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Porträt Herman Bang
Herman Bang
1857 – 1912
– Autorenporträt –

Herman Bang

1857 – 1912 · 54 Jahre

Der dänische Schriftsteller war einer der bekanntesten Journalisten seiner Zeit und wurde nach 1890 mit seinen Romanen und Novellen europaweit bekannt.

Kurzbiografie↑

Herman Bang war ein dänischer Schriftsteller und Journalist. Geboren wurde er 1857 auf der Insel Alsen, gestorben 1912 während einer Vortragsreise durch die USA. Als Journalist prägte er in Kopenhagen eine neue Form des Feuilletons und wurde bald einer der bekanntesten Publizisten seiner Zeit. Zugleich schrieb er Romane und Novellen, die ihm nach 1890 europaweite Anerkennung brachten. Er gilt als einer der führenden Vertreter des literarischen Impressionismus.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Herman Bang in einem evangelischen Pfarrhaus; sein Vater war Pastor der Dänischen Volkskirche. Geboren wurde er in Asserballe auf der Insel Alsen.

Auf Wunsch seines Großvaters Oluf Lundt Bang studierte er ab 1875 Jura und Staatswissenschaften an der Universität Kopenhagen, um Diplomat zu werden. Dieses Studium gab er 1877 auf. Nach vergeblichen Versuchen, sich als Schauspieler zu behaupten, wurde er 1878 Journalist bei der führenden konservativen Kopenhagener Zeitung „Dagbladet“. Im Spätherbst 1879 erhielt er bei der neuen, eher an Beamte und Kaufleute gerichteten „Nationaltidende“ die Möglichkeit, eine eigene Form des Feuilletons zu entwickeln – oder, wie er selbst sagte, „in neuer und wirrer Weise zu schreiben“. Unter der Rubrik „Wechselnde Themen“ verfasste er über vier Jahre lang mehr als 200 Sonntagsfeuilletons über das Leben im Kopenhagen König Christians IX. Sein Vorbild war das französische Kulturfeuilleton des Zweiten Kaiserreichs, das literarische Kritik, Erlebnisjournalismus, Reiseberichte und Porträts miteinander verband.

Schon bald galt Bang als einer der bedeutendsten dänischen Journalisten seiner Zeit, wurde aber auch sehr kontrovers diskutiert. Er lebte das Leben eines Dandys und inszenierte sich als Gesamtkunstwerk nach dem Vorbild von Huysmans und Wilde. Seine homosexuellen Neigungen zeigte er auch öffentlich, was ihm in Dänemark Anfeindungen und Isolation eintrug. Sein erster Roman Haabløse Slægter (deutsch Hoffnungslose Geschlechter) erregte 1880 einen Skandal und wurde wegen „Unsittlichkeit“ beschlagnahmt. Bang litt unter Depressionen und, als Folge seiner Drogensucht, auch an epileptischen Anfällen.

Ein Artikel für eine norwegische Zeitung, in dem er sich abfällig über die deutsche Kaiserfamilie äußerte, beendete 1886 seine Hoffnung auf eine Mitarbeit beim „Berliner Tageblatt“. Er wurde aus Preußen ausgewiesen und reiste zunächst nach Meiningen, dann nach Wien und schließlich nach Prag. Unter ärmlichen Verhältnissen entstanden in dieser Zeit einige seiner Werke, darunter die Romane Am Weg und Stuck (deutsch auch als Zusammenbruch). In Wien und Prag lebte er mit dem deutschen Schauspieler Max Eisfeld zusammen, den er am Hoftheater in Meiningen kennengelernt hatte. Weiterhin blieb er auf den Journalismus als Broterwerb angewiesen, dazu auf Lesungen, Vorträge und Theaterinszenierungen.

Erst nach 1890 fanden seine Romane und Novellen mehr und mehr Anerkennung, und er erlangte europaweite Bekanntheit. Seine Werke erschienen auf Deutsch im Verlag von Samuel Fischer. Viele Vortragsreisen führten ihn durch Europa und die USA. Auf einer Reise im Zug von New York nach San Francisco erlitt er einen Schlaganfall und starb 1912 in der Klinik von Ogden in Utah. Begraben wurde er auf dem Vestre Kirkegård in Kopenhagen, unter einer Blutbuche in einem anonymen, aber identifizierbaren Grab.


Literarische Merkmale↑

Prägend für Bang war eine neue, freie Form des Feuilletons, die er als Journalist entwickelte. Er selbst sprach davon, „in neuer und wirrer Weise“ zu schreiben, und verband literarische Kritik, Erlebnisjournalismus, Reiseschilderungen und Porträts zu einem bunten Gemisch. Vorbild war ihm das französische Kulturfeuilleton des Zweiten Kaiserreichs. In seiner Lebensführung inszenierte er sich als Dandy und Gesamtkunstwerk nach dem Vorbild von Huysmans und Wilde. Heute gilt er als einer der führenden Vertreter des literarischen Impressionismus.


Rezeption↑

Anerkennung als Erzähler fand Bang vor allem nach 1890, als seine Romane und Novellen über Dänemark hinaus gelesen wurden und er europaweite Bekanntheit erlangte. Seine Werke waren bis in die dreißiger Jahre hinein einflussreich. Thomas Mann schrieb 1902 in einem Brief: „Jetzt lese ich beständig Herman Bang, dem ich mich tief verwandt fühle.“ Klaus Mann schilderte Bangs letzte Stunden in seiner Erzählung Reise ans Ende der Nacht, ebenso Friedrich Sieburg in Der Tod eines Dichters. An seinem ehemaligen Wohnort in Berlin-Wilmersdorf, Fasanenstraße 58, wurde am 19. November 2021 eine Berliner Gedenktafel enthüllt.

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