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Porträt Honoré de Balzac
Honoré de Balzac
1799 – 1850
– Autorenporträt –

Honoré de Balzac

1799 – 1850 · 51 Jahre

Französischer Erzähler des 19. Jahrhunderts, der in „La Comédie humaine“ mit rund 2000 wiederkehrenden Figuren ein Gesamtbild der nachrevolutionären Gesellschaft Frankreichs entwarf.

Kurzporträt

Honoré de Balzac (1799–1850) war ein französischer Schriftsteller. Er gilt neben dem älteren Stendhal und dem jüngeren Gustave Flaubert als einer der drei großen Realisten Frankreichs, auch wenn er selbst noch zur Generation der Romantiker zählte. Sein Hauptwerk ist der unvollendet gebliebene Romanzyklus La Comédie humaine (Die menschliche Komödie). Dieser entwirft mit 91 Titeln ein Gesamtbild der französischen Gesellschaft seiner Zeit. Über die einzelnen Romane und Erzählungen hinweg bevölkerte Balzac das Werk mit rund 2000 wiederkehrenden Figuren, in denen sich das nachrevolutionäre Frankreich spiegeln sollte. Daneben war er Journalist, Verleger und ein streitbarer Vorkämpfer der Urheberrechte seiner Berufsgenossen.


Biografie

Honoré Balzac kam am 20. Mai 1799 in Tours zur Welt. Er war das älteste Kind des Bernard-François Balzac und der gutbürgerlichen Pariserin Anne-Charlotte-Laure Sallambier. Der Vater war ein Bauernsohn aus dem Département Tarn und hatte sich vom Notariatsangestellten zum hohen Verwaltungsbeamten der Revolutionsarmee emporgearbeitet. Schon um 1780 hatte er seinen ursprünglichen Familiennamen Balssa zu Balzac französisiert und ihn spätestens 1803 gern mit einem „de" verziert. Die Mutter gab Honoré wie auch die jüngeren Schwestern Laure und Laurence zunächst zu Ammen in Pflege. Mit acht Jahren kam der Junge in das Internat der Oratorianer in Vendôme. Mit dreizehn wechselte er, kränkelnd und sitzengeblieben, in eine Pariser Pension und an das Lycée Charlemagne. Seine Kindheit empfand er rückblickend als freudlos. Gegen die Mutter entwickelte er einen tiefen Groll.

1814 zog die Familie nach Paris. Dort beendete Balzac 1816 die Schule und nahm ein Jurastudium auf. Daneben hörte er Vorlesungen an der philologischen Fakultät und am Collège de France. Ab 1817 arbeitete er stundenweise bei einem Anwalt und einem Notar. Anfang 1819 legte er das baccalauréat en droit ab. Im Sommer brach er das Studium jedoch ab, um Schriftsteller zu werden. Der Vater gewährte ihm zwei finanzierte Probejahre. In einer Dachwohnung verfasste Balzac Feuilletons, Lyrik, Fragmente eines Opernlibrettos und einer Tragödie. Ab 1821 produzierte er zusammen mit dem erfahreneren Auguste Lepoitevin eine Reihe von Romanen. Dabei nutzte er wechselnde Pseudonyme wie „Lord R'Hoone" oder „Horace de Saint-Aubin".

1822 begann sein Verhältnis mit der 45-jährigen Madame de Berny. Sie blieb ihm bis kurz vor ihrem Tod 1836 mütterliche Freundin. Versuche als Dramatiker und als Verfasser eines epischen Gedichts scheiterten. 1825 gab er bei einem Pariser Verleger illustrierte Ausgaben Molières und La Fontaines heraus. Auf den Geschmack gekommen, kaufte er 1826 mit einem Darlehen seiner Mutter und Mme de Bernys eine Druckerei. 1827 gliederte er ihr eine Letterngießerei an. Schon 1828 zwang ihn eine Wirtschaftskrise zum Konkurs. Die Druckerei wurde geschlossen, die Gießerei abgetreten. Balzac blieb zeitlebens Schuldner seiner Mutter, die ihn überlebte. Immerhin hatte er als Verleger Kontakt zu Autoren wie Victor Hugo und Alfred de Vigny gewonnen.

