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Werkseintrag · Eugénie Grandet
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Eugénie Grandet
1834
– Werkseintrag –

Eugénie Grandet

1834 · Roman

Im Schatten eines unmenschlich geizigen Vaters erlebt eine junge Frau in der französischen Provinz zum ersten Mal die Leidenschaft – und gerät zwischen das große Vermögen und ihr eigenes Herz.

Überblick

Eugénie Grandet ist ein Roman von Honoré de Balzac. Die Erstausgabe erschien 1834. Innerhalb des großen Romanzyklus Die menschliche Komödie (La Comédie humaine) zählt er zu den Szenen aus dem Provinzleben. Im Mittelpunkt steht das Leben einer jungen Frau. Sie lebt im Schatten ihres unermesslich reichen, aber krankhaft geizigen Vaters in der Kleinstadt Saumur an der Loire. Balzac zeichnet darin das Bild einer Welt, in der Geld jede menschliche Regung erstickt.

Inhalt (ohne Spoiler)

Die Familie Grandet lebt in einem unscheinbaren Haus in Saumur an der Loire. Vater Grandet ist einer der reichsten Männer der Gegend. Zugleich aber ist er von einem unmenschlichen Geiz beherrscht. Seine Frau, seine Tochter Eugénie und das Hausmädchen führen in seinem Schatten ein freudloses, eintöniges Dasein.

Um das Vermögen und um Eugénie als Erbin buhlen zwei einflussreiche Familien der Stadt, die Des Grassins und die Cruchot. Beide wollen ihre Söhne mit der jungen Frau verheiraten. An Eugénies dreiundzwanzigstem Geburtstag steht der Wettstreit auf einem Höhepunkt. Da tritt unerwartet ihr Cousin Charles aus Paris ins Haus, ein eleganter junger Mann. Ihm steht ein schweres Familienunglück bevor, von dem er selbst noch nichts ahnt.

Mit der Ankunft des Cousins verändert sich Eugénies stille Welt. Das weltfremde Mädchen spürt zum ersten Mal Leidenschaft. Doch ihr Vater kennt nur einen Wert, und dieser Wert ist nicht die Liebe. Der Roman erzählt, wie Eugénie zwischen ihrer aufkeimenden Zuneigung und der eisernen Welt ihres Vaters zu bestehen versucht.

Die Handlung im Detail

Die Familie Grandet lebt in Saumur an der Loire. Der alte Grandet, einer der reichsten Männer der Umgebung, ist krankhaft geizig; sein ganzes Denken und Streben gilt allein der Wahrung und Mehrung seines Vermögens. Seine Frau, seine Tochter Eugénie und das Hausmädchen leben in seinem Schatten ein stilles, freudloses Dasein.

Zwei angesehene Familien der Stadt, die Des Grassins und die Cruchot, intrigieren um das Vermögen und wollen ihre Söhne mit Eugénie verheiraten. An ihrem dreiundzwanzigsten Geburtstag, an dem Lucienne des Grassins über die scheinbaren Erfolge ihres Sohnes Adolphe bei der Erbin triumphiert, tritt überraschend Charles, Eugénies Cousin aus Paris, ins Haus. Er ahnt noch nicht, dass sein Vater nach einem Bankrott Selbstmord begangen hat. Eugénie und Charles verlieben sich ineinander, und das weltfremde Mädchen erlebt zum ersten Mal die wilde Freude der Leidenschaft.

Der alte Grandet hat keineswegs vor, den unnützen Esser im Haus zu behalten, und schickt Charles ohne einen Sou nach Indien, damit er dort sein Glück suche. Zuvor jedoch leiht Eugénie ihm heimlich ihre Münzsammlung, die ihr der Vater zu vergangenen Geburtstagen geschenkt hat. Als Grandet entdeckt, was geschehen ist, verliert er vor Wut beinahe den Verstand – nicht um Eugénies Liebe, sondern allein um des verlorenen Geldes willen. Er sperrt seine Tochter in ihr Zimmer; sie aber bleibt fest und glaubt unerschütterlich an Charles' Rückkehr.

