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Porträt Emily Brontë
Emily Brontë
1818 – 1848
– Autorenporträt –

Emily Brontë

1818 – 1848 · 30 Jahre

Englische Pfarrerstochter aus Yorkshire, die mit ihrem einzigen Roman „Wuthering Heights" einen Klassiker der Weltliteratur schuf und zeitlebens unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell veröffentlichte.

Kurzporträt

Emily Brontë (1818–1848) war eine englische Schriftstellerin aus Yorkshire. Mit ihrem einzigen Roman Wuthering Heights (deutsch Sturmhöhe) gelangte sie zu Weltruhm. Veröffentlicht hat sie ausschließlich unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell. Dieses Pseudonym legte sie zeitlebens nicht ab. Der Roman gilt heute als Klassiker der englischen Literatur. Daneben hinterließ sie ein bemerkenswertes lyrisches Werk. Sie war die mittlere der drei schreibenden Brontë-Schwestern und starb mit dreißig Jahren in Haworth.


Biografie

Emily Jane Brontë wurde am 30. Juli 1818 in Thornton in Yorkshire geboren. 1820 zog die Familie nach Haworth in West Yorkshire. Ihrem Vater Patrick Brontë war dort die Pfarrstelle angeboten worden. Im Pfarrhaus wuchs Emily zusammen mit ihren Geschwistern Charlotte, Branwell und Anne auf. Das familiäre Umfeld förderte früh ihre literarische Begabung.

Schon als Kinder erfanden die vier Geschwister die fiktiven Länder Angria, Gondal und Gaaldine. Über diese Länder schrieben sie kurze Geschichten. Von Emilys Arbeiten aus dieser Zeit sind nur einige Gedichte erhalten. Ihre lyrische Beschäftigung mit dem Traumreich Gondal setzte sie bis zu ihrem Tod fort.

Emily besuchte gemeinsam mit ihrer Schwester Charlotte die Internatsschulen Cowan Bridge und Roe Head. 1838 arbeitete sie als Lehrerin am Internat Law Hill. 1842 reiste sie mit Charlotte nach Brüssel und studierte dort in der Schule der Madame Heger. Sie kehrte einige Monate vor Charlotte nach Haworth zurück. Fortan übernahm sie den Familienhaushalt und die Finanzen der Familie. Seit dem Brüsseler Aufenthalt sprach sie fließend Französisch. Dazu beherrschte sie Latein und Altgriechisch, wie erhaltene Übersetzungsarbeiten belegen.

Neben dem Schreiben liebte Emily den Umgang mit Tieren, das Wandern und die Naturbetrachtung – im frühen Viktorianismus ungewöhnliche Interessen für eine Frau. Zeitzeugen beschreiben sie als reservierte, starrsinnige und schroffe Persönlichkeit. Sie lebte sehr zurückgezogen und schloss keine Freundschaften. Zugleich konnte sie durch ihre scharfsinnige Intelligenz anziehend wirken. In ihrer Familie setzte sie häufig ihren Willen durch, selbst gegen die selbstbewusste Charlotte.

1846 veröffentlichten die drei Schwestern Emily, Anne und Charlotte einen gemeinsamen Gedichtband mit dem Titel Poems. Sie nutzten dafür die männlichen Pseudonyme Ellis, Acton und Currer Bell. Die Anfangsbuchstaben entsprachen ihren Vornamen. Die zeitgenössische Kritik hob die Qualität der Gedichte von „Ellis" gegenüber denen der beiden anderen deutlich hervor. Dieses Urteil hat bis heute Bestand und wurde auch von den Schwestern selbst geteilt.

1847 erschien Emilys einziger Roman Wuthering Heights, ebenfalls unter dem Pseudonym Ellis Bell. Herausgegeben wurde er zusammen mit Agnes Grey ihrer Schwester Anne. Auf der Diskretion über ihre Identität beharrte Emily zeitlebens.

Emily Brontë starb am 19. Dezember 1848 in Haworth, vermutlich an Tuberkulose oder einer Lungenentzündung. Letzteres wird heute als wahrscheinlicher erachtet. Denn Charlotte schreibt in einem Brief an ihre Freundin Ellen Nussey konkret, dass Emily an einer Lungenentzündung leide. Legendär geworden ist Emilys Weigerung, ärztliche Hilfe anzunehmen, und ihr Wunsch, „der Natur ihren Lauf zu lassen". Bis zum Todestag weigerte sie sich, im Bett zu liegen, und versuchte, ihren Alltag wie gewohnt fortzuführen. Charlotte beschrieb Emilys Sterben in Briefen als ein „schreckliches Spektakel".