Den Durchbruch brachte 1829 der historische Roman Le dernier Chouan in der Manier Walter Scotts. Es war das erste Werk, das Balzac mit seinem Namen zeichnete. Ein „de" stellte er sich rasch davor, als ihm die Pariser Salons offenstanden. 1830 gründete er mit dem späteren Zeitungsmagnaten Girardin eine politische Zeitschrift. 1831 und 1832 erwog er Kandidaturen für ein Abgeordnetenmandat. Politisch rückte er deutlich nach rechts. Über die Marquise de Castries fand er Anschluss an die Legitimisten, die den 1830 zurückgetretenen Charles X. weiterhin als rechtmäßigen König betrachteten. Daneben war Balzac viel unterwegs und unterhielt Beziehungen zu mehreren, meist verheirateten Frauen, darunter Zulma Carraud, die Duchesse d'Abrantès, Olympe Pélissier und Frances-Sarah Guidoboni-Visconti. Aus solchen Verhältnissen gingen 1834 und 1836 auch außereheliche Kinder hervor.

1832 begann eine Korrespondenz mit der polnischen Gräfin Ewelina Hańska. Er traf sie 1833 in Neuchâtel und Genf, 1835 erstmals in Wien. Nach dem Erfolg der Chouans verfasste er in dichter Folge Erzählungen und Romane. Diese erschienen zunächst in Zeitschriften und dann als Buch, und er vermarktete sie gern unter Sammeltiteln neu: 1830 die Scènes de la vie privée, 1831 die Romans et contes philosophiques mit La Peau de chagrin, 1833 die Scènes de la vie de province mit Eugénie Grandet. 1833 schloss er einen Verlagsvertrag über eine zwölfbändige Sammlung unter dem Titel Études de mœurs au XIXe siècle. 1834 hatte er beim Schreiben des Père Goriot die folgenreiche Idee, Figuren seiner bisherigen und kommenden Werke wiederkehren zu lassen. So entstand am Ende ein Universum von gut 2000 Gestalten der nachrevolutionären französischen Gesellschaft. 1841 vereinbarte er mit einer Verlegergruppe die Gesamtausgabe unter dem Obertitel La Comédie humaine. Sie begann 1842 mit den ersten drei Bänden und war in Großgruppen wie Études philosophiques, Études analytiques und Études de mœurs gegliedert.

Sein Arbeitsrhythmus wurde legendär: oft fünfzehn bis siebzehn Stunden täglich, die er in einer Art Mönchskutte absolvierte, dazu ein Kaffeeverbrauch von bis zu fünfzig Tassen während der Arbeit. Ab 1840 wohnte er in der Rue Raynouard in dem Gebäude, das heute als Maison de Balzac zu besichtigen ist. Trotz ständig wachsender Schulden pflegte er einen aufwändigen Lebensstil mit Kutsche, eleganten Wohnungen und sogar einem Landsitz. 1838 gehörte er mit Victor Hugo, Alexandre Dumas und George Sand zu den Gründern des ersten französischen Schriftstellerverbands, der Société des Gens de Lettres. Für ihn entwarf er den Code littéraire, der erstmals die Urheberrechte der Schriftsteller an ihren Werken postulierte. Wegen Meinungsverschiedenheiten zog er sich jedoch bald zurück.

Spätestens 1843, verstärkt 1844, machten sich Gesundheitsprobleme bemerkbar. Sie waren Folge der Überanstrengung und des exzessiven Kaffeeverbrauchs. Ab 1845 war Ewelina Hańska seine feste Partnerin, wenn auch nicht ständig mit ihm zusammenlebend. Gemeinsam bereiste er Frankreich, Deutschland, Italien und die Schweiz. Den Winter 1847/48 und das gesamte Jahr 1849 verbrachte er mit ihr auf ihrem Schloss Wierzchownia bei Berdyczów im damaligen Russischen Reich, der heutigen Ukraine. Am 14. März 1850 heirateten beide in Berditschew. Nach einer strapaziösen Rückreise nach Paris starb Balzac dort am 18. August 1850 und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. Die Trauerrede hielt Victor Hugo. Die Aufnahme in die Académie française war ihm trotz mehrerer Anläufe versagt geblieben. Immerhin wurde er 1845 mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet.


