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Werkseintrag · Diabolische Geschichten
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Cover Diabolische Geschichten
Diabolische Geschichten
1874
– Werkseintrag –

Diabolische Geschichten

1874 · Novelle

Sechs Novellen über Frauen, die zu Leidenschaft, Ehebruch und Verbrechen fähig sind – und deren wahre Beweggründe meist bis zum letzten Satz im Dunkeln bleiben.

Überblick↑

Der Erzählband Les Diaboliques versammelt sechs Novellen von Jules Amédée Barbey d'Aurevilly. Er erschien im November 1874 in Paris beim Verleger Dentu. Im Mittelpunkt jeder Geschichte steht eine Frau, deren Beweggründe im Dunkeln bleiben. Die Erzählungen kreisen um Leidenschaft, Ehebruch, Rache und Verbrechen. Der Titel – auf Deutsch etwa „Die Teuflischen“ – spielt auf diese rätselhaften, zu allem fähigen Frauengestalten an. Das Buch löste einen Skandal aus: Dem gläubigen Katholiken Barbey warf man Unmoral vor. Bis heute zählt die Sammlung zu seinen wichtigsten Werken.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Sechs voneinander unabhängige Novellen bilden die Sammlung. Jede rückt eine Frau in den Mittelpunkt, die dem Erzähler und dem Leser ein Rätsel bleibt. Die Geschichten spielen in der vornehmen, scheinbar gesitteten Welt des 19. Jahrhunderts. Sie handeln von Liebe und Leidenschaft, von Ehebruch, Rache und heimlichem Verbrechen. Barbey gab vor, keine dieser Geschichten erfunden, sondern alle aus dem Leben gegriffen zu haben. Erzählt werden sie meist aus zweiter Hand: Ein Ich-Erzähler gibt wieder, was ihm ein anderer berichtet hat. So betrachtet der Leser die Frauen stets nur von außen. Zu den Novellen gehören Le Rideau cramoisi (Der purpurrote Vorhang), Le Bonheur dans le crime (Das Glück im Verbrechen), Le Dessous de cartes d'une partie de whist und La Vengeance d'une femme (Die Rache einer Frau).

Die Handlung im Detail↑

Fast ein Vierteljahrhundert reifte das Buch heran. Ursprünglich sollte es Ricochets de conversation heißen. Schon um 1850 arbeitete Barbey daran. Damals erschien die Novelle Le Dessous de cartes d'une partie de whist in drei Folgen in der Zeitschrift La Mode, nachdem die Revue des deux Mondes sie abgelehnt hatte. Nach dem Ende der Pariser Kommune zog sich Barbey in die Normandie zurück und vollendete das Werk dort im Jahr 1873.

Jede der sechs Novellen folgt einem ähnlichen Bau. Ein Erzähler berichtet von einer Frau, die zu Leidenschaft, Betrug oder Verbrechen fähig ist, ohne dass ihre wahren Beweggründe je offengelegt werden. In Le Bonheur dans le crime etwa heißt die weibliche Hauptfigur Hauteclaire; nach ihr sind spätere Bearbeitungen benannt. In Le Dessous de cartes d'une partie de whist verbirgt sich, wie der Titel andeutet, hinter einer Runde des Kartenspiels Whist mehr, als die vornehme Gesellschaft ahnt.

Der Schluss jeder Novelle ist kurz und überraschend und lässt die Frage nach dem eigentlichen Motiv offen. Die „Teuflischen“ geben ihr Geheimnis nie ganz preis. Die Erzählung bricht in demselben Schweigen ab, das das ganze Buch durchzieht. Gerade dieses bewusst offengelassene Ende macht den Reiz der Geschichten aus. Eine Ausnahme bildet La Vengeance d'une femme: In dieser Novelle lässt Barbey den Leser als einziges Mal in das Innere seiner Heldin blicken.

Stil↑

Rätselhaft, mitunter fast unwirklich wirken die Frauen, um die Barbeys Novellen kreisen. In ihr Inneres lässt der Autor den Leser fast nie blicken – einzig in La Vengeance d'une femme macht er eine Ausnahme. Sonst bleibt nur, ihr Verhalten von außen zu deuten, geführt von einem oder mehreren Erzählern. Der Schluss kommt knapp und unerwartet, wie in der Novelle üblich, und lässt den Leser ratlos zurück. Die wahren Absichten der „Teuflischen“ werden nie enthüllt; jede Geschichte endet in jenem Verschweigen, das das ganze Buch prägt. Philippe Berthier beschrieb diese Erzählweise als eine freie Hand, die dem Traum gelassen wird, um das nur angedeutete Werk nach eigenem Gutdünken weiterzuspinnen. Gerade in dieser unvollendeten Enthüllung liegt der Reiz der Novellen.

Die Themen sind Liebe und Ehebruch, Mord, Rache und Groll. Sie führen in eine anstößige Welt und trugen Barbey den Vorwurf der Unmoral ein. Dabei war er ein glühender Katholik. Im Vorwort betonte er, er stelle diese teuflischen Frauen dar, um Abscheu vor ihrem Handeln zu wecken und so ein christliches Werk zu schaffen. Das Buch sollte also belehren. Doch die sichtliche Lust, mit der Barbey seine Bilder und Szenen ausmalt, macht diese Absicht zweifelhaft. Die Gnade fehlt in dem Band auffällig, was ihm einen satanischen Zug verleiht. Diese Doppeldeutigkeit gehört zur Vielschichtigkeit des Werks.

Barbey selbst wehrte sich gegen das Missverständnis, er habe bloß Schauergeschichten geschrieben. Seine Novellen, so betonte er, seien keine Teufeleien, sondern wahre Begebenheiten seiner Zeit. Nichts sei erfunden, alles selbst gesehen.

Rezeption↑

Für einen Skandal sorgte das Buch schon bei seinem Erscheinen; der Vorwurf der Unmoral begleitete es. Diese Auseinandersetzung wurde noch 2024 zum Gegenstand eines Theaterstücks von Christophe Barbier, das ebenfalls Les Diaboliques heißt.

Die Novellen zogen zahlreiche Bearbeitungen nach sich. 1953 verfilmte Alexandre Astruc Le Rideau cramoisi als 44-minütigen Film mit Anouk Aimée, Jean-Claude Pascal und Alain Cuny; die Arbeit wurde mit dem Prix Louis-Delluc ausgezeichnet. Fürs Fernsehen wurde vor allem Le Bonheur dans le crime adaptiert, unter anderem 1961 unter dem Titel Hauteclaire mit Michel Piccoli und Mireille Darc sowie 2009 mit Didier Bourdon. Auch Le Dessous de cartes d'une partie de whist kam 1971 ins Fernsehen. La Vengeance d'une femme wurde 2009 als Comic umgesetzt.

Andere Autoren spannen den Faden fort. Jean de La Varende fügte seinem Roman L'Homme aux gants de toile zwei Geschichten ein, die er als „siebte“ und „achte Teuflische“ bezeichnete. Adrienne Weick veröffentlichte ein Buch mit dem Titel La septième diabolique, das 2022 einen Krimipreis erhielt.

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