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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Rustic Chivalry
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Rustic Chivalry
1880
– Werkseintrag –

Rustic Chivalry

1880 · Erzählung

Ein junger Sizilianer kehrt aus dem Militärdienst heim, findet seine Verlobte verheiratet – und gerät in ein Spiel aus Rache, Begehren und dörflicher Ehre, dessen Regeln keinen Spaß verstehen.

Überblick

Die Erzählung Cavalleria rusticana (deutsch meist Sizilianische Bauernehre oder Ländliche Ehre) von Giovanni Verga erschien 1880. Sie gehört zu den bekanntesten Werken des italienischen Verismus. Auf wenigen Seiten erzählt Verga von Liebe, Eifersucht und tödlicher Ehre in einem sizilianischen Dorf. Der Text wurde Teil des Erzählbandes Vita dei campi (Das Leben auf den Feldern). Er gilt als Musterbeispiel jener Literatur, die das harte Leben der einfachen Landbevölkerung ohne Beschönigung darstellt. Weltberühmt wurde der Stoff durch die gleichnamige Oper von Pietro Mascagni. Dieser liegt ein von Verga selbst verfasstes Bühnenstück zugrunde.

Inhalt (ohne Spoiler)

Schauplatz ist ein Dorf auf Sizilien. Der junge Turiddu Macca kehrt aus dem Militärdienst heim. Er muss feststellen, dass seine Verlobte Lola während seiner Abwesenheit einen anderen geheiratet hat: den wohlhabenden Fuhrmann Alfio. Verletzt in seinem Stolz, beginnt Turiddu, um die wohlhabende Bauerntochter Santa, genannt Santuzza, zu werben. Er tut das weniger aus Liebe als aus dem Wunsch, Lola eifersüchtig zu machen. Bald entspinnt sich zwischen Lola und ihrem alten Verlobten heimlich eine Affäre, während Alfio mit seinem Gespann unterwegs ist. Verga zeichnet ein knappes, dichtes Bild einer dörflichen Welt, in der Geld, Begehren und männliche Ehre eng beieinanderliegen. In einer solchen Welt bleibt eine solche Konstellation nicht lange unentdeckt.

Die Handlung im Detail

Turiddu Macca kehrt nach dem Wehrdienst in sein sizilianisches Heimatdorf zurück und trägt seine Bersaglieri-Uniform mit selbstbewusstem Stolz durch die Gassen. Doch zu Hause erfährt er, dass seine Verlobte Lola die Verbindung zu ihm gelöst hat und den Fuhrmann Alfio geheiratet hat – schlicht deshalb, weil dieser deutlich vermögender ist als der arme Turiddu. Um sich an der untreuen Frau zu rächen, beginnt der gutaussehende Turiddu, sich um Santa, genannt Santuzza, zu bemühen. Sie ist die Tochter eines Bauern, dessen Haus dem von Alfio und Lola genau gegenüberliegt – eine bewusst gewählte Konstellation.

Die Rechnung geht auf: Als Alfio für längere Zeit über Land zieht, um die Märkte abzufahren, lädt Lola den ehemaligen Verlobten zu sich ein, und die beiden beginnen ein Verhältnis. Santa, die sich ernstlich verliebt hat und nun verraten sieht, wartet auf Alfios Rückkehr und teilt ihm mit, was seine Frau in seiner Abwesenheit getan hat. Alfio fordert Turiddu zum Messerkampf – der auf Sizilien überlieferten Form, in der ein Mann seine verletzte Ehre wiederherstellt. Im Duell tötet er Turiddu. Sterbend gedenkt der junge Mann nur noch seiner Mutter und der Einsamkeit, in der er sie zurücklässt.

Verga lässt keinen Zweifel daran, wer welche Beweggründe hat: Lolas Heirat war eine reine Geldfrage, ihre Affäre mit Turiddu ein flüchtiges Abenteuer. Alfio kämpft nicht aus verletzter Liebe, sondern um seine Ehre als Ehemann. Allein Turiddu handelt aus echtem Gefühl – was sein Rachebedürfnis gegen Lola erst recht antreibt und ihn am Ende das Leben kostet.

1884 schrieb Verga auf der Grundlage der Erzählung ein gleichnamiges Bühnenstück, das deutliche Veränderungen mit sich bringt. Die wirtschaftlichen Motive treten zurück, Turiddus Handeln wird allein aus Eifersucht erklärt, sein Tod erscheint als unausweichliche Folge des Eingriffs in eine fremde Ehe. Santuzza wird zur eigentlichen Hauptfigur, zur Verkörperung einer reinen, uneigennützigen Liebe, die der eitle Turiddu verschmäht. Diese Umarbeitung wurde nötig, weil Verga das Stück für das Mailänder Publikum zuschnitt, das eine starke weibliche Hauptrolle erwartete. Das Drama wurde ein großer Erfolg, nicht zuletzt durch Eleonora Duse in der Rolle der Santuzza. Die Bühnenfassung wiederum diente Guido Menasci und Giovanni Targioni-Tozzetti als Vorlage für jenes Libretto, das Pietro Mascagni zu seiner berühmten Oper Cavalleria rusticana vertonte.

Stil

Die Erzählung ist ein Musterstück des italienischen Verismus. Diese literarische Strömung wollte das Leben der einfachen Leute schmucklos und ohne moralischen Kommentar darstellen. Verga verzichtet bewusst auf das, was seine früheren Werke noch geprägt hatte: kein Mitleid des Erzählers mit den Figuren, keine direkten Urteile, keine Erklärungen von außen. Der Erzähler tritt selbst wie ein Mann aus dem Volk auf. Er bedient sich einer volkstümlichen Sprache und gängiger Bilder und Vergleiche aus dem dörflichen Alltag.

Die Figuren sind einfache Bauern, und doch heben sie sich durch markante Züge aus der Menge heraus: Turiddu, arm, aber stolz wie ein Hahn in seiner Bersaglieri-Uniform, hoffnungslos verliebt in die oberflächlich-berechnende Lola. Auf wenigen Seiten verdichtet Verga eine ganze Welt – die sizilianische Dorfwirklichkeit mit ihrem Ehrenkodex, ihren wirtschaftlichen Zwängen und ihrer knappen, harten Sprache. Die Erzählung gehört in den Band Vita dei campi, dessen Texte fast alle auf dem sizilianischen Land spielen.

Rezeption

Die Erzählung machte Verga über die Grenzen Italiens hinaus bekannt. Sie gilt bis heute als Schlüsseltext des Verismus. Ihre eigentliche Weltkarriere verdankt sie jedoch den beiden Bearbeitungen, die aus ihr hervorgingen. Die erste war Vergas eigene Bühnenfassung von 1884, in der Eleonora Duse als Santuzza Triumphe feierte. Die zweite und wichtigere war Pietro Mascagnis Oper von 1890, die zu einem der meistgespielten Werke des italienischen Musiktheaters wurde. Auf Polnisch erschien die Erzählung erstmals 1904 in der Übersetzung von A. Strzelecki. Später folgte eine Neuübersetzung von Zofia Ernst im Band Don Candeloro i jego trupa (1953).

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