Literarische Merkmale

Balzacs Schreiben ist von der Idee getragen, die ganze Gesellschaft eines Zeitalters in einem einzigen, vielteiligen Werk fassbar zu machen. Sein Hauptwerk La Comédie humaine versucht, in 91 Romanen und Erzählungen ein Gesamtbild des nachrevolutionären Frankreich zu zeichnen. Es reicht dabei vom adeligen Salon über das Pariser Bürgertum bis zur Welt der Domestiken. Charakteristisch ist die strenge Gliederung des Zyklus in Großgruppen wie Études de mœurs, Études philosophiques und Études analytiques. Hinzu kommt deren weitere Untergliederung in Scènes de la vie privée, Scènes de la vie de province und Scènes de la vie parisienne. Die einzelnen Werke sind damit zugleich für sich lesbar und Teil einer geplanten Gesamtarchitektur.

Sein bekanntestes Erzählverfahren ist die Wiederkehr der Figuren. Ab 1834, im Zuge der Arbeit am Père Goriot, ließ Balzac die Gestalten seiner bisherigen und künftigen Bücher immer wieder neu auftreten. So entstand um sie herum ein Universum von rund 2000 Personen, die Repräsentanten der nachrevolutionären französischen Gesellschaft sein sollten. Schon seine Frühwerke kreisen, wie die Wikipedia-Darstellung hervorhebt, um Themen, die später kennzeichnend für ihn blieben: das Streben nach Anerkennung und Geld und die Figur des energiegeladenen jungen Aufsteigers.

Stofflich speiste sich dieser Realismus aus eigenen Lebenserfahrungen. Dazu gehörten der Konkurs des Druckerei- und Gießerei-Unternehmens, das ihn lebenslang zum Schuldner seiner Mutter machte, die Einblicke in die adelige Welt, die ihm Liebschaften wie die mit der Duchesse d'Abrantès und der Marquise de Castries verschafften, und seine Beobachtungen als Journalist. Balzac arbeitete in extremen Pensen von fünfzehn bis siebzehn Stunden am Tag. Seine Texte überarbeitete er noch auf den Korrekturfahnen so massiv, dass sie häufig vollständig neu gesetzt werden mussten. Dieses Verfahren schmälerte seine Honorare erheblich. Bei der professionellen Literaturkritik seiner Zeit galt sein Stil als zu formlos und damit unseriös. Aus diesem Grund blieb ihm die Aufnahme in die Académie française versagt.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten war Balzac eine öffentliche Figur. Maler porträtierten ihn mehrfach, Karikaturisten nahmen ihn häufig aufs Korn, und 1845 erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Der literarische Betrieb seiner Zeit blieb ihm gegenüber jedoch reserviert. Sein Stil galt der professionellen Kritik als zu formlos und unseriös. Deshalb blieb ihm trotz mehrerer Anläufe – zuletzt in Abwesenheit 1849 – die Aufnahme in die Académie française verwehrt. Als er am 18. August 1850 starb, hielt Victor Hugo am Grab auf dem Père-Lachaise die Trauerrede.

Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung seines Werks war, zeigte sich erst nach seinem Tod. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhielt seine Witwe Ewelina Hańska größere Einkünfte aus seiner Schriftstellerei, als Balzac zu Lebzeiten selbst eingenommen hatte. Das lag auch daran, dass er seine Honorare durch endlose Korrekturen auf den Druckfahnen geschmälert hatte. Schon zu Lebzeiten war seine Reichweite international. Eines seiner Werke wurde nach der Veröffentlichung in Frankreich immer wieder in Belgien nachgedruckt und in hohen Auflagen billig in ganz Europa vertrieben, ohne dass er daran beteiligt war. Dieser Missstand trieb ihn 1838 zur Mitgründung der Société des Gens de Lettres und zum Entwurf des Code littéraire, der erstmals die Urheberrechte der Schriftsteller postulierte.

In den Literaturgeschichten ist Balzac heute fest verankert. Obwohl er selbst zur Generation der Romantiker zählte, wird er dort mit dem älteren Stendhal und dem jüngeren Gustave Flaubert als Dreigestirn der großen Realisten geführt. Sichtbarstes Denkmal seiner Nachwirkung ist die Statue, die Auguste Rodin zwischen 1893 und 1897 schuf und die heute im Pariser Rodin-Museum steht. Das Haus in der Rue Raynouard, in dem er ab 1840 wohnte, ist als Maison de Balzac öffentlich zugänglich.

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