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Vergil
Kurzporträt↑
Publius Vergilius Maro, im Deutschen meist Vergil genannt, war ein römischer Dichter. Er lebte zur Zeit der römischen Bürgerkriege und unter dem Prinzipat des Octavian, der ab 27 v. Chr. Augustus hieß. Geboren wurde er um 70 v. Chr. bei Mantua, gestorben ist er 19 v. Chr. in Brindisi. Er gehörte zum Dichterkreis um den Kunstförderer Gaius Maecenas. Drei Werke begründeten seinen Ruhm: die Hirtengedichte der Eklogen (auch Bucolica), das Lehrgedicht Georgica über den Landbau und das Epos Äneis, das Rom seinen Gründungsmythos lieferte. Schon unter seinen Zeitgenossen zählte er zu den bekanntesten Dichtern der augusteischen Literatur. Bis heute ist er ein Klassiker der lateinischen Schullektüre.
Biografie↑
Geboren wurde Vergil als Sohn der Magia Polla und des Töpfers Vergilius Maro. Sein Geburtsort war ein Landgut bei Mantua in Norditalien. Über das genaue Datum und den Ort herrscht in den Quellen keine Einigkeit. Die gängige Überlieferung nennt den 15. Oktober 70 v. Chr. als Geburtstag und den 21. September 19 v. Chr. als Todestag. In den herangezogenen Normdaten weichen die verzeichneten Tagesangaben jedoch voneinander ab. Auch der Geburtsort ist umstritten: Wikidata verzeichnet einen Ort nahe Mantua (Borgo Virgilio), die Deutsche Biographie hingegen Andiast. Gewöhnlich wird in der Forschung das Dorf Andes bei Mantua genannt. Das frühere Pietole gilt als unwahrscheinlich, weil dort keine Funde auf ein Landgut der Familie hindeuten. Diese nahe Verbindung zum Landleben und zur bäuerlichen Welt sollte sein Werk immer wieder prägen.
Zeitgenössische Hinweise auf seine Jugend und Ausbildung finden sich fast nur in seinen eigenen Werken. Die meisten Angaben stammen erst von Sueton. Diesem zufolge erhielt Vergil die Toga virilis mit fünfzehn Jahren und besuchte zu jener Zeit eine Rhetorenschule in Cremona. Sueton erwähnt zusätzlich einen Aufenthalt in Mailand und anschließend, 53 v. Chr., die Übersiedlung nach Rom. Dort soll Vergil auch Mathematik und Medizin studiert haben. Als Redner scheint er wenig begabt gewesen zu sein. Ovid überlieferte aus den Schriften des Rhetoriklehrers Seneca maior das Bild eines unbegabten Prosaikers. Sueton berichtet, Vergil habe vor Gericht einmal sehr langsam, fast wie ein Ungebildeter gesprochen. Früh wandte er sich von der Rhetorik ab und der Dichtung zu.
Zu Beginn der vierziger Jahre des 1. Jahrhunderts v. Chr. hielt sich Vergil in Rom und Neapel auf und verfasste sein frühestes Werk, die Eklogen. Möglicherweise knüpfte er in dieser Zeit Verbindungen zu Dichterkreisen. Als fast sicher gilt eine Freundschaft mit den elegischen Dichtern Sextus Propertius und Cornelius Gallus. Als Gönner nennt die dritte Ekloge Gaius Asinius Pollio. Im Zuge der Politik des zweiten Triumvirats führte Octavian 40 v. Chr. Landenteignungen durch, um Veteranen der Bürgerkriege zu entschädigen. Davon war auch Vergils Familie in Mantua betroffen, und die erste Ekloge thematisiert eine solche Vertreibung. Ob Octavian der Familie das Land zurückerstattete, lässt sich aus den Quellen nicht belegen. Der Dichter betrauert Mantua, wohin er nie zurückkehrte.