Zwischen Geiz und der Sorge um die Familienehre schiebt Grandet die Begleichung der Schulden seines verstorbenen Bruders mit großer Geschicklichkeit immer wieder hinaus. Eugénies Hausarrest wird schließlich aufgehoben. Als die Mutter vor Kummer erkrankt, überredet der Vater die Tochter, auf ihren Erbteil am mütterlichen Vermögen zu verzichten. Kurz darauf stirbt die Mutter; bald folgt ihr auch der alte Grandet.

Eugénie ist nun Alleinerbin und reich, doch sie wartet weiter auf Charles. In Paris verlässt der Bankier des Grassins, der für Grandet geschäftlich unterwegs ist, seine Frau wegen einer Mätresse; von da an leitet Lucienne des Grassins die Bank in Saumur. Durch ihren Sohn Adolphe erfährt Eugénie, dass Charles aus Indien wohlhabend und gewissenlos zurückgekehrt ist und in Paris eine Adlige heiraten will. Ihrer einzigen Hoffnung beraubt, sendet sie ihm seine Liebespfänder zurück und bezahlt überdies die alten Schulden seines Vaters.

Wenig später heiratet Eugénie den geldgierigen Herrn Cruchot, allerdings nur unter der Bedingung, dass er weder Liebe noch Leidenschaft von ihr fordert. Schon kurze Zeit darauf stirbt Cruchot und hinterlässt ihr sein gesamtes Vermögen. Von nun an führt Eugénie, wie Balzac sie beschreibt, eine Frau, „die mitten in dieser Welt nicht von dieser Welt ist; die, dazu geschaffen, eine herrliche Mutter und Gattin zu sein, weder Gatten, noch Kinder, noch Familie besitzt", in ihrem düsteren Haus ein „heiligmäßiges, sparsames" Leben und sucht Trost in karitativen Werken.

Stil

Balzac erzählt nüchtern und genau. Er beschreibt das Haus der Grandets, die Stadt Saumur, die Kleider, das Essen und die täglichen Gewohnheiten sehr eingehend. So wird die Welt der Provinz für den Leser greifbar. Diese genaue Beobachtung ist sein Mittel, um zu zeigen, wie ein einzelner Geiz alle Räume des Lebens vergiftet.

Die Sprache hält Maß. Balzac stellt seine Figuren in einfachen, klaren Sätzen vor. Er lässt sie sprechen und handeln und enthält sich großer Gefühlsausbrüche. Gerade dadurch wirken die wenigen leidenschaftlichen Augenblicke umso stärker: Eugénies Verliebtheit, der Zornesausbruch des Vaters. Eingebettet ist der Roman in den großen Zyklus Die menschliche Komödie. Darin wollte Balzac das ganze französische Gesellschaftsleben seiner Zeit als zusammenhängendes Bild zeichnen.

Rezeption

Eugénie Grandet gilt als einer der bekanntesten Romane Balzacs und als eines der Kernstücke seiner Provinzszenen. Die Geschichte wurde immer wieder verfilmt. Am Anfang stand eine frühe Stummfilmfassung Émile Chautards aus dem Jahr 1910. Es folgten Mario Soldatis italienische Verfilmung von 1947 und ein französischer Fernsehfilm Jean-Daniel Verhaeghes aus dem Jahr 1994. Auch Marc Dugain drehte 2021 einen Kinofilm nach dem Stoff. Ebenso gehen Rex Ingrams Stummfilm Siegende Kraft (1921) und die britische Fernsehfassung Cross of Gold (1965) auf den Roman zurück. Diese lange Reihe von Bearbeitungen zeigt, wie tief sich die Gestalt der einsamen Erbin und ihres geizigen Vaters ins kulturelle Gedächtnis eingegraben hat.

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