1840 – 1922
Giovanni Verga
Kurzporträt↑
Giovanni Verga (1840–1922) gilt als einer der bedeutendsten italienischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Er war der Hauptvertreter des Verismus, der italienischen Spielart des Naturalismus. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane Die Malavoglia (1881) und Mastro-Don Gesualdo (1889). Dazu kamen die Novellensammlungen Landleben (1880) und Bauernnovellen (1883). Seine Schauplätze sind meist das bäuerliche Sizilien und seine einfachen Menschen. Deren Leben schilderte er ohne Beschönigung. Im Jahr 1920 wurde er zum Senator des Königreichs Italien ernannt.
Biografie↑
Giovanni Verga kam am 2. September 1840 zur Welt. Über seinen Geburtsort gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt Catania, die Deutsche Biographie hingegen Vizzini. In der Forschung ist dieser Punkt also umstritten. Er war der älteste Sohn von Giovanni Battista Verga und dessen Ehefrau Caterina di Mauro. Er entstammte einer wohlhabenden sizilianischen Familie.
Mit elf Jahren wurde er von seinem Verwandten Antonio Abate aufgenommen, einem Schriftsteller und Revolutionär des Risorgimento. Abate war ein ehemaliger Carbonaro und prägte den Jungen stark durch seinen Patriotismus. Nach Vergas eigener Aussage wirkte auch sein Cousin Domenico Catorina nachhaltig auf ihn ein. Diese frühe Nähe zur Bewegung der italienischen Einigung sollte sein erstes literarisches Schaffen sichtbar prägen.
Verga schrieb sich an der Universität Catania für ein Studium der Rechtswissenschaft ein. Doch noch während des Studiums konnte er mit seinem Debütroman Amore e patria erfolgreich auftreten. Der Erfolg bewog ihn, das Jurastudium abzubrechen und sich ganz der Schriftstellerei zu widmen. Nach längeren Vorarbeiten entstand 1861 der historische Roman I Carbonari della montagna. Zwei Jahre später, 1863, folgte der Roman Sulle lagune.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Verga zu einem der bekanntesten Vertreter der italienischen Literatur. Mit den Novellensammlungen Vita dei campi (1880) und Novelle rusticane (1883) gelang ihm der eigentliche literarische Durchbruch. Die Romane I Malavoglia (1881) und Mastro-Don Gesualdo (1889) sind die einzigen beiden vollendeten Teile eines auf fünf Bände angelegten Zyklus mit dem Titel I vinti (Die Besiegten). Die Fortsetzung blieb Fragment.
1920, zwei Jahre vor seinem Tod, wurde Verga zum Senator des Königreichs Italien ernannt. Außerdem trug er die Auszeichnungen Commendatore (Komtur) des Ritterordens der heiligen Mauritius und Lazarus und Ufficiale (Offizier) des Ordens der Krone von Italien. Er starb am 27. Januar 1922 in Catania.
Literarische Merkmale↑
Vergas Schreiben folgt dem Grundsatz einer ungeschönten Darstellung dessen, was er beobachtet hat. Genau diesem Stil gab er seinen Namen: Verismus, von italienisch „vero" – „wahr". Gemeinsam mit Luigi Capuana zählte er zu den wichtigsten Vertretern dieser Richtung. Der französische Naturalismus eines Émile Zola mit seinem Rougon-Macquart-Zyklus war anders geprägt. Der Verismus zeichnet sich durch eine pessimistische Sicht auf den Menschen aus. Er stellt die Welt ohne mythologische Überhöhung dar.
Schon sein Debüt Amore e patria und der zweite Roman I carbonari della montagna griffen historische Stoffe auf. Es ging um den Kampf der Carbonari gegen die napoleonische Herrschaft, vertreten durch den Marschall von Frankreich, Joachim Murat. Der Roman Sulle lagune erzählt von den Verwicklungen zwischen einem österreichischen Besatzungsoffizier und einer jungen Venezianerin. Im Hintergrund steht der nahende Beginn der italienischen Unabhängigkeit.
Mit Romanen wie Nedda rückte das bäuerliche Sizilien in den Mittelpunkt seines Schaffens. Sein eigentlicher Durchbruch kam aber erst in den 1880er Jahren mit den Novellensammlungen Vita dei campi und Novelle rusticane. Daraus stammt auch die Novelle Cavalleria rusticana. In der Opernfassung von Pietro Mascagni wurde sie zu einem großen Publikumserfolg.
Mit I vinti (Die Besiegten) begann Verga einen breit angelegten Romanzyklus in fünf Teilen. Davon erschienen jedoch nur I Malavoglia und Mastro-Don Gesualdo. Von der geplanten Fortsetzung La duchessa di Leyra liegt nur ein erstes Kapitel vor. L'onorevole Scipione und L'uomo di lusso blieben bloße Projekte.
Vergas naturalistische Schreibweise zeigt sich auch in seinen Darstellungen von Krankheit. Beispiele sind die Novellen Malaria (1883) und Quelli del coléra (1884) sowie der Roman Mastro-Don Gesualdo.
Rezeption↑
Eine breitere zeitgenössische und nachträgliche Würdigung lässt sich aus dem vorliegenden Material nur in Umrissen ablesen. Ein deutlicher Hinweis auf seine Wirkung ist die Opernadaption seiner Novelle Cavalleria rusticana durch Pietro Mascagni. Diese wurde zu einem großen Publikumserfolg und machte Vergas Stoff einem internationalen Opernpublikum bekannt. Für seine öffentliche Geltung in Italien spricht ebenso die Ernennung zum Senator des Königreichs im Jahr 1920. Dazu kam die Verleihung hoher Orden: Commendatore des Ritterordens der heiligen Mauritius und Lazarus und Ufficiale des Ordens der Krone von Italien.
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