In den dreißiger Jahren gehörte Vergil zum Dichterkreis um Gaius Maecenas, einen Offizier Octavians. Horaz nennt ihn neben Plotius Tucca und Varius Rufus. Die Dichter begleiteten Maecenas auf Reisen und zu politischen Anlässen, unter anderem nach Brundisium. In dieser Zeit arbeitete Vergil von 37 bis 29 v. Chr. an den Georgica, die Maecenas gewidmet sind. In diese Jahre fällt auch Octavians Sieg in der Schlacht bei Actium 31 v. Chr., den Vergil im ersten Buch der Georgica ehrt. Wann er mit der Äneis begann, ist nicht bekannt. Das Werk nahm die letzten zehn Jahre seines Lebens in Anspruch.
Über die letzten Jahre berichtet allein Suetons Vita. Demnach wollte Vergil die Arbeit an der Äneis mit einer dreijährigen Reise in den Osten des Römischen Reiches abschließen. Dabei wollte er die Schauplätze der Handlung besichtigen und sich danach der Philosophie widmen. Unterwegs traf er Augustus, der von seinem Sieg über das Partherreich zurückkehrte, und schloss sich ihm an. In Megara soll ihn ein heftiges Fieber befallen haben. Bald nach der Ankunft in Brundisium starb er. Sein Leichnam wurde verbrannt und die Asche nach Neapel gebracht. Ob sie tatsächlich im heutigen Grabhügel bei Neapel ruht, ist nicht sicher. Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Er soll Güter im kalabrischen Tarent und in Kampanien sowie ein von Maecenas geschenktes Stadthaus in Rom besessen haben. Sueton beschreibt ihn als zurückhaltenden, fast scheuen, leicht kränkelnden Mann von bäuerlichem Auftreten.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Vergils Schaffen ist, dass er sich nacheinander drei großen Gattungen widmete und in jeder Maßstäbe setzte: dem Hirtengedicht in den Eklogen, dem Lehrgedicht in den Georgica und dem Epos in der Äneis. Die zehn Hirtengedichte der Eklogen entstanden etwa zwischen 43 und 39 v. Chr. Als historischer Hintergrund schimmern darin die Landverteilungen der Jahre 42/41 durch, bei denen entlassene Soldaten auf enteignetem Land in Italien angesiedelt wurden. Durchgängig prägt die Nähe zum Landleben und zur bäuerlichen Welt sein Werk.
Sein Epos Äneis verarbeitet die mythologischen Stoffe der homerischen Epen Ilias und Odyssee und erzählt die Vorgeschichte der Gründung Roms. Octavian, der spätere Augustus, soll Vergil zu einem Epos auf seine Herrschaft gedrängt haben.
Wie hoch Vergils Ansehen war, zeigt sich auch daran, wie viele Werke ihm fälschlich zugeschrieben wurden. In der sogenannten Appendix Vergiliana ist eine Reihe von Gedichten überliefert, die nach Meinung der heutigen Forschung größtenteils nicht von ihm stammen. Dazu zählen das Kurzgedichtcorpus Catalepton, die Lehrgedichte Moretum und Ätna, die Kurzepen Culex und Ciris sowie weitere kleine Stücke. Nur bei einzelnen Epigrammen des Catalepton ist eine Verfasserschaft des jungen Vergil überhaupt umstritten. Sie scheinen Auskunft über seine Abkehr von der Rhetorik zu geben.
Rezeption↑
Schon kurz nach Vergils Tod wurden seine Werke immer wieder abgeschrieben, herausgegeben, kommentiert und in andere Dichtung eingearbeitet. Seine drei Hauptwerke gelten als Wendepunkt der lateinischen Dichtung. Die Äneis löste die Annales des Quintus Ennius gleichsam als römisches Nationalepos ab. Vergil zählt zu den bedeutendsten Autoren der klassischen römischen Antike und gehört bis heute zur lateinischen Schullektüre.
Bereits unter Zeitgenossen war Vergil ein Thema der Dichtung. Properz widmete dem Hirtenjungen Alexis aus der zweiten Ekloge eigene Verse, und ähnliche Anspielungen finden sich bei Martial und Sueton. Über sein Aussehen und seinen Charakter wurde erst von den Literaturhistorikern des 2. Jahrhunderts spekuliert. Auch zeitgenössische Schilderungen wie die des Horaz, der ihn als bäuerlich gekleideten, aber aufrichtigen Freund zeichnet, dienten weniger der getreuen Abbildung als der literarischen Wirkung.
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