1816 – 1855
Charlotte Brontë
Kurzbiografie↑
Charlotte Brontë (1816–1855) war eine englische Schriftstellerin. Ihr Roman Jane Eyre machte sie 1847 schlagartig berühmt. Wie ihre Schwestern Emily und Anne veröffentlichte sie zunächst unter einem männlichen Pseudonym: Currer Bell. Als Frau hätte sie in der literarischen Öffentlichkeit kaum Gehör gefunden. Sie wuchs im abgeschiedenen Pfarrhaus von Haworth in Yorkshire auf. Schon als Kind schrieb sie gemeinsam mit ihren Geschwistern an ausgedachten Welten. Später brachte sie es zu einer kurzen, aber strahlenden Anerkennung in den literarischen Zirkeln Londons. Sie starb mit nur 38 Jahren, wenige Monate nach ihrer Heirat, vermutlich an den Folgen einer Schwangerschaft.
Biografie↑
Charlotte Brontë kam am 21. April 1816 in Thornton in Yorkshire zur Welt. Sie war das dritte Kind des irischen Pfarrers Patrick Brontë und seiner Frau Maria, geborene Branwell. Ihre beiden älteren Schwestern starben früh an Tuberkulose. Charlotte wuchs gemeinsam mit ihren jüngeren Geschwistern Patrick Branwell, Emily Jane und Anne im Pfarrhaus von Haworth auf. Schon als Kinder begannen die vier zu schreiben.
Aus dieser Kinderzeit stammt das gemeinsam erfundene Phantasiereich Glass Town beziehungsweise Angria. Charlotte verfasste mit ihrem Bruder Branwell handschriftlich fünfzehn Ausgaben eines eigenen Young Men's Magazine. Vorbild war das damals weit verbreitete Blackwood's Magazine. Die Texte schrieben sie auf winzige, eng beschriebene Blätter von nur etwa zwölf Zentimetern Höhe. Diese Handschriften sind heute begehrte Sammlerstücke, einige wurden 2012 für 690.000 Pfund versteigert. Schon damals legte sich Charlotte männliche Pseudonyme zu.
Die Geschwister wurden überwiegend zu Hause unterrichtet. Nur kurze Schulzeiten führten Charlotte aus dem Pfarrhaus heraus: an das Internat für Pfarrerstöchter in Cowan Bridge in Lancashire und an die Schule Roe Head bei Mirfield. Dort schloss sie binnen achtzehn Monaten als Klassenbeste ab. In der Schulzeit lernte sie Ellen Nussey und Mary Taylor kennen, mit denen sie lebenslang eng befreundet blieb. Ob ihre Beziehung zu Ellen Nussey über die Freundschaft hinausging, wird seit E. F. Benson 1932 von einzelnen Biographen vermutet. Lucasta Miller weist in The Brontë Myth darauf hin, dass sich diese Spekulationen ausschließlich auf Brief-Interpretationen stützen.
1835 trat Charlotte in Roe Head eine Stelle als Lehrerin an, 1839 und 1841 arbeitete sie als Gouvernante. Sie plante, in Haworth eine eigene Schule zu eröffnen. Dafür reiste sie 1842 zusammen mit ihrer Schwester Emily nach Brüssel, um im Pensionnat de Demoiselles der Madame Héger ihr Französisch zu verbessern. Dort fasste sie eine unerwiderte Liebe zu Monsieur Héger. Dieses Erlebnis floss später in ihren Roman The Professor ein, der allerdings erst nach ihrem Tod erschien.
1844 kehrte sie nach Haworth zurück. Das geplante Schulprojekt scheiterte, weil sich keine Schülerinnen fanden. Gemeinsam mit ihren Schwestern brachte Charlotte einen Gedichtband heraus, unter den männlichen Pseudonymen Currer (Charlotte), Ellis (Emily) und Acton (Anne) Bell. Der Band blieb ein Ladenhüter. Auch ihr erster Roman The Professor fand zu Lebzeiten keinen Verleger. Der literarische Durchbruch kam 1847 mit Jane Eyre, ebenfalls als Currer Bell veröffentlicht. Die Zeitgenossen hielten den Verfasser zunächst für einen Mann. Als Charlotte ihre Identität preisgab, wurde sie in die literarischen Kreise Londons eingeführt und genoss eine kurze Zeit des Ruhms. Ihre Bücher erschienen aber weiterhin unter dem Pseudonym.
1854 heiratete Charlotte Brontë Arthur Bell Nicholls, den Hilfspfarrer ihres Vaters. Schon am Karsamstag des folgenden Jahres, am 31. März 1855, starb sie in Haworth. Der Totenschein nannte als Ursache Phthisis, also Auszehrung. Tatsächlich dürfte sie an den Folgen unstillbaren Schwangerschaftserbrechens (Hyperemesis gravidarum) gestorben sein. Ihr letztes Manuskript mit dem Titel Emma blieb unvollendet und erschien 1860 postum als Fragment.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Charlotte Brontës Schreiben ist der Weg über männliche Pseudonyme. Bereits als Kind erfand sie für ihre Texte männliche Erzählerfiguren, und auch ihre veröffentlichten Werke trugen den Namen Currer Bell. Eigene Erfahrungen verarbeitete sie unmittelbar in ihrer Prosa. So floss die unerwiderte Liebe zu ihrem Brüsseler Lehrer Héger in den Roman The Professor ein. Ein eigener Stil-Befund aus den vorliegenden Quellen lässt sich darüber hinaus nicht belegen.
Rezeption↑
Schon zwei Jahre nach Charlotte Brontës Tod, 1857, erschien die erste Biographie über sie: The Life of Charlotte Brontë, verfasst von ihrer Freundin, der Schriftstellerin Elizabeth Gaskell. Charlotte Brontë gehörte damit zu den ersten Frauen, denen eine eigene Monographie über ihr Leben gewidmet wurde – eine Ehrung, die zu ihrer Zeit Männern vorbehalten war.
Ihr Nachleben reicht bis weit ins 20. Jahrhundert. Im Tafelservice "berühmter Frauen", das Vanessa Bell und Duncan Grant 1934 schufen, ist ihr ein eigener Teller gewidmet. Auch der Film nahm sich der Brontës mehrfach an. In Curtis Bernhardts Devotion (1946) wurde Charlotte von Olivia de Havilland verkörpert. In André Téchinés Die Schwestern Brontë (Les Sœurs Brontë, 1979) übernahm Marie-France Pisier die Rolle.
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