In einem Essay zur Neuausgabe des Romans von 1850 stellte Charlotte ihre jüngere Schwester als naives Naturkind dar. Dieses habe nur vermeintlich gewusst, was es tat, als es eine Figur wie Heathcliff erfand. Damit schuf sie eine Legende. In vielen Biographien wurde diese als das Bild der „weltfremden Pfarrerstochter vom Lande" weitergetragen. Tatsächlich hatte Emily durch ihre Lehrtätigkeit und den Auslandsaufenthalt ohne Begleitung des Vaters mehr außerhäusliche Lebenserfahrung gesammelt als die meisten Frauen ihres frühviktorianischen Bürgertums. Diese wechselten in der Regel direkt vom Elternhaus in die Ehe.


Literarische Merkmale

Emily Brontës Werk gliedert sich in zwei Bereiche. Der eine ist ein umfangreiches lyrisches Schaffen, das sich häufig auf das fiktive Traumreich Gondal aus ihrer Kindheit bezog und sie bis zum Lebensende beschäftigte. Der andere ist der einzige Roman Wuthering Heights. Die zeitgenössische Kritik hob die Qualität ihrer Gedichte gegenüber denen der mitveröffentlichenden Schwestern Charlotte und Anne deutlich hervor. Dieses Urteil hat bis heute Bestand.

Auffällig ist die Nähe zwischen Autorin und Figur. Spätere Interpreten finden oft Berührungspunkte zwischen Emily und dem Protagonisten Heathcliff. Wie er konnte sie in der Familie ihren Willen durchsetzen und mit unkonventionellem Benehmen ihre Umgebung schockieren. Geprägt ist ihr Schreiben von der Landschaft Yorkshires, einer intensiven Naturbetrachtung und einer ausgeprägten Eigenständigkeit. Diese Interessen waren im frühen Viktorianismus für eine Frau ungewöhnlich. Ihre sprachliche Bildung in Französisch, Latein und Altgriechisch tritt in erhaltenen Übersetzungsarbeiten zutage.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten wurden Emily Brontës Gedichte von der Kritik herausgehoben. Der Roman Wuthering Heights wuchs nach ihrem frühen Tod zum Klassiker der englischen Literatur. Charlottes Essay von 1850 zur Neuausgabe des Romans schuf zugleich eine Legende: das Bild der naiven, weltfremden Pfarrerstochter. Spätere Biographien übernahmen dieses Bild lange unkritisch.

Im 20. und 21. Jahrhundert ist Emily Brontë vielfach Stoff von Film, Literatur und Musik geworden. In Curtis Bernhardts Film Devotion (1946) spielt Ida Lupino die Rolle. In André Téchinés Die Schwestern Brontë (1979) übernimmt sie Isabelle Adjani. In Peter Kosminskys Wuthering Heights-Verfilmung von 1992 spielt sie die Sängerin Sinéad O'Connor. 2022 kam mit Frances O'Connors Emily mit Emma Mackey eine Hommage in die Kinos. Diese verbindet Elemente aus Biografie und Roman frei. In Jean-Luc Godards Weekend tritt eine Figur als Emily Brontë auf, die am Ende der Szene verbrannt wird.

Der rumänische Philosoph Émile Cioran bekannte sich in seinen postum erschienenen Cahiers als Haworth-Pilger und leidenschaftlicher Brontë-Verehrer. Jane Urquharts Roman Changing Heaven (deutsch Die Ballonfahrerin) schickt eine junge Frau auf eine Begegnung mit dem Geist der Autorin. Robert Barnards Kriminalroman The Case of the Missing Bronte lässt einen Detektiv nach dem verschollenen zweiten Roman suchen. James Tully erzählt in The Crimes of Charlotte Bronte von einem fiktiven Mord an Emily. Elfriede Jelinek nutzt Autorin und Romanfigur in ihrem Theaterstück Krankheit oder Moderne Frauen (1987) als Vorlagen für die Figuren Dr. Heidkliff und die Vampirin Emily.

Auch in der Musik wirkt sie nach. Das Album Wind & Wuthering der Band Genesis und Kate Bushs Lied Wuthering Heights beziehen sich auf den Roman. Der deutsche Komponist Thomas Fleßenkämper vertonte vier ihrer Gedichte. 2018 brachte der britische Rosenzüchter David C. H. Austin eine nach ihr benannte Strauchrose auf den Markt.

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