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Werkseintrag · Der Professor
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Cover Der Professor
Der Professor
1857
– Werkseintrag –

Der Professor

1857 · Roman

Charlotte Brontës erster Roman, lange von Verlegern abgelehnt und erst nach ihrem Tod gedruckt: die Geschichte eines jungen Mannes, der sich als Lehrer in Brüssel seinen eigenen Weg erkämpft.

Überblick

Der Roman The Professor war das erste Romanwerk der englischen Schriftstellerin Charlotte Brontë. Sie schrieb ihn 1846, noch vor Jane Eyre. Zahlreiche Verlage lehnten das Manuskript jedoch ab, sodass es zu Lebzeiten der Autorin ungedruckt blieb. Erst 1857, nach ihrem Tod, erschien das Buch bei Smith, Elder & Co. Ihr Witwer Arthur Bell Nicholls hatte zugestimmt und den Text zuvor durchgesehen und bearbeitet.

Inhalt (ohne Spoiler)

Im Mittelpunkt steht der junge William Crimsworth, der seine Geschichte selbst erzählt. Sie beginnt mit einem Brief an seinen Freund Charles. Darin berichtet William, dass er den Vorschlag seines Onkels abgelehnt hat, Geistlicher zu werden. Stattdessen sucht er einen Platz in der Arbeitswelt und begegnet seinem reichen Bruder Edward.

William tritt bei Edward als Angestellter ein, doch das Verhältnis der Brüder ist von Anfang an belastet. Über Umwege gelangt William schließlich nach Belgien, wo er als Lehrer an einer Schule in Brüssel arbeitet. Dort entfaltet sich der eigentliche Kern des Buches: Williams Werdegang als „Professor", seine Erfahrungen im Schulbetrieb und die Beziehungen, in die er gerät.

Der Roman erzählt von beruflichem Aufstieg, von Enttäuschung und Misstrauen, vor allem aber von einer langsam wachsenden Zuneigung zu einer jungen Lehrerin. Es ist ein Buch über das Reifen eines jungen Mannes und über den Weg, den er sich Schritt für Schritt selbst erarbeitet.

Die Handlung im Detail

Zu Beginn schreibt William Crimsworth einen Brief an seinen Freund Charles. Er schildert darin, dass er den Vorschlag seines Onkels, eine Laufbahn als Geistlicher einzuschlagen, zurückgewiesen hat. Außerdem berichtet er von der ersten Begegnung mit seinem wohlhabenden Bruder Edward. Auf der Suche nach einer Tätigkeit im Handel erhält William von Edward die Stelle eines Schreibers. Doch Edward ist eifersüchtig auf Williams Bildung und Klugheit und behandelt ihn schlecht. Durch das Zutun des wohlmeinenden Mr Hunsden wird William aus dieser Stellung befreit und beginnt eine neue Anstellung an einer Knabenschule in Belgien.

Die Schule wird von dem freundlichen Monsieur Pelet geleitet, der William höflich und zuvorkommend behandelt. Bald dringt Williams Ruf als guter Lehrer bis zur Leiterin der benachbarten Mädchenschule. Mademoiselle Reuter bietet ihm eine Stelle an ihrer Schule an, die er annimmt. Zunächst ist er von ihr eingenommen und beginnt sich vorzustellen, er könne sich in sie verlieben. Dann aber hört er zufällig ein Gespräch zwischen ihr und Monsieur Pelet mit: Die beiden planen ihre Hochzeit und reden zugleich abfällig und hinterhältig über William.

Von da an begegnet William Mademoiselle Reuter mit kühler Höflichkeit, denn er hat ihr wahres Wesen erkannt. Sie jedoch versucht weiter, ihn zurückzugewinnen, indem sie sich gütig und besorgt gibt. Sie bittet ihn, eine ihrer jungen Lehrerinnen zu unterrichten: Frances, die ihre Sprachkenntnisse verbessern möchte. William erkennt in dieser Schülerin eine vielversprechende Klugheit und verliebt sich allmählich in sie.

Eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit, die Frances von William erhält, entlässt Mademoiselle Reuter die junge Frau aus ihrer Stellung und verheimlicht William ihre Adresse. Nach langer Suche trifft William Frances auf einem Friedhof wieder, und die beiden erneuern ihre Bekanntschaft.

Es zeigt sich, dass Mademoiselle Reuter sich, während sie sich in Williams Augen liebenswert machen wollte, selbst unversehens in ihn verliebt hat. Um keinen Streit mit Monsieur Pelet auszulösen, verlässt William dessen Anstalt.

William erhält eine neue Stelle als „Professor" an einem College, was ihm und Frances die Heirat ermöglicht. Die beiden eröffnen schließlich gemeinsam eine Schule und bekommen ein Kind. Nachdem sie finanzielle Sicherheit erreicht haben, reist die Familie durch England und lässt sich dann auf dem Land nieder, in der Nähe von Mr Hunsden. Frances bringt einen Sohn zur Welt, Victor.

Stil

Erzählt wird durchgehend aus der Sicht Williams, in der Ich-Form. Der Leser erlebt die Welt des Romans also stets durch seine Wahrnehmung und sein Urteil.

Williams Blick ist dabei alles andere als neutral. Im ganzen Buch sieht er auf Katholiken herab und spricht abschätzig über deren Glaubenspraxis. Die beiden katholischen Hauptfiguren werden als hinterhältig und unzuverlässig gezeichnet, und William ist überzeugt, dass eine katholische Erziehung einen schlechten Einfluss auf die jungen Mädchen seiner Schule hat. Auch gegenüber den Flamen zeigt er eine gewisse Überheblichkeit; es widert ihn an, wie sie die englische Sprache verstümmeln, während er sie zu unterrichten versucht. Diese Vorurteile prägen den Ton der Erzählung und färben das Bild, das der Erzähler von seiner Umgebung entwirft.

Rezeption

Geschrieben wurde der Roman bereits 1846, noch vor Jane Eyre. Doch The Professor fand zunächst keinen Verleger: Viele Verlagshäuser wiesen das Manuskript zurück, und so blieb es zu Lebzeiten der Autorin unveröffentlicht.

Erst nach ihrem Tod kam das Werk 1857 heraus. Ihr Witwer Arthur Bell Nicholls hatte der Veröffentlichung zugestimmt und sich der Aufgabe angenommen, den Text durchzusehen und für den Druck zu bearbeiten. So erschien das früheste Romanwerk der Autorin am Ende als posthume Ausgabe.

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