1808 – 1889
Jules Amédée Barbey d’Aurevilly
Kurzporträt↑
Als französischer Schriftsteller und Moralist gehört Jules Amédée Barbey d’Aurevilly zu den eigenwilligen Gestalten des 19. Jahrhunderts. Geboren wurde er 1808 im normannischen Saint-Sauveur-le-Vicomte. Er arbeitete als Literatur- und Kulturkritiker für verschiedene konservative Zeitungen. Dabei trat er als überzeugter Katholik und Monarchist hervor. Am stärksten ist sein Werk dort, wo er von Leidenschaften getriebene Sünder schildert. Getragen wird es von einer bildreichen, visionären Sprache. Bekannt wurde vor allem sein Novellenzyklus Diabolische Geschichten. Barbey d’Aurevilly starb 1889 in Paris.
Biografie↑
Geboren wurde Jules Amédée Barbey d’Aurevilly am 2. November 1808 in Saint-Sauveur-le-Vicomte im Département Manche in der Normandie. Seine Abstammung war gutbürgerlich, und er wuchs wohlbehütet auf. Später gab er sich den Hauch der Aristokratie und verschleierte seine Vergangenheit. Damit wurde er zu einem außerordentlichen Beispiel für die Exzentrizität, deren die Romantiker fähig waren.
Beruflich arbeitete Barbey d’Aurevilly als Literatur- und Kulturkritiker für verschiedene konservative Zeitungen. Er war Monarchist und überzeugter Katholik. In scharfer Weise kritisierte er die Entwicklungen der Moderne. Immer wieder wandte er sich gegen den literarischen Realismus, obwohl er ihn selbst praktizierte. Sein literarisches Werk umfasst Romane und Erzählungen wie Die alte Mätresse, Die Verhexte und Le Chevalier Des Touches sowie den Novellenzyklus Diabolische Geschichten. Daneben verfasste er Essays, darunter Gegen Goethe und Über das Dandytum, sowie Aphorismen.
Im Jahr 1867 lernte Barbey d'Aurevilly Léon Bloy kennen. Ab 1875 wirkte Bloy als freiwilliger Sekretär bei ihm. Eine briefliche Verbindung zwischen beiden ist überliefert.
Barbey d’Aurevilly starb am 23. April 1889 in Paris. Zunächst wurde er auf dem Friedhof Montparnasse beerdigt. Im Jahr 1926 wurden seine Gebeine auf den Friedhof seiner Heimatstadt in der Normandie überführt.
Literarische Merkmale↑
Charakteristisch für Barbey d’Aurevilly ist eine visionäre, metaphernreiche Sprache. Seine besondere Stärke liegt in der Schilderung von Figuren, die von ihren Leidenschaften getrieben werden. Es sind Sünder, deren innere Zerrissenheit er eindringlich nachzeichnet. Obwohl er den literarischen Realismus seiner Zeit ablehnte und scharf gegen die Moderne polemisierte, bediente er sich in seinen Werken durchaus realistischer Mittel. Paul Bourget beschrieb ihn als Träumer mit einem vorzüglichen Sinn für Visionen. In seiner Arbeit suchte und fand er Schutz vor der Welt seiner Tage.
Rezeption↑
Im 20. Jahrhundert wurde Barbey d’Aurevilly oft als Vorläufer von François Mauriac und Georges Bernanos angesehen. Die Urteile über ihn gingen schon zu Lebzeiten auseinander. Paul Bourget würdigte ihn wohlwollend als visionären Träumer. Der weniger geneigte Kritiker Jules Lemaître dagegen sah in den außerordentlichen Verbrechen seiner Helden, seinen reaktionären Ansichten sowie seinem Dandyismus und Snobismus eine übertriebene Anlehnung an Lord Byron.
Sein Werk wirkte über die Literatur hinaus. Mehrere seiner Erzählungen wurden für Theater und Film bearbeitet. Dazu zählt Die alte Mätresse, die Catherine Breillat 2007 verfilmte, sowie Der scharlachrote Vorhang in der Regie von Alexandre Astruc (1952). In deutscher Übersetzung erschien sein Werk unter anderem im Verlag Matthes & Seitz Berlin. Dieser brachte zwischen 2006 und 2014 ausgewählte Essays in Einzelbänden heraus.
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