knapp zweihundert Vierzeilern.

Stil

Formal beruht das Werk auf dem Rubāʿī, der klassischen persischen Vierzeiler-Form. FitzGeralds Nachdichtung ist gereimt und in ein festes Versmaß gebracht, geht aber sehr frei mit den Vorlagen um. Viele Strophen sind umschrieben statt übersetzt, einige lassen sich in den persischen Quellen gar nicht nachweisen. FitzGerald machte aus dieser Freiheit keinen Hehl. Er erklärte, ihm sei ein lebendiger Spatz lieber als ein ausgestopfter Adler – die dichterische Lebendigkeit ging ihm über die wörtliche Treue. So entstand ein Text, der eher als eigenständige englische Dichtung gelten kann denn als Übersetzung im engen Sinn. Gerade diese Freiheit gab den Versen ihren eingängigen, oft zitierten Klang.

Rezeption

Zunächst blieb der Erfolg aus: Die erste Ausgabe von 1859 druckte FitzGerald in kleiner Auflage privat, und das Bändchen fand kaum Käufer. Von 1861 an machte Whitley Stokes das Werk bekannt, und bald bewunderten es die Maler und Dichter der englischen Präraffaeliten. Die dritte Ausgabe von 1872 weckte auch in den Vereinigten Staaten Interesse. In den 1880er Jahren war das Werk im gesamten englischsprachigen Raum außerordentlich beliebt. Es entstanden eigene „Omar-Khayyam-Klubs", und um die Jahrhundertwende bildete sich ein regelrechter Kult um die Verse. Bis in die 1890er Jahre soll das Buch in zweihundert Auflagen und über zwei Millionen Exemplaren verkauft worden sein; ein Verzeichnis zählte 1929 mehr als dreihundert verschiedene Ausgaben. Zahlreiche Künstler schmückten es mit Illustrationen aus.

Der Erfolg zog weitere englische Übertragungen nach sich, etwa von Edward Henry Whinfield, John Leslie Garner, Justin Huntly McCarthy und Richard Le Gallienne. Zugleich entzündete sich ein langer Streit über den richtigen Sinn der Gedichte. FitzGerald hatte in Omar Khayyam vor allem den religiösen Zweifler gesehen; dieser Deutung folgen bis heute viele Ausleger. Andere hielten ihm entgegen, er habe die mystische Dichtung der Sufis missverstanden und zu wörtlich genommen – für sie ist Khayyam ein Dichter geistlicher Bilder. Diese sufische Lesart blieb jedoch die Ansicht einer Minderheit